Bei den Plänen, wie das Kirchberger Zentrum in Zukunft verkehrstechnisch aussehen soll, gehen die Meinungen auseinander – zwei von sechs Varianten sind in der engeren Auswahl

Der Strassenraum im Kirchberger Zentrum soll neu gestaltet werden – die vorgelegten Pläne überzeugen nicht alle.

Beat Lanzendorfer
Drucken
Teilen
Zwischen dem Gemeindehaus (links) und der sich im Bau befindlichen Zentrumsüberbauung soll die geplante Bushaltestelle (Bushof) zu stehen kommen, zu der auch ein gedeckter Unterstand gehört.

Zwischen dem Gemeindehaus (links) und der sich im Bau befindlichen Zentrumsüberbauung soll die geplante Bushaltestelle (Bushof) zu stehen kommen, zu der auch ein gedeckter Unterstand gehört.

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Kantons- und Gemeindestrassen im Zentrum von Kirchberg entsprechen nicht mehr den heutigen Bedürfnissen. Gemäss Gemeinderat erfüllen diese die Vorstellungen eines funktionsgerechten Ausbaustandards nicht.

Ergebnisse des erarbeiteten Konzepts liegen vor

Deshalb gab die Executive dem Ingenieurbüro Brühwiler AG, Gossau, den Auftrag, ein Betriebs- und Gestaltungskonzept zu erarbeiten. Mit in die Arbeiten involviert waren das kantonale Tiefbauamt, die Kantonspolizei sowie das Amt für öffentlichen Verkehr des Kantons St.Gallen.

Das erarbeitete Konzept sollte aufzeigen, welche Anforderungen zu erfüllen sind, welche Mängel bestehen und welche Massnahmen daraus zu treffen seien.

Die nun vorliegenden Ergebnisse wurden am Dienstagabend der Bevölkerung präsentiert. In den von Gemeindepräsident Roman Habrik und weiteren Beteiligten vorgetragenen Erläuterungen stand vor allem der Kreuzungsbereich der Gähwiler- und Neudorfstrasse sowie der Husen- und Schalkhusenstrasse im Mittelpunkt. Erste zwei sind Kantonsstrassen, die zwei anderen gehören in den Zuständigkeitsbereich der Gemeinde.

Sechs Varianten wurden ausgearbeitet

Bei den erarbeiteten Lösungsvorschlägen wurden sowohl das Verkehrsaufkommen (individueller Verkehr, Langsamverkehr, öffentlicher Verkehr, Schwerverkehr) als auch die Anzahl der Fussgänger in den erwähnten Strassen berücksichtigt. Die sechs vorgestellten Varianten sollten aufzeigen, wie der Verkehr zukünftig durch das Zentrum fliessen soll.

Die vom Gemeinderat favorisierte Variante 5 sieht einen Fussgängerstreifen an der Husen- und Schalkhusenstrasse vor.

Die vom Gemeinderat favorisierte Variante 5 sieht einen Fussgängerstreifen an der Husen- und Schalkhusenstrasse vor.

Visualisierung: PD

Während der Gemeinderat die Variante Nummer 5 favorisiert, tendiert der Kanton zur Variante 6. Gemäss eines Kantonsvertreters seien aber beide Varianten denkbar. Bei der Variante 5 werden sowohl an der Husen- als auch an der Schalkhusenstrasse im Mündungsbereich zur Gähwiler-/Neudorfstrasse Fussgängerstreifen eingezeichnet. Bei der Variante 6 wird statt diesen ein Trottoir angelegt.

Bei beiden Varianten ist vorgesehen, eine Bushaltestelle (Bushof) zwischen dem Gemeindehaus und der sich im Bau befindlichen Zentrumsüberbauung einzurichten. Dies würde bedeuten, dass jene Strasse in Zukunft nur noch durch den öffentlichen Verkehr befahren werden kann (Ausnahmen: Anwohner und Anlieferungen für den Volg).

Bei der vom Kanton vorgeschlagenen Variante 6 wird an der Husen- und Schalkhusenstrasse ein Trottoir angebracht.

