Bedenken wegen der Sicherheit: Die Aufhebung eines Fussgängerstreifens wegen der Erweiterung der Tempo-30-Zone führt in Bazenheid zu Kritik

In Bazenheid soll die Tempo-30-Zone erweitert werden. Das führt unter anderem zur Aufhebung eines Fussgängerstreifens. Und das wiederum führte zu Kritik. Doch trotz der Bedenken seitens der Bevölkerung ist die Grundhaltung gegenüber dem Strassenprojekt mehrheitlich positiv.

Beat Lanzendorfer
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Mit dem Vorhaben, den Fussgängerstreifen an der Verzweigung Neugasse-Spelterinistrasse durch eine weiträumige rote Markierung zu ersetzen, erntete der Gemeinderat Kritik.

Mit dem Vorhaben, den Fussgängerstreifen an der Verzweigung Neugasse-Spelterinistrasse durch eine weiträumige rote Markierung zu ersetzen, erntete der Gemeinderat Kritik.

Bild: Beat Lanzendorfer

Emotionen kochen dann hoch, wenn es um die Sicherheit von Kindern und älteren Menschen geht. Diese Erkenntnis ist nicht neu, offenbarte sich aber einmal mehr beim Informationsanlass des Gemeinderates. Dieser gab darüber Auskunft, wie die Erweiterung der Tempo-30-Zone in Bazenheid umgesetzt werden soll.

Gemeindepräsident Roman Habrik und Verkehrsplaner Zino Grütter, Wälli AG Ingenieure, gaben in der Aula des Oberstufenschulhauses Einblick in die detaillierten Umsetzungspläne.

Gemeindepräsident Roman Habrik (links) und Verkehrsplaner Zino Grütter führten durch den Informationsabend.

Gemeindepräsident Roman Habrik (links) und Verkehrsplaner Zino Grütter führten durch den Informationsabend.

Bild: Beat Lanzendorfer

Konkret geht es um weitere Tempo-30-Zonen an der Neugasse sowie an der Spelterini-, Flur- und Weidstrasse. Die ersten solchen Abschnitte wurden in Bazenheid im Jahre 2012 an der Bahnhof- sowie an der Zäpfehusstrasse umgesetzt.

Zwei Fussgängerstreifen bleiben, einer fällt weg

«Mit dem Bau eines neuen Primarschulhauses, dem Erweiterungsbau beim Oberstufenschulhaus sowie dem Umzug des Wohn- und Pflegezentrums Tertianum Rosenau nach Bazenheid sah sich der Gemeinderat zum Handeln veranlasst», sagte Roman Habrik.

Deshalb sei ein Projekt mit einem verkehrstechnischen Gutachten erarbeitet worden. Dieses stiess bei der Vorstellung am Mittwochabend grundsätzlich auf wenig Widerstand. Bei einigen Punkten äusserte jedoch ein Grossteil der Anwesenden Bedenken punkto Sicherheit.

Am meisten Kritik erntete das Vorhaben, den Fussgängerstreifen aufzulösen, der die Neugasse in unmittelbarer Nähe zur Konsum- und Spelterinistrasse überquert. «Viele Schüler benutzen den Fussgängerstreifen, um vom Bahnhof kommend weiter Richtung Eichbüelschulhaus zu gehen. Und zudem haben sich viele Bewohnende des Tertianum Rosenau mittlerweile daran gewöhnt, die Strasse hier sicher überschreiten zu können», erklärte einer der Anwesenden. Mit seiner Meinung war er nicht allein, weitere Voten gleichen Inhalts folgten.

Keine Tempo-30-Zone mit Fussgängerstreifen

Grundsätzlich gebe es in der Schweiz keine Tempo-30-Zonen mehr, in denen sich ein Fussgängerstreifen befinde, erklärte Verkehrsplaner Zino Grütter. Weil zwei der drei Fussgängerstreifen aber eine direkte Verbindung zu den Schulhäusern darstellen, werde auf deren Aufhebung verzichtet. Im Weiteren werden, um die Strasse zu verengen, Blumentöpfe auf Höhe der Tempo-30-Markierung platziert.

Als Ersatz für den dritten Fussgängerstreifen werde eine grossflächige, rote Markierung auf der Strasse angebracht, um die Autofahrer zu sensibilisieren und sie zu erhöhter Aufmerksamkeit anzuregen. Trotz roter Unterlage aber gelte: Ohne Fussgängerstreifen haben die Autofahrer Vortritt. Dies sei für die Fussgänger gewöhnungsbedürftig, war zu hören.

