Bazenheid
Warum Simon Enzler auch im Toggenburg ankommt und für ihn Fluchen wichtiger als Heucheln ist

Simon Enzler, Innerrhödler Kabarettist, legte mit seinem Programm «wahrhalsig» am Donnerstag und am Freitag einen Zwischenhalt im Traube-Saal im Bazenheider Weiler Bräägg ein.

Beat Lanzendorfer
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Simon Enzler erzählt unter anderem von seinen Erlebnissen auf einem kroatischen Campingplatz.

Simon Enzler erzählt unter anderem von seinen Erlebnissen auf einem kroatischen Campingplatz.

Bild: Beat Lanzendorfer

«Fluchen ist gesünder als heucheln.» Dies ist das Motto von Simon Enzler, sagte Esther Burkhalter, Programmchefin des Kultur-Treff Bräägg. Mit diesen Worten bereitete sie die Menschen im Traube-Saal auf einen kurzweiligen Abend vor.

Im weiteren Verlauf erklärte der Appenzeller Kabarettist die Wahrheit, wie sie definiert wird und ganz viele weitere wichtige Dinge des Lebens. Am Ende der gut zwei Stunden blieb den Anwesenden die Erkenntnis: Nicht alles, was wahr wird, war auch gewünscht.

Das Toggenburg als zweite Heimat

Für den Appenzeller ist das Toggenburg fast so etwas wie eine zweite Heimat. Im Gespräch nach seinem Auftritt sagt er: «Das Appenzell und das Toggenburg verbindet eine kulturelle Verwandtschaft sondergleichen. Das Toggenburg ist Teil der Perlenkette rund um den Säntis.» Die Menschen hier seien alle ganz ähnlich. Und lachend:

«Die beiden Trachten haben hingegen minime Unterschiede, aber den meisten ist dies wahrscheinlich gar nicht bewusst.»

Er könne sich noch gut an seinen ersten Auftritt vor 18 Jahren hier in Bazenheid erinnern: «Es war ein warmer Tag im Juni und im Saal war es sehr heiss, trotzdem war die Stimmung grandios.» Der Kultur-Treff sei für ihn wie eine alte Liebe: «Ich hatte hier noch nie ein Gastspiel, bei dem bei mir der Eindruck entstand, es hätte nicht gepasst.» Er komme immer wieder gerne in die Region. Er durfte damals die Crew um Präsident Hans «Hasä» Stadler erstmals kennen lernen und bewundere seither deren Engagement rund um die Kultur.

Das Programm feierte im Januar 2019 Premiere

Enzler, der mit seinem Programm «wahrhalsig» im Januar 2019 Premiere feierte, ist im letzten Jahr wie alle anderen Kunstschaffenden auch, von der Coronapandemie ausgebremst worden. Bestritt er davor jährlich rund 90 Auftritte, ist dieser Wert zwischenzeitlich gegen Null gefallen. «Die ganze Tournee hat sich dadurch über einen längeren Zeitraum erstreckt. Ich konnte praktisch alle Auftritte, die letztes Jahr ins Wasser fielen, in diesem Jahr aber nachholen.»

Für den 45-jährigen Appenzeller ist das aktuelle Jahr auch deshalb von Bedeutung, weil er sein 30-jähriges Bühnenjubiläum feiert. «Ich hatte meinen ersten Auftritt am 4. April 1991. Es war das erste Mal, bei dem ich auf der Bühne einen Inhalt vermitteln wollte, den Text dazu schrieb, ihn auswendig lernte und ihn einem Publikum präsentierte.»

Der Traube-Saal war sowohl am Donnerstag als auch am Freitag voll besetzt.

Der Traube-Saal war sowohl am Donnerstag als auch am Freitag voll besetzt.

Bild: Beat Lanzendorfer

Mit seinem aktuellen Stück «wahrhalsig» ist er noch bis im Mai 2022 unterwegs. Zeitgleich wird er ab Januar sein neues Programm schreiben, mit dem er in einem Jahr auf Tournee geht. «Mit diesem möchte ich unbedingt nach Bazenheid zurückkehren.»

Kultur-Treff hat das Risiko nicht gescheut

Hans «Hasä» Stadler, seit der Gründung vor 28 Jahren Präsident des Kultur-Treff Bräägg, zeigte sich über den Auftritt von Simon Enzler begeistert.

Hans Stadler, Präsident Kultur-Treff Bräägg.

Hans Stadler, Präsident Kultur-Treff Bräägg.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Er ist einer der wenigen Künstler, der das Publikum jeweils an zwei Abenden nacheinander unterhält. Wir sind ihm dankbar, dass er immer wieder zu uns kommt.»

Stadler kann sich noch gut an Enzlers ersten Auftritt in der Traube erinnern. «Es war im Jahre 2003. Kurz zuvor war er Gast bei Viktor Giacobbo im Schweizer Fernsehen. Unser Saal war daraufhin zum Bersten voll.»

Waren gemäss Stadler im letzten Jahr lediglich zwei Veranstaltungen im Herbst möglich, wird im laufenden Jahr wieder ein Vollprogramm mit vier Anlässen angeboten. «Für uns ist wichtig, dass die Kultur wiederbelebt wird. Trotz hoher Auflagen des Bundes war für uns immer klar, wir ziehen unser Programm durch – auch im Interesse der Künstlerinnen und Künstler, die glücklich sind, wenn sie wieder vor Publikum auftreten dürfen.»

Der Kultur-Treff habe bewusst ein Risiko auf sich genommen, um den Kunstschaffenden wieder eine Plattform bieten zu können. «Mit dem zahlreichen und begeisterten Publikum sind wir für unser Risiko belohnt worden.»

Programmchefin Esther Burkhalter bedankt sich mit Kägi Fretli bei Simon Enzler.

Programmchefin Esther Burkhalter bedankt sich mit Kägi Fretli bei Simon Enzler.

Bild: Beat Lanzendorfer

Den Schlussakt im November übernimmt Clown Pic. Das Programm für das kommende Jahr steht auch schon. Wer ins Toggenburg kommt, wollte Stadler hingegen noch nicht verraten. «Das möchten wir zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben. Die Künstlerinnen und Künstler sind aber bereits gebucht.»

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