Bei der vom Kanton vorgeschlagenen Variante 6 wird an der Husen- und Schalkhusenstrasse ein Trottoir angebracht.

Visualisierung: PD

Erforderlich wären auch einige bauliche Anpassungen. Die bisherige Strassenführung wäre für Gelenkbusse zu eng. Laut Habrik hätten schon Vorgespräche mit der katholischen Kirchgemeinde stattgefunden, denn für die Wendeschlaufe werde ein Teil des Parks südlich der Kirche beansprucht. Gleichzeitig müsste die Neudorfstrasse versetzt werden, weil die Busse für das Einschwenken Richtung Wil mehr Platz benötigen.

Lösung mit dem alten Postgebäude verworfen

Bei der anschliessenden Diskussion werden beide Varianten als nicht ideal eingeschätzt, weil etwa die Schülerinnen und Schüler ab Bushof zu viele Strassen zu überqueren hätten. In Frage gestellt wird auch, dass der Bus von Wil kommend auf seiner Weiterfahrt nach Gähwil das Gemeindehaus vollständig umrunden müsse.

Mehrere Anwesende wollten deshalb wissen, weshalb keine Lösung erarbeitet worden sei, bei welcher der Bushof auf dem Gebiet des ehemaligen Postgebäudes zu stehen komme. «Diese Möglichkeit hätte durchaus bestanden, als wir sie in Betracht zogen, war die Post aber nicht bereit, das ehemalige Postgebäude zu verkaufen», sagte Roman Habrik.

Jetzt noch einmal diese Variante in Betracht zu ziehen, würde das Betriebs- und Gestaltungsprojekt um Jahre verzögern. Der Gemeindepräsident betonte allerdings auch, dass die vom Gemeinderat respektive dem Kanton vorgeschlagenen Varianten nicht in Stein gemeisselt seien.

Andere Lösungen vorgeschlagen

Als weitere Alternative wurde der Wunsch zur Beibehaltung der bisherigen Zusatzschlaufe über die Florastrasse angebracht, eine Haltestelle an der Gähwilerstrasse vorgeschlagen oder dann sei die bisherige Haltestelle vor dem ehemaligen Postgebäude so zu gestalten, dass sich Busse kreuzen könnten.

Nun erhalten die Einwohnerinnen und Einwohner die Möglichkeit, an der Vernehmlassung teilzunehmen. Deren Ideen, sofern sie umsetzbar seien, sollen in die finale Version des Betriebs- und Gestaltungskonzepts einfliessen, das bis spätestens Ende Jahr dem Kanton überwiesen werden soll.

Zeithorizont ist schwierig abzuschätzen

Laut dem Vertreter des Kantons würde es etwa drei bis vier Jahre dauern, bis die baulichen Massnahmen umgesetzt seien. Nach der Einreichung der besten Variante dauere es rund ein Jahr, bis das Vorprojekt erstellt sei. Anschliessend könne das Bauprojekt eingereicht werden, wobei dann ein rechtlicher Prozess in Gang käme, dessen Zeithorizont schwer abzuschätzen sei.

Die Gesamtkosten werden mit sechs bis sieben Millionen Franken beziffert, wobei der Anteil der Gemeinde auf zwei bis vier Millionen Franken zu stehen kommt. Die übrigen Aufwendungen tragen der Bund sowie der Kanton.

Mit oder ohne Maske

Am Dienstag musste man im Saal des Toggenburgerhofs nicht nur seine persönlichen Daten hinterlegen, sondern auch eine Schutzmaske tragen.

Dies, weil laut Gemeindepräsident Roman Habrik der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden könne. Bei rund 60 Teilnehmenden eine nachvollziehbare Argumentation. Die Lösung mit der Maske müsse aber noch nicht der Weisheit letzter Schluss sein.

Die Gemeinde sei derzeit auf der Suche nach der Ideallösung, damit eine Veranstaltung auch ohne Maskenpflicht durchführbar sei. Denkbar sei zum Beispiel ein Ausweichen in eine Turnhalle.

Dort könne der Mindestabstand problemlos eingehalten werden und deshalb sei das Tragen einer Maske nicht zwingend erforderlich. (bl)