Bei Ywona und Robert Natkaniec geht es geht wirklich um die Wurst

Ein polnisches Ehepaar stellt in Mosnang Spezialitäten aus ihrem Heimatland her. Im Räucherofen und nach den Rezepten von Oma.

Fränzi Göggel
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Ywona und Robert Natkaniec präsentieren ihre selbstgemachten Wurstwaren.

Ywona und Robert Natkaniec präsentieren ihre selbstgemachten Wurstwaren.

Bild: Fränzi Göggel

Nicht ortskundige Automobiliste wenden manchmal im Weiler Winklen bei Mosnang in der Annahme, sie seien in einer Sackgasse auf einem Hofplatz gelandet. Das schmale Strässchen aber verbindet Oberwinklen mit dem Chogelhuet.

Schattenhalb ist das Holzhaus in Winkeln mit der Eingangstür direkt auf die Strasse seit Oktober letzten Jahres wieder bewohnt. Ein Schild an der Hauswand macht auf polnische Spezialitäten aufmerksam.

Von Polen über Chur und Frauenfeld nach Mosnang

Robert Natkaniec betrieb in den polnischen Bergen im Länderdreieck Polen, Ukraine und Slovakei eine Ferienhaussiedlung mit dazugehörigem Restaurant. Aus privaten Gründen verkaufte er alles und entschied spontan, dass er einen Neuanfang genau so gut in einem anderen Land versuchen könne.

Im Internet fand der gelernte Elektromonteur eine Stelle in seinem Beruf in Chur, im Januar 2012 zog er dorthin. Danach arbeitete er in Frauenfeld in der Zuckerfabrik, auf einer Grossbaustelle in Gossau im Fürstenland und bei Würth in Rorschach, stets auf seinem Beruf.

Mittlerweile in Rorschacherberg zu Hause fand er über Facebook seine Köchin Ywona Pietryka wieder. Sie hat als 18-Jährige damals im Restaurant der Ferienhaussiedlung gearbeitet. Die beiden hatten sich aus den Augen verloren und keinen Kontakt mehr.

«Bitte geh nicht zurück, werde meine Frau»

Spontan reiste Robert Natkaniec zu ihr nach Polen. Die zwanzig Jahre, in denen sie keinen Kontakt hatten, gaben viel Gesprächsstoff und Natkaniec lud Pietryka ein, ihn doch mal in der Schweiz zu besuchen. Aus einem Wochenende wurden drei Wochen. Als Pietryka mit dem Fernreisebus zurück nach Polen fahren sollte, sagte Natkaniec zu ihr: «Bitte geh nicht zurück, werde meine Frau.»

Das Ehepaar Natkaniec lebte in einer Dreizimmerwohnung und begann in der Freizeit polnische Spezialitäten zu produzieren. Überlieferte Rezepte aus Polen und die Kenntnisse aus der Zeit im Restaurant lockten zum Ausprobieren.

Zum Geburtstag kaufte Robert Natkaniec seiner Frau einen portablen Räucherofen. «Erst wollte ich ihr eine Fotokamera schenken, doch sie wollte lieber etwas, dass wir beide gebrauchen können», erzählt er. Schon bald hatten sie Erfolg mit ihren delikaten Sachen und die kleine Wohnung eignete sich nicht mehr zum Produzieren.

«Wir schauten uns sicher mehr als 20 Häuser an, aber keines entsprach unseren Vorstellungen.»

Dann war noch eines zu besichtigen, das in Winklen in der Gemeinde Mosnang. «Wenn dies auch nichts ist, kehren wir nach Polen zurück und machen unser Ding dort, haben wir beschlossen. Doch als wir den Kachelofen und den Räucherkamin sahen, verliebten wir uns sofort in das Haus», schwärmen sie. Aus dem Hobby der Beiden wurde der Haupterwerb.

Gute Qualität aus regionalen Grundzutaten

Das Angebot an polnischen Spezialitäten wächst stetig. «Am liebsten habe ich, wenn die Leute spontan vorbeischauen und unsere Sachen probieren, bevor sie etwas kaufen», erklärt Robert Natkaniec seine Verkaufsstrategie.

Mit Erlenholz, Hartholz von Obstbäumen und wenig Eichenholz räuchert er. Aus der Rohmilch von Nachbars Kühen stellen sie zwei Sorten Käse her. Ein Frischkäse, und einer, der vor dem Genuss in den Rauch kommt. Die Würste sind unterschiedlich gewürzt, der Schinken mit Zwetschgen verfeinert.

Mit Milchbakterien angesäuertes Gemüse, süsse Leckereien und Brot aus dem Holzofen nach Omas Rezept runden das Angebot ab. «Das Wichtigste für uns ist eine hervorragende Qualität aus regionalen Rohstoffen zu bieten. Um das zu gewährleisten, möchten wir nur so gross werden, dass wir die Herstellung zu zweit schaffen können», unterstreichen sie ihr Ziel.