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BAZENHEID: Ein Spitalaufenthalt machte ihn zum Arzt

Ende März empfing Christian Brägger die letzten Patienten in seiner Praxis an der Konsumstrasse. Danach ging der Hausarzt nach 32 Jahren erfüllter Berufstätigkeit in Pension.
Noëlle Lee
32 Jahre lang arbeitete Christian Brägger in Bazenheid als Hausarzt. (Bild: Noëlle Lee)

32 Jahre lang arbeitete Christian Brägger in Bazenheid als Hausarzt. (Bild: Noëlle Lee)

Er selbst kann sich zwar nicht daran erinnern, aber seine Eltern sagten Christian Brägger immer, er habe bereits als Kind vom Beruf des Arztes geschwärmt. Doch sein Berufswunsch aus Kindertagen hielt sich nicht. Nach seiner Maturaprüfung an der Kantonsschule schrieb er sich an der ETH für das Fach Chemie ein und machte auch im selben Bereich ein Praktikum. Erst als Christian Brägger überraschend ins Krankenhaus und dort für einige Zeit bleiben musste, merkte er, dass ihm der Betrieb und Alltag des Personals, welches ihn betreute, viel mehr zusagte, als die sterile Arbeit im Labor. «Meine Familie bestand immer aus sehr kommunikativen Leuten. Mir wurde klar, dass ich den Kontakt zu Menschen brauche.»

Toleranz und Herzlichkeit in der Praxis

1979 schloss Christian Brägger sein Medizinstudium ab und musste sich die Frage stellen, als was für eine Art Arzt er tätig sein wollte. Da ihm viel an seinen Wurzeln lag, wollte er gerne die Leute der Region, aus welcher er selber stammte, als Hausarzt behandeln. Deshalb traf es sich gut, dass der zuvor an der Konsumstrasse 3 in Bazenheid praktizierende Arzt einen Nachfolger für seine vier Wände suchte. Heute unvorstellbar wurde das Geschäft über die Praxis damals lediglich mit einem Handschlag abgeschlossen.

So fand sich Christian Brägger am Morgen des 1. April 1986 um acht Uhr zusammen mit seiner Praxisassistentin vor seiner gerade erst gekauften Praxis wieder. Wegen des stattfindenden Umbaus im Haus stand eine Mulde im Vorgarten, und nur über eine Holzrampe konnte man ins Haus gelangen. «Da standen wir also, als plötzlich eine Dame über den Zaun kletterte und wünschte, behandelt zu werden. Das war meine erste Patientin der Praxis», erinnert sich der pensionierte Arzt lachend.

Von der Geburt bis zu den letzten Minuten

Durch seine lange Tätigkeit als Hausarzt in Bazenheid, konnte Christian Brägger viele Einwohner durch lange Abschnitte ihres Lebens begleiten: «Manchmal war ich bei der Geburt der Patienten dabei und behandelte sie dann bis ins Erwachsenenalter. Teilweise stand ich langjährigen Patienten aber auch bis zu ihren letzten Minuten bei.» Dadurch bildeten sich herzliche Beziehungen und ein grosses Vertrauen zwischen dem Arzt und seinen Patienten. Auch während des Interviews mit dieser Zeitung klingelt es an der Tür der ehemaligen Praxis. Eine frühere Patientin steht vor der Tür und bedankt sich beim nun pensionierten Arzt für seine Dienste und sorgfältigen Behandlungen. Ausserdem beteuert sie ihr Vertrauen in ihn.

Vertrauen war Christian Brägger sehr wichtig: «Ich wollte immer, dass die Patienten sich wohl in der Praxis und bei mir fühlen und mit Herzlichkeit behandelt werden. Dafür ist auch wichtig, dass man als Arzt Toleranz für die jeweilige Person zeigt und weiss, dass die beste Lösung für ein Problem nicht zwangsläufig auch die beste Lösung für den Patienten ist. Nur so kann Vertrauen entstehen. Ich sah mich nie als reiner Leistungserbringer, sondern als Hausarzt.» Er glaubt ausserdem, mit den Glückshormonen, welche die Patienten hoffentlich nach seiner kompetenten Behandlung ausschütteten, denn Bogen zurück zur Chemie gefunden zu haben.

«Vielleicht fällt ja noch ein Arzt vom Himmel»

Der Abschied war dementsprechend für beide Seiten schwer und ist es auch jetzt noch. Wenn der ehemalige Arzt im Ort einkaufen geht, wird er deshalb oft angesprochen, was ihn gleichermassen glücklich wie traurig macht. Doch er weiss: «Egal ob ich jetzt oder erst in fünf Jahren in Pension gegangen wäre: Die Nachricht wäre immer mit Enttäuschung aufgenommen worden.» Im Haus, in der sich im Erdgeschoss die Praxis und im oberen Geschoss die Privatwohnung befindet, bleibt Christian Brägger vorerst mit seiner Frau wohnen. «Wir schauen, was passiert. Vielleicht fällt ja noch ein Arzt vom Himmel», witzelt er.

Seine neugewonnene Zeit nutzt Christian Brägger nun, um einerseits seine Frau im Haushalt zu unterstützen und um sich andererseits kulturell mehr zu betätigen und das grosse Angebot im Toggenburg zu nutzen. Ganz im Sinne der Beschäftigung seines Vaters, welcher Chefredaktor einer Zeitung war, will er auch solche wieder mehr lesen.

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