Bazenheid
Eine Oase für Menschen, Libellen und Amphibien: Ökokommission der Gemeinde Kirchberg wertet Naherholungsgebiet auf

Die Tümpellandschaft Müliwis und das Naherholungsgebiet Mühleweiher werden neu gestaltet. Die Arbeiten kommen Mensch und Tier zunutze.

Beat Lanzendorfer
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Die Bauarbeiten für die Umgestaltung der Tümpellandschaft Müliwis in Unterbazenheid dauern bis Ende Februar.

Die Bauarbeiten für die Umgestaltung der Tümpellandschaft Müliwis in Unterbazenheid dauern bis Ende Februar.

Bild: Beat Lanzendorfer

Gerade in Zeiten wie diesen sehnt sich der Mensch nach Rückzugsorten in der Natur. Das Naherholungsgebiet rund um den Mühleweiher im Dorfteil Unterbazenheid ist vor allem der einheimischen Bevölkerung bekannt.

Dort, wo sich einst eine Getreidemühle befand, liegt der Mühleweiher. Östlich davon gibt es zwei kleinere Weiher und einige Tümpel. Das ganze Gebiet ist im Besitz der Dorfkorporation Bazenheid. Weil es mit den Jahren von Gebüsch und Brombeeren überwuchert wurde, hat die Dorfkorporation die Umweltingenieurin Esther Schweizer, Erlinsbach, beauftragt, ein Aufwertungsprojekt auszuarbeiten. Die dafür nötigen Bauarbeiten haben letzte Woche begonnen.

Lebensraum für Amphibien und Libellen

Bruno Schättin, Mitglied der Ökokommission der Gemeinde Kirchberg.

Bruno Schättin, Mitglied der Ökokommission der Gemeinde Kirchberg.

Bild: Beat Lanzendorfer

Geleitet werden die Bauarbeiten durch Bruno Schättin, Mitglied der Ökokommission der Gemeinde Kirchberg. Mit der Fertigstellung einer Quellflur sei die Umgestaltung der Landschaft Müliwis gestartet worden. «Dabei handelt es sich um ein flaches Gewässer, an dem sich in erster Linie Libellen aufhalten», erklärt Bruno Schättin.

Inmitten des Tümpels befindet sich ein Baumstrunk, der dort verbleibe. «Er dient den Libellen als Landeplatz.» Die Libellen würden im Herbst noch Eier legen, deren Larven im Wasser überwintern und im Frühjahr dann ausschlüpfen.

Der Baumstrunk in der Mitte des Flachgewässers dient den Libellen als Landeplatz.

Der Baumstrunk in der Mitte des Flachgewässers dient den Libellen als Landeplatz.

Bild: Beat Lanzendorfer

Gleichzeitig findet der Grasfrosch, der bei diesen Temperaturen bereits aktiv ist, einen Rückzugsraum. «Grasfrösche verstecken sich im Winter unter Steinen, Wurzelstöcken oder Leitungen.» Während der Bauarbeiten seien einige bereits sichtbar gewesen. Genaue Zahlen, wie viele Grasfrösche das Flachgewässer nutzen, würden aber keine vorliegen. Schättin geht davon aus, dass es mehrere Dutzend sind.

Amphibien und Libellen bevorzugen offene Wasserflächen

Die mehr und mehr überwachsenen Weiher und Tümpel hätten den Amphibien und Libellen keinen Lebensraum mehr geboten, weil diese Tiere offene Wasserflächen bevorzugen.

Bei den Bauarbeiten sei man auch auf eine Quellleitung gestossen, die nun so gelegt wurde, dass sie jetzt einen direkten Zugang zum Flachgewässer habe und dieses speise. Das sei besonders im Sommer ein Vorteil, weil das Flachgewässer in den wärmeren Monaten häufig austrocknete.

Nebst dem erwähnten Flachgewässer werden zwei bestehende grössere Weiher neu gestaltet und ablassbar gemacht; sogenannte Amphibienlaichgebiete. Ein bereits vorhandenes Quellsystem würde beide Weiher mit Wasser versorgen.

Arbeiten sind intensiviert worden

Weil bereits wärmere Temperaturen einsetzten, seien die Arbeiten intensiviert worden. «Die Amphibien sind bereits aktiv geworden», sagt Schättin. Er rechnet mit dem Abschluss der Bauarbeiten bis Ende Februar. Die Bepflanzung und weitere Umgebungsarbeiten könnten auch im April oder Mai noch erledigt werden.

Wichtig sei jetzt, dass die Weiher und der Tümpel gestaltet seien, die Steinmauer erstellt und die grossen Bauarbeiten möglichst zeitnah abgeschlossen werden.

Laut Schättin sei es auch das Ziel, dass sich Pionierarten wie die Gelbbauchunke oder die Kreuzkröte hier niederlassen. «Die beiden bedrohten Arten kommen zum Glück in unserer Gemeinde noch vor. Die Kreuzkröte zum Beispiel im Riedenboden auf dem Areal der Holcim, wo sich die grösste und wichtigste Population des ganzen Kantons befindet.»

Der Kanton übernimmt zwei Drittel der Kosten

Die Initiative zum Projekt haben Felix Forster, Präsident der Dorfkorporation Bazenheid, und Bruno Schättin, Mitglied der Ökokommission der Gemeinde Kirchberg, ergriffen. Mit Esther Schweizer, Umweltingenieurin aus Erlinsbach im Kanton Solothurn, welche auf Amphibien spezialisiert ist, konnte das Projekt aufgegleist werden.

Von links: Bruno Schättin, Mitglied der Kirchberger Ökokommission, Baggerführer Kurt Sennhauser, und Felix Forster, Präsident der Dorfkorporation Bazenheid.

Von links: Bruno Schättin, Mitglied der Kirchberger Ökokommission, Baggerführer Kurt Sennhauser, und Felix Forster, Präsident der Dorfkorporation Bazenheid.

Bild: Beat Lanzendorfer

Mit ihr werde das Amphibienförderprojekt beim Kiesabbaugebiet bei der Holcim umgesetzt. Deshalb sei es naheliegend gewesen, dass sie ebenso für das Projekt Tümpellandschaft Müliwis gewonnen werden konnte. Das Projekt sei auch beim kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei eingereicht worden. Dieses biete fachliche und finanzielle Unterstützung.

Die Gesamtkosten betragen rund 60'000 Franken. Inbegriffen in diesem Betrag seien die Planung und Baubegleitung. Davon übernimmt der Kanton 65 Prozent. Hinzu kommt ein Beitrag aus dem Fonds «Spar- und Leihkasse Kirchberg». Die Restkosten bezahlt die Dorfkorporation Bazenheid. Das Gebiet dient somit weiterhin als Erholungsgebiet für Anwohner und Besucher. Ein kleiner Fussweg erlaube an bestimmten Stellen sogar den Zugang zum Wasser.

«Wir machen etwas für Amphibien und Libellen, gleichzeitig wird ein Bazenheider Naherholungsgebiet aufgewertet. Das Miteinander zwischen Mensch und Tier soll funktionieren. Eine angebrachte Informationstafel soll darauf hinweisen. Zusätzlich werden Sitzbänke installiert, damit sich die Besucherinnen und Besucher an der Natur erfreuen können», erklärt Schättin abschliessend.