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Restaurator kauft ehemaliges Restaurant Steigrüthi – und will der Lichtensteiger Bauruine neues Leben einhauchen

Der Lichtensteiger Restaurator Alois Kühne will aus dem ehemaligen Restaurant Steigrüthi ein erlebbares Baudenkmal machen.
Michael Hug
Stattliches, aber recht heruntergekommenes Baudenkmal: Die «Steigrüthi». (Bild: Michael Hug)

Stattliches, aber recht heruntergekommenes Baudenkmal: Die «Steigrüthi». (Bild: Michael Hug)

Ziemlich heruntergekommen ist die «Steigrüthi» in den letzten Jahren. Ein Schandfleck am Dorfrand des Städtchens Lichtensteig. Aber nichts schien sich zu ändern. Niemandem schien es wertvoll genug, das ehemalige Restaurant und die Scheune instandzustellen, die Gebäude vielleicht sogar wieder als Gaststätte in Betrieb zu nehmen.

Dabei, so meint der Lichtensteiger Restaurator Alois Kühne, «ist die ‹Steigrüthi› eine Baudenkmal-Perle». Kühne hat das Gebäude mit dem Blick des Fachmanns schon lange als historische Baute eingestuft. Nun kam die Liegenschaft, nachdem die letzte Wirtin und Besitzerin Lina Zeller 2007 verstorben war, durch die Erbengemeinschaft auf den Markt. Kühne zögerte nicht und kaufte diesen Sommer das Grundstück mit den zwei Gebäuden.

Das Hauptgebäude stammt aus der Mitte des 17. Jahrhunderts

«Anhand der Ausführung der Fundamentmauern kann man sagen, dass das Hauptgebäude, also das Restaurant, aus ungefähr der Mitte des 17. Jahrhunderts stammen muss. Obgleich die Eintragungen im Grundbuch von Lichtensteig das Baujahr mit 1837 angeben», erläutert Kühne.

Das nicht nachvollziehbare Baujahr komme wohl daher, dass vor 1837 kein offizielles Grundbuch geführt wurde, meint Kühne. Eine sichere Bestimmung des Alters lasse aber erst eine dendrochronologische Untersuchung zu. Bestimmte Teile des Hauses seien zudem viel jünger, wie zum Beispiel das Dach: «Der Dachstock hat zirka 1926 gebrannt und wurde darauf komplett neu gebaut. Kurz danach hat es der Vater der späteren Wirtin, Johann Peter Zeller, gekauft.»

Als die Restaurantschilder noch nicht mit Neon leuchteten. (Bild: Michael Hug)Als die Restaurantschilder noch nicht mit Neon leuchteten. (Bild: Michael Hug)
Stattliches Wohnzimmer mit Nebenstube im 2. Stock. (Bild: Michael Hug)Stattliches Wohnzimmer mit Nebenstube im 2. Stock. (Bild: Michael Hug)
Das «Säli» des Restaurants Steigrüthi im 1. Stock. (Bild: Michael Hug)Das «Säli» des Restaurants Steigrüthi im 1. Stock. (Bild: Michael Hug)
Der Kachelofen war die einzige Wärmequelle im Haus. (Bild: Michael Hug)Der Kachelofen war die einzige Wärmequelle im Haus. (Bild: Michael Hug)
Einfaches Speisenangebot im Restaurant Steigrüthi. Bild: (Michael Hug)Einfaches Speisenangebot im Restaurant Steigrüthi. Bild: (Michael Hug)
Von diesem Herd wurden die Gäste verköstigt. (Bild: Michael Hug)Von diesem Herd wurden die Gäste verköstigt. (Bild: Michael Hug)
 Der im Jahr 1926 neu gebaut Dachstock. (Bild: Michael Hug) Der im Jahr 1926 neu gebaut Dachstock. (Bild: Michael Hug)
Der schmucklose Korridor mit Kamin über dem Restaurant. (Bild: Michael Hug)Der schmucklose Korridor mit Kamin über dem Restaurant. (Bild: Michael Hug)
Historisches Schlafzimmer im 2. Stock. (Bild: Michael Hug)Historisches Schlafzimmer im 2. Stock. (Bild: Michael Hug)
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Etwas Lebendiges soll entstehen

Lina Zeller übernahm die «Steigrüthi» im Jahr 1963 und wirtete darin bis ins hohe Alter. Kühne: «Kurze Zeit, von 1908 bis 1912, gehörte das Haus Joseph Nussbaumer. Er gründete darin eine Schreinerei und später eine Handorgelfabrikation.» Nussbaumer zügelte im Jahr 1912 Wohnsitz und Betrieb ins Städtli und wurde zu einer ersten Adresse für Handharmonikas Made in Switzerland.

