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«Von langer Hand geplant»: Reaktionen zur Denkpause für das Spital Wattwil

Wegen schlechter Halbjahreszahlen der Spitalregion sind aus der Sicht des Verwaltungsrates Massnahmen nötig. Das sei von langer Hand vorbereitet gewesen, sagt der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner.
Ruben Schönenberger
Alt und neu steht derzeit beim Spital Wattwil nebeneinander. Wie viel aus alt noch neu wird, scheint derzeit offen. (Bild: Mareycke Frehner)

Alt und neu steht derzeit beim Spital Wattwil nebeneinander. Wie viel aus alt noch neu wird, scheint derzeit offen. (Bild: Mareycke Frehner)

Seit die Spitalverbunde Ende Mai ein Grobkonzept publizierten, ist Zunder in der Debatte um die Spitallandschaft im Kanton St. Gallen. Der drohende Wegfall des stationären Angebots am Spital Wattwil hängt seither wie ein Damoklesschwert über der Gesundheitsversorgung im Toggenburg. Entsprechend hohe Aufmerksamkeit geniessen weitere Verlautbarungen der Spitalverbunde in der Region.

Eine solche verschickte der Verwaltungsrat der Spitalverbunde des Kantons St. Gallen am Donnerstag zur Halbjahresbilanz der einzelnen Spitalverbunde. Die Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT), zu der neben dem Standort Wattwil auch das Spital Wil gehört, muss in den ersten sechs Monaten ein massiv schlechteres Ergebnis hinnehmen als geplant. Das Budget ging für das gesamte Kalenderjahr von einem Minus von 1,3 Millionen Franken aus. Per Mitte Jahr liegt das Minus bereits bei 4,0 Millionen. Bis Ende Jahr rechnen die Verantwortlichen neu mit einem Minus von 5,5 Millionen Franken.

Neubau belastet die Rechnung zusätzlich

René Fiechter, CEO SRFT (Bild: PD)

René Fiechter, CEO SRFT (Bild: PD)

Die Abweichungen seien «dramatisch» und machten «drastische Einschnitte» nötig, steht in der Medienmitteilung. René Fiechter, CEO der SRFT, präzisiert auf Anfrage: «Die finanzielle Lage ist schon länger schwierig. Nach dem letztjährigen Verlust von rund 1 Million Franken ist das Resultat aktuell wegen weiterer Effekte noch schlechter.» Die weiteren Effekte lassen sich grob in drei Bereiche unterteilen. Zum einen sind die Fallzahlen grundsätzlich weiter zurückgegangen. Zum anderen ist aber auch der sogenannte Casemix-Index, der Schweregrad behandelter Krankheiten, zurückgegangen. «Das hat einen direkten Einfluss auf die Erträge im stationären Bereich», sagt Fiechter.

Zusätzlich wirke sich auch der Erweiterungsbau am Standort Wattwil aufs Budget aus. «Durch den Neubau mussten wir zusätzliche Abschreibungen von 2,2 Millionen Franken hinnehmen», erklärt Fiechter. Mit dem Erweiterungsbau sei auch Einmalaufwand in verschiedenen