Baustelle wird mittels Baupiste über den Fluss erschlossen: Die Reparatur der Verbauung der Thurufer in Wattwil erfordert Kreativität

In Wattwil sind die Verbauungen der Thur an drei Stellen schadhaft. Es handelt sich um Prallhänge bie Flussbiegungen. Dringende Reparaturen sind im Gang.

Martin Knoepfel
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Beim Schulzentrum Grüenau in Wattwil wird die Verbauung auf dem linken Ufer der Thur repariert. Dafür wurde eine Baupiste mit einer «Brücke» angelegt. (Bild: Martin Knoepfel)

Beim Schulzentrum Grüenau in Wattwil wird die Verbauung auf dem linken Ufer der Thur repariert. Dafür wurde eine Baupiste mit einer «Brücke» angelegt. (Bild: Martin Knoepfel)

Der Kanton repariert die Verbauung der Thurufer an drei Stellen in der Gemeinde Wattwil, im Rickenhof, an der Austrasse und in der Schomatten.

Schon seit Juni im Gang sind die Arbeiten beim Rickenhof. Sie dauern noch bis in den August. Die Uferverbauungen sind an allen drei Stellen auf dem linken Ufer, also an den Prallhängen, beschädigt.

Grundwasserschutzzone laut Kanton gefährdet

Die Thur hat im Raum Rickenhof die Verbauung erodiert, was gemäss einer Medienmitteilung des Kantons die angrenzende Grundwasserschutzzone gefährdet. Der Kanton nutzt bei diesen Arbeiten die Baupiste, welche die Schweizerischen Südostbahn AG (SOB) erstellt hat.

Die SOB hat unabhängig von der Reparatur der Thurverbauung die Thurbrücke in Ulisbach Anfang des Monats durch einen Neubau ersetzt. Wegen der Bauarbeiten an der Thurbrücke der SOB war der Thurweg in diesem Bereich gesperrt. Es gab eine Umleitung. Mittlerweile ist der Thurweg wieder durchgehend offen. Er wird von Fussgängern, Hundehaltern und Reitern schon rege benutzt.

Auch die Grundwasserfassung wird erneuert

Die Sanierung der Thurverbauung im Gebiet Rickenhof kostet rund eine Million Franken. Die Kosten teilen sich der Kanton und die Gemeinde Wattwil. Ferner erneuern die Thurwerke dort die Grundwasserfassung, die die Gemeinden Ebnat-Kappel und Wattwil dient.

Die Pläne für die Reparaturen an den Verbauungen lagen in Wattwil öffentlich auf. Es hat keine Einsprachen gegen diese Bauvorhaben gegeben, sagt Lukas Spalt, Projektleiter im kantonalen Amt für Wasser und Energie.

Die Baupiste führt über die Thur. Im Hintergrund der Grüenau-Schulkomplex und der Fussballplatz Grüenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Baupiste führt über die Thur. Im Hintergrund der Grüenau-Schulkomplex und der Fussballplatz Grüenau. (Bild: Martin Knoepfel)

Am Montag begannen die Arbeiten in der Schomatten. Dort werden zuerst eine Baupiste und ein Übergang über die Thur erstellt. Die Baustelle werde vom rechten Ufer der Thur aus erschlossen, weil der Weg auf dem linken Ufer schmäler sei.

Reparaturen sind nur eine temporäre Lösung

Die Reparaturarbeiten sollen die Zeit überbrücken bis zum Beginn der eigentlichen Thursanierung. Dann werden die Holzelemente wieder entfernt werden, weil die Sohle des Flusses im Vergleich zu heute verbreitert wird.

Wie Lukas Spalt erklärt, werden als Verbauung viereckige Holzkästen verwendet. Diese Elemente werden liegend auf- einander gestapelt.

Die Innenräume der Holzkästen werden mit Material, das an Ort und Stelle vorhanden ist, aufgefüllt. Schliesslich werden die reparierten Stellen der Verbauung begrünt.

Stabilität der Verbauungen leidet laut Kanton nicht

Laut Lukas Spalt handelt es sich um eine seit langem bekannte Methode. In ähnlicher Form wurde sie schon bei der Schwarzenbacher Thurbrücke angewandt.

Die mit den Holzelementen reparierten Stellen werden laut Lukas Spalt ebenso stabil sein wie die heutigen, mehr als 100 Jahre alten Verbauungen der Thur. Die Holzelemente seien aber weniger langlebig, denn sie verrotteten nach zehn bis 20 Jahren, sagt Lukas Spalt.

Drei Viertel der Kosten bezahlt der Kanton

Die Kosten für die Reparaturarbeiten an der Austrasse und in der Schomatten belaufen sich auf rund eine halbe Million Franken. Einen Viertel muss die Gemeinde Wattwil bezahlen.

Den grossen Rest übernimmt der Kanton. Die Zufahrt für die Reparaturarbeiten an der Austrasse erfolgt laut Medienmitteilung des Kantons über die Austrasse.

Angst vor Überflutung im Zentrum Wattwils

Der Kanton befürchtet, dass weite Teile des Zentrum Wattwils bei einem Hochwasser, wie es einmal in 100 Jahren zu erwarten ist, überflutet werden. Zudem sind die Verbauungen der Thur in Wattwil teilweise schadhaft, und die Flusssohle hat sich vertieft.

Dadurch könnte der Grundwasserspiegel sinken. Der Kanton will nun die Thur zwischen Rickenhof und Flooz auf 30 bis 45 Meter verbreitern. Das soll die Sicherheit vor Hochwassern verbessern.

Ferner will der Kanton den Flussraum zum Naherholungsgebiet aufwerten. Mehrere Zugänge zur Thur sind geplant. Einige der Zugänge werden rollstuhltauglich sein. 

Baubeginn der Thursanierung nicht vor 2022

Die Mehrheit der Alleebäume wird den Bauarbeiten zum Opfer fallen. Beim Kanton geht man mittlerweile davon aus, dass die Bauarbeiten für die Thursanierung frühestens 2022 beginnen können.

Es könnte aber auch später werden, abhängig von allfälligen Einsprachen gegen das Projekt oder gegen die Landabtretungen durch Anrainer. Zudem muss der Kantonsrat den Kredit für die Thursanierung in Wattwil noch genehmigen.