Beim Campus Wattwil sind die Toggenburger Kantonsräte zuversichtlich

Toggenburger Exponenten der im Kantonsrat vertretenen Parteien haben keine Angst vor der Volksabstimmung über den Campus Wattwil. Sie betonen, dass man die Kosten gut erklären kann und muss.

Martin Knoepfel
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Die Kantonsschule Wattwil soll auf dem Rietstein-Areal einen Neubau erhalten. Nach 2028 kann sich der Kanton den Verkauf der heutigen Gebäude der Schule vorstellen. (Bild: Michel Canonica)

Die Kantonsschule Wattwil soll auf dem Rietstein-Areal einen Neubau erhalten. Nach 2028 kann sich der Kanton den Verkauf der heutigen Gebäude der Schule vorstellen. (Bild: Michel Canonica)

Der Campus Wattwil hat eine weitere Hürde genommen. Am Dienstagmorgen verabschiedete der Regierungsrat die Baubotschaft zu Handen des Kantonsrats (Bericht in der Ausgabe vom Mittwoch). Der Campus umfasst den Neubau der Kanti sowie die Erweiterung und Renovation des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg (BWZT) in Wattwil.

Nun stellt sich die Frage, was die Toggenburger Politiker dazu beitragen werden, die Vorlage durch den Kantonsrat und dann durch die Volksabstimmung zu bringen. Die Volksabstimmung wird voraussichtlich im nächsten November stattfinden.

Das «Toggenburger Tagblatt» sprach deshalb mit je einem Vertreter jeder Partei aus dem Wahlkreis. Das Parlament wird die höhere Hürde für die Vorlage bilden als die Volksabstimmung, obwohl man diese ebenfalls ernst nehmen muss. Darin stimmen alle vier befragten Kantonsräte überein.

«Campus Wattwil ist ausgewogene Lösung»

Es gebe immer Stimmbürger, die fänden, ein Projekt sei zu teuer, sagt Kilian Looser (FDP, Nesslau). Man müsse deshalb die Kosten gut begründen. Der Campus sei eine gute Lösung und erlaube es, Synergien zu nutzen.

Kilian Looser, FDP-Kantonsrat aus Nesslau. (Bild: Regina Kühne)

Kilian Looser, FDP-Kantonsrat aus Nesslau. (Bild: Regina Kühne)

Dass die Mehrheit der Kantonsschüler aus dem Linthgebiet nach Wattwil pendeln muss, ist für Kilian Looser kein Argument gegen eine Kanti in Wattwil. Von Uznach oder Kaltbrunn sei man rascher in Wattwil als in Rapperswil, gibt er zu bedenken. Es sei auch nicht sinnvoll, die gut funktionierende Kanti Wattwil zu schwächen, sagt Kilian Looser.

Er weist zugleich darauf hin, dass der Regierungsrat auf eine ausgewogene Verteilung der kantonalen Institutionen auf die verschiedenen Regionen achtet. Im Grunde sei der Standortentscheid schon lange gefallen, nur hätten einige Exponenten aus dem Linthgebiet das nicht wahrhaben wollen, sagt Kilian Looser.

Warnung vor Lösung mit zwei Standorten

Ivan Louis (SVP, Nesslau) ist auch Präsident des Vereins Campus Wattwil. Er weist darauf hin, dass zwei Kantonsräte aus dem Linthgebiet, Eva Keller (SP, Kaltbrunn) und Bernhard Zahner (SVP, Kaltbrunn), Vereinsmitglieder sind.

Ivan Louis, SVP-Kantonsrat aus Nesslau- (Bild: Regina Kühne)

Ivan Louis, SVP-Kantonsrat aus Nesslau- (Bild: Regina Kühne)

Nach Ansicht von Ivan Louis wird die Diskussion um den Campus Wattwil stark von den Wahlkreisgrenzen geprägt. Bei einem Ja zum Campus Wattwil profitierten auch die Schüler aus dem Linthgebiet von einer modernen Infrastruktur, betont er. Bei einem Nein würde es mindestens zehn Jahre dauern, bis eine neue Lösung gefunden wäre, sagt Ivan Louis. Man werde jedoch nicht alle Kantonsräte aus dem Linthgebiet vom Campus Wattwil überzeugen können, räumt der Nesslauer ein.