Trotz Zusicherung des anwesenden Schulratspräsidenten Orlando Simeon, «dass die Schülerinnen und Schüler im Verkehrskundeunterricht mit den neuen Begebenheiten vertraut gemacht werden», waren nicht alle Bedenken aus dem Weg geräumt.

Sonnenkreuzung soll miteinbezogen werden

Mehrere Votanten regten zudem an, die Sonnenkreuzung, an welcher sich die Nuetenwiler-, die Müselbacher-, die Bahnhofstrasse sowie die Neugasse vereinen, in die Tempo-30-Zone miteinzubeziehen. Besonders die Müselbacherstrasse sei eine Raserstrecke und wenn die Verkehrsteilnehmer vor der Kreuzung abbremsen müssten, werde diese sicherer.

Am Informationsabend wurde angeregt, die Sonnenkreuzung ebenfalls in die Tempo-30-Zone miteinzubeziehen.

Am Informationsabend wurde angeregt, die Sonnenkreuzung ebenfalls in die Tempo-30-Zone miteinzubeziehen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Habrik versprach, sich der Sache anzunehmen, vorderhand müsse aber das derzeit vorliegende Projekt umgesetzt werden. Keine Diskussionen gab es um die Flur- und Weidstrasse. Wohl deshalb, weil diese etwas abseits liegen und keinen Durchgangsverkehr gewärtigen müssen.

Nach einem Jahr wird Bilanz gezogen

«Es ist in jedem Fall vorgesehen, ein Jahr nach Einführung der Tempo-30-Zone Bilanz zu ziehen und allfällig nötige Korrekturen vorzunehmen», sagte der Gemeindepräsident abschliessend. Er sei auch gerne bereit, in zwölf Monaten mit den am Mittwochabend Anwesenden das Thema noch einmal zu diskutieren.

Das Projekt liegt während 30 Tagen, vom 14. September bis 13. Oktober, öffentlich auf. Innerhalb der Auflagefrist kann gegen das Strassenprojekt Einsprache erhoben werden.

Geändertes Projekt an der Bahnhofstrasse

Auch in der bestehenden Tempo-30-Zone an der Bahnhofstrasse soll es zu Veränderungen kommen. Das ursprüngliche, im Jahr 2019 aufgelegte Strassenprojekt für eine Einengung der Fahrbahn im Bereich der Kindertagesstätte an der Bahnhofstrasse 31 in Bazenheid wurde allerdings aufgrund eines Rekurses widerrufen.

Geplant waren Massnahmen, damit Autofahrer hier tatsächlich abbremsen. Das Strassenprojekt wurde zwischenzeitlich überarbeitet und komme in geänderter Ausführung zur erneuten öffentlichen Auflage. Das ursprüngliche Projekt sah eine Einengung im Bereich der Kindertagesstätte mit zwei Beruhigungselementen vor.

Aufgrund des im Rekursverfahren abgegebenen Amtsberichtes der Kantonspolizei habe der Gemeinderat entschieden, das Strassenprojekt zu widerrufen und zu überarbeiten. Im Zuge der Überarbeitung seien zwei einzeln stehende Betonelemente geprüft worden. Damit keine Konflikte für die Zufahrt mit Lastwagen zum Areal der Holenstein Transport AG entstehen, werde jedoch auf das Aufstellen von zwei Elementen verzichtet.

Es sei nur noch ein Betonelement im nun vorliegenden Strassenprojekt vorgesehen. Im Weiteren wurde im Zuge der Überarbeitung die Anpassung des Schäfliweges (Gemeindestrasse 2. Klasse) zu einem Rechtsvortritt geprüft. Auf diese Anpassung werde vorläufig verzichtet. Nach der Erstellung des geplanten Betonelementes im Bereich der Kita Mühleli sollen nochmals Geschwindigkeitsmessungen durchgeführt werden.

Wenn die Geschwindigkeit ausreichend gesenkt werden konnte, könne auf weitere Massnahmen verzichtet werden. Das geänderte Strassenprojekt liegt während 30 Tagen, ab Montag, 31. August bis Dienstag, 29. September, im Gemeindehaus öffentlich auf. (pd)