Pferde, Kutscher, Knechte oder Saisonniers

Doch was war vor 1837 und was war der ursprüngliche Zweck des Hauses? Darüber hat der neue Besitzer noch nicht allzu viel herausgefunden. «Aufgrund der Grösse der Räume denke ich, dass der Zweck des Hauses schon immer für ein Restaurant gedacht war oder allenfalls war es auch ein Amtshaus. Klar ist, dass in der Scheune Pferde gehalten wurden und im ersten Stock der Scheune einfache Wohnräume waren. Darum könnte die ‹Steigrüthi› auch eine Pferdewechselstation für Kutschen gewesen sein, oder vielleicht eine Fuhrhalterei.»

Im Stall hätten sich die Pferde ausgeruht, ein Stockwerk darüber die Kutscher und die Knechte. Im Restaurant sind die Reisenden verköstigt worden: «Vielleicht konnten sie auch hier übernachten.» Die Wohnräume über dem Stall seien auch später noch benutzt worden, meint Kühne: «Ich weiss von der verstorbenen Wirtin, dass unter dem Jahr italienische Saisonniers dort einquartiert waren. Vielleicht aus Langweile, vielleicht aber auch, um ihre Miete zu bezahlen, haben die Italiener ein paar Reparaturen am Haus gemacht. Die Fassade verputzt und sogar einen Mini-Swimmingpool hinter dem Haus betoniert.»

Die Liegenschaft wechselte 21 Mal den Besitzer

In einer 1991 herausgegebenen Inventur der historischen und erhaltenswerten Bauten Lichtensteigs erscheint die «Steigrüthi» als erhaltenswerte Gewerbeliegenschaft mit Baujahr 1837 und Erweiterung (Scheune) 1875. Darin aufgezeichnet sind auch die Handwechsel. Bemerkenswert dabei ist, dass die Liegenschaft zwischen 1837 und 1963 insgesamt 21 Mal den Besitzer wechselte, öfters auch zwei Mal im gleichen Jahr. Ein Spekulationsobjekt etwa? Seit die Familie Zeller in Besitz des Hauses kam, wurde es ruhiger. Auch Alois Kühne hat nicht im Sinn, die Liegenschaft bald wieder zu veräussern, obwohl entsprechende Angebote vorlägen: «Die ganze Wiese oberhalb der Loretostrasse wurde als Bauland eingezont und wird wohl demnächst auch überbaut. Das weckt natürlich auch Begehrlichkeit an der ‹Steigrüthi›-Parzelle.»

Alois Kühne, Restaurator und Besitzer Liegenschaft Steigrüthi, Lichtensteig. )Bild: Michael Hug)

Alois Kühne, Restaurator und Besitzer Liegenschaft Steigrüthi, Lichtensteig. )Bild: Michael Hug)

Doch daraus wird nichts, so Kühne: «Mir schwebt vor, das Restaurant erst mal komplett zu sanieren und dann ein Haus für einschlägig Interessierte zu machen. Kein totes Museum, sondern ein lebendiges und erlebbares Baudenkmal.» Gastronomie im Baudenkmal sei stark im Kommen, so Restaurator Kühne. Auch die Scheune werde saniert: «Darin sehe ich ein komfortables Loft mit Garage und Lift.»

Spätere Nutzung muss bei der Planung bekannt sein

Alois Kühne und sein Zimmerei- und Restaurationsbetrieb in Lichtensteig haben in den vergangenen Jahren den Rechenmacherhof in Dietfurt restauriert. Der Rechenmacherhof sei mit seinen über 200 Jahren ein historisches und erhaltenswertes Gebäude.

Baudenkmäler dieser Grösse liessen vielfältige Nutzungen zu, sofern die künftige Nutzung bereits bei der Planung der Sanierung und Restauration grosso modo bekannt sei. «Man muss eine Idee haben, wer oder was die späteren Bewohner im Gebäude machen wollen. Zum Beispiel arbeiten, planen, therapieren, lehren oder irgendetwas Kreatives gestalten. Also Künstler, Ärzte, Architekten oder Freischaffende. Wohnen und arbeiten am gleichen Ort.» Die Alternative wäre der Einbau von möglichst vielen Wohnungen: «Das wäre total ideenlos und langweilig», sagt Kühne.

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