Die von Kantonsräten aus dem Linthgebiet und der Stadt Rapperswil vorgeschlagene Lösung mit zwei Standorten der Kanti Wattwil sehe auf den ersten Blick wie ein guter Kompromiss aus. «Dieser Eindruck ist falsch, weil es wegen Nichterreichens einer kritischen Schulgrösse nicht möglich wäre, das heutige Angebot an Freifächern aufrechtzuerhalten. Man muss deshalb auch die nicht direkt betroffenen Regionen vor einer Lösung mit zwei Standorten warnen», sagt Ivan Louis.

Plädoyer für Solidarität der Regionen

Mathias Müller (CVP, Lichtensteig) ist Präsident des Fördervereins Bildungsstandort Toggenburg. Wichtig sei, dass man seine Fraktionskollegen überzeugen könne, sagt er. Wertvoll sei es, wenn man in der vorberatenden Kommission mitarbeiten und mitdiskutieren könne.

Mathias Müller, CVP-Kantonsrat aus Lichtensteig. (Bild: Mareycke Frehner)

Mathias Müller, CVP-Kantonsrat aus Lichtensteig. (Bild: Mareycke Frehner)

Mathias Müller zählt auf die Solidarität der anderen Regionen. Andere Standorte kantonaler Einrichtungen könnten seiner Ansicht nach ebenfalls unter Druck geraten, wenn Wattwil als Standort der Kanti in Frage gestellt werde. Mathias Müller weist auch auf die zentrale Lage von Wattwil hin. In der Debatte müsse man die Sicht der Schüler einnehmen, findet er. Für die Schüler funktioniere die Kanti heute in Wattwil gut. Bei einer Verlegung bestehe die Gefahr, dass viel kaputt gemacht werde.

Mathias Müller weist zudem darauf hin, dass sich der Förderverein Bildungsstandort Toggenburg, die Gemeinde Wattwil und der Verein Campus Wattwil seit längerem für den Campus einsetzen. Der Förderverein Bildungsstandort habe Geld gesammelt und werde im Hinblick auf die Volksabstimmung weitere Geldmittel aufzutreiben versuchen.

Bei einem Ja zum Kredit für den Campus Wattwil wird um 2028 das frühere Sekundarschulhaus in Lichtensteig nicht mehr für die Berufsschule benötigt. Es gehört der Gemeinde. Lichtensteig habe genug Zeit, um neue Nutzer zu finden, sagt Mathias Müller. Er zählt darauf, dass die Projekte, die in den letzten Jahren in der Gemeinde gestartet wurden, eine zusätzliche Nachfrage nach Räumen generieren.

«Die Kosten plausibel erklären»

Christoph Thurnherr (SP, Ulisbach) erinnert sich an keine Schulvorlage aus den letzten Jahren, die vom Volk abgelehnt worden ist. Im Wahlkreis See-Gaster werde es wohl keine Ja-Mehrheit für den Campus, aber viele Ja-Stimmen geben, glaubt der SP-Kantonsrat. Man müsse versuchen, von jeder Partei einen Toggenburger in die vorberatende Kommission zu bringen. Wenn eine vorberatende Kommission bestellt wird, was im Fall des Campus im Februar erfolgen wird, bewerbe man sich jeweils parteiintern.

Christoph Thurnherr, SP-Kantonsrat aus Ulisbach. (Bild: PD)

Christoph Thurnherr, SP-Kantonsrat aus Ulisbach. (Bild: PD)

Die Toggenburger Kantonsräte hätten sich noch nicht abgesprochen, wie sie argumentierten sagt Christoph Thurnherr. Es gelte, die Kosten für den Campus plausibel zu erklären. Man könne ein Schulhaus heute nicht mehr gleich wie vor 50 Jahren nutzen, sagt er. Zum Beispiel fehlten in der Kanti die Lehrerarbeitsplätze fast völlig.

Christoph Thurnherr weist darauf hin, dass das BWZT aufgestockt und saniert werden soll. Es brauche zudem eine neue Turnhalle. Die Auflagen für die Erdbebensicherheit und den Brandschutz würden immer teurer. Das alles würde an einem anderen Standort ebenfalls Geld kosten. Die Fassade des BWZT sei 30 Jahre alt. Die Fenster seien im Jahr 2000 erneuert worden, sagt Christoph Thurnherr. In der Botschaft der Regierung heisst es, wegen des Zustands und der Lebensdauer einzelner Bauteile brauche es weitergehende Erneuerungsmassnahmen vor allem im Bereich der Fassaden.