Beim Konzert der Lehrkräfte der Musikschule Toggenburg herrschte pure Spielfreude bei den Unterrichtenden

Das Konzert der Lehrkräfte der Musikschule Toggenburg brachte ausschliesslich Werke, die von ihnen selbst komponiert waren: moderne und klassische Musik, geistliche und besinnliche Stücke, bis hin zum Wort- und Klangspass.

Peter Küpfer
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Die Lehrpersonen der Musikschule stehen in Alt St. Johann selber auf der Bühne. Deren Begeisterung zur Musik und zum Vortragen derselben hat sich schon bei vielen jugendlichen Musizierenden fördernd ausgewirkt. (Bild: Peter Küpfer)

Die Lehrpersonen der Musikschule stehen in Alt St. Johann selber auf der Bühne. Deren Begeisterung zur Musik und zum Vortragen derselben hat sich schon bei vielen jugendlichen Musizierenden fördernd ausgewirkt. (Bild: Peter Küpfer)

«Wie die Alten sungen, so zwitschern auch die Jungen.» Das Sprichwort bewahrheitete sich einmal mehr am Konzert der Lehrkräfte der Musikschule Toggenburg in der Probstei Alt St. Johann. Zur Freude von Hauptorganisatorin Bettina König war der Saal bis in die hinteren Reihen gefüllt.

Die Bandbreite der zur Aufführung gelangenden Eigenkompositionen war gross. Das Programm kombinierte Einzelinstrumente, Solospiele und Solo-Gesangsstimmen mit einem homogenen Ad-hoc-Chor. In allem war für den Zuhörer viel Freude spürbar und auch vom Stimmungsmässigen her ein überzeugender Auftritt.

Tradition kombiniert mit Moderne

Den Rahmen des Programms setzten zwei Proben aus der Werkstatt von Jaroslaw Netter. Der Komponist mit polnischen Wurzeln kombiniert in seinen Werken die klassische Tradition mit modernen musikalischen Verfahren. Die gespielten Titel aus den «Intervall-Präludien» und der erst vor kurzem fertiggestellten «Sonatine» überraschten durch ihr fantasievolles Spiel mit Bekanntem und neuen Klangwegen. Die Sinnlichkeit und gleichzeitige Formstrenge von Netters Kompositonsbeispielen traten im akzentuierten Spiel des jungen Schweizer Pianisten Luca Di Salvo deutlich hervor und bewirkten eine Umarmung des bewegten Komponisten.

Die Küstenwelt der nordfriesischen Halligen inspirierte Sandra Zapp zur Vertonung eines modernen Psalmtextes. Die auf ihren festen Sockeln sitzenden Siedlungen trotzen seit Jahrhunderten dem zeitweise heftigen Ansturm der Nordsee. Der durch einen neunköpfigen Ad-hoc-Chor a cappella intonierte, moderne Choral überzeugte durch seinen teils innigen, teils leidenschaftlichen, immer homogenen Klang. Im Chor sing übrigens auch der Präsident der Musikschule Toggenburg, Hanspeter Schoch, mit.

Das Stichwort «anregende Kostproben» galt auch für den zweiten Auftritt des Vokalensembles, diesmal ergänzt durch zwei Solostimmen (Alt Irina Florin, Tenor Andreas Frefel) sowie instrumentale Begleitung. Er brachte als Vor-Uraufführung Ausschnitte aus Roman Bislins neuester Komposition (siehe Box) seiner Pilgermusik mit dem Titel «Weg zur Mitte.» Es handelte sich um Nr. 2 und 3 der Komposition mit den Titeln «Innehalten» und «Weitergehen».

Junge Menschen für Instrumente begeistert

Etwas weniger dramatisch, aber nicht weniger anspielungsreich verhielten sich die drei Tänze von Walter Märki, mit ihm selbst am Hackbrett, zwei Violinen (Irma Diethelm und Elisabeth Eberhard) sowie Tobias Claudy am Klavier. Walter Märki, seit kurzem in Pension, hat in seinem Wirken Generationen von jungen Menschen zur Begeisterung gegenüber musikalischen Traditionen und Instrumenten geführt. Sein seelenvolles Spiel zeigte an diesem Abend warum.Virtuoses zelebrierten Nilgün Keles und Thomas Jancso am Flügel. Die Pianistin und Komponistin mit zwei Titeln, welche Lieder des Chansonniers Mani Matter zu ausdrucksstarken Kompositionen verarbeiteten; Thomas Jancso mit zwei von traditionellen Jazzmotiven ausgehenden ebenso komplexen wie explosiven Kompositionen, leichtflüssig moduliert von einer akzentuiert gespielten Flöte (Andra Talmaclu).

Auf grosse Heiterkeit stiessen die musikkabarettistischen Titel von Schlagzeuger und Perkussionist Jan Geiger aus seinem Programm «Klebeband», darunter seine legendäre «St. Galler Brodwurscht». Auf seinen aus Schuh- und Hutschachteln selbstgebastelten Trommeln zauberte er ganze Welten, herausgeklopft aus seinen Fingern und einem altgedienten Tamburinschläger und hergeraschelt von rhythmisch zerknülltem Zeitungspapier. Seine vordergründige Wurstigkeit in Text und Klang entpuppte sich dabei immer wieder als verzwackt hintergründig.

Uraufführung

Musiker und Komponist Roman Bislin hat seine Pilgermusik «Weg zur Mitte» im Auftrag des Zehn-Jahre-Jubiläums der St. Galler Pilgerherberge geschrieben. Roman Bislins Komposition kommt kommenden Samstag, 22. September, in St. Gallen zur Uraufführung. Ertönen wird «Weg zur Mitte» im Rahmen eines öffentlichen ökumenischen Gottesdienstes in der Kirche St. Mangen. Beginn des Gottesdienstes ist um 11 Uhr. Es wird eine Kollekte erhoben. (pek)