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Serie

Beat Gmür vom Weiler Horben: «Es ist schön ruhig, die Hektik eines Dorfes haben wir hier nicht»

Der Weiler Horben bei Ebnat-Kappel ist ein ruhiger Ort mit schöner Aussicht. Vor einiger Zeit bestand er grösstenteils aus Ferienhäusern.
Michael Hehli
Diese Aussicht ist einer der Gründe, weshalb in Horben in den 80er und 90er-Jahren viele Ferienhäuser gebaut wurden. (Bild: Michael Hehli)

Diese Aussicht ist einer der Gründe, weshalb in Horben in den 80er und 90er-Jahren viele Ferienhäuser gebaut wurden. (Bild: Michael Hehli)

Der Weiler Horben bei Ebnat-Kappel ist kein Unikat. Zumindest, was den Namen betrifft. Ortschaften mit dem Namen Horben sind in der Schweiz an diversen Orten zu finden. «Der Name Horben kommt vom Wort ‹Horb›, welches Sumpf oder Feuchtgebiet bedeutet», erklärt Beat Gmür, geboren 1971 und zusammen mit vier Geschwistern in Horben aufgewachsen.

Eltern zogen 1970 nach Horben

Beat Gmür aus Horben bei Ebnat Kappel (Bild: Michael Hehli)

Beat Gmür aus Horben bei Ebnat Kappel (Bild: Michael Hehli)

Heute wohnt er mit seiner Frau und drei Kindern dort. Seine Eltern waren 1970 in den Weiler gezogen, wo sie den örtlichen Schweinezuchtbetrieb übernahmen. Die Schule besuchte Gmür in der Unterstufe in Bendel, in der Mittelstufe in Wintersberg und im Kindergarten sowie der Oberstufe in Ebnat-Kappel.

Mitte des 19. Jahrhunderts hätte er sich den Schulweg noch sparen können. Horben verfügte damals noch über ein eigenes kleines Schulzimmer. Heute werden die Kinder auf allen Schulstufen in Ebnat-Kappel unterrichtet.

Den Ursprung Horbens vermutet Gmür in der Zeit um 1658 herum. Dies ist das Baujahr des Hauses Lisa Münteners, Jahrgang 1944. Sie ist die älteste im Weiler geborene Person, die immer noch dort lebt.

Früher führte die Hauptstrasse durch Horben

Wahrscheinlich wurden zur selben Zeit das damalige Hotel Hirschen und die Wirtschaft und Bäckerei Tell gebaut. Gmür geht davon aus, dass diese zur Zeit Rastplätze für die Reise durchs Toggenburg waren. Insbesondere, da die Hauptstrasse damals noch über die heutige Horbenstrasse am «Hirschen» vorbeiführte.

Horben, von der gegenüberliegenden Talseite aus gesehen. Links die Tell-, rechts die Horbenstrasse. (Bild: Michael Hehli)

Horben, von der gegenüberliegenden Talseite aus gesehen. Links die Tell-, rechts die Horbenstrasse. (Bild: Michael Hehli)

In den meisten alten Häusern stand eine Stickmaschine

Zu der Zeit, in der Heimarbeit verbreitet war, stand laut Gmür in fast jedem der älteren Häuser eine Stickmaschine. Die letzte davon ging in den 1980er-Jahren ausser Betrieb.

Ganz ist die Textilherstellung aber noch nicht aus Horben verschwunden: Gmür erzählt, Monika, die Frau des in Horben wohnhaften Musikers Hansueli Hersche nähe noch heute Ladenhosen.

Hansueli Hersche ist Hackbrettspieler und Dirigent von zwei Jodelchören. Auch seine Kinder sind laut Gmür sehr musikalisch. Damit sind sie in Horben nicht die Einzigen. So singe die Familie Roth in einem Jodelclub.

Das Haus Hirschen war früher ein Hotel. (Bild: Michael Hehli)

Das Haus Hirschen war früher ein Hotel. (Bild: Michael Hehli)

Gmür gefällt es in Horben: «Es ist schön ruhig, die Hektik eines Dorfes haben wir hier nicht.» Es sei so still, dass er immer wieder die Wildtiere im nahegelegenen Wald höre. Dadurch, dass der Ort aus zwei Sackgassen, der Horben- und der Tellstrasse, besteht, gibt es auch keinen Durchgangsverkehr.

Der Nachteil dieser Stille ist, dass der Weiler keinen direkten Anschluss an das Netz des öffentlichen Verkehrs hat. So fahren die Kinder mit dem Velo zur Schule. Die fehlende Anbindung an das ÖV-Netz stört Gmür aber nicht. Er merkt an, man sei sehr schnell in Ebnat-Kappel: «Wir sind nahe am Geschehen, obwohl wir abgelegen wohnen.»

Drohnenaufnahme vom Quartier an der Horbenstrasse. (Bild: PD)

Drohnenaufnahme vom Quartier an der Horbenstrasse. (Bild: PD)

Für die schöne Aussicht gependelt

Das Hauptmerkmal Horbens ist die Aussicht auf die Churfirsten. Gmür erzählt, dass er arbeitsbedingt einige Jahre zwischen Horben und Dübendorf gependelt sei.

Seine Arbeitskollegen konnten nicht verstehen, warum er täglich diese Fahrzeit auf sich nahm. «Ich lud sie zu mir nach Horben ein. Als sie die schöne Lage sahen, begriffen sie, warum ich so viel pendelte.»

Viele Ferienhäuser gebaut

Die Aussicht sei auch der Grund dafür gewesen, dass Horben in den 1960er- und 1970er-Jahren von neun Liegenschaften im Jahre 1958 auf heute rund 45 anwuchs. «Es kamen sehr viele Ferienhäuser dazu. In den 1980er- und 1990er-Jahren wurden allerdings viele dieser Häuser wieder verkauft», erzählt Gmür.

Das Haus Tell an der gleichnamigen Strasse. (Bild: Michael Hehli)

Das Haus Tell an der gleichnamigen Strasse. (Bild: Michael Hehli)

Die Nachkommen der ursprünglichen Besitzer hätten schlichtweg kein Interesse daran gehabt, ein Ferienhaus zu unterhalten. Mittlerweile sei daher die überwiegende Mehrheit dieser Häuser fest bewohnt. Der Weiler zählt heute rund 60 Einwohner.

Streit um Schneeräumung im Winter

Ganz so friedlich wie heute war es nicht immer. Manche der früher zahlreichen Ferienhausbesitzer dachten, die private Quartierstrasse müsse im Winter nur freitags bis sonntags, wenn sie vor Ort waren, vom Schnee befreit werden. Andere hätten einander wegen Streitigkeiten sogar gegenseitig vor Gericht gezerrt.

Diese Probleme liegen allerdings in der Vergangenheit. Gmür sagt, heute habe man es gut miteinander: «Wir haben ein friedliches Quartier. Wenn etwas ist, hilft man einander.»

Schauen Sie sich hier die weiteren Weiler und Quartiere der Sommerserie an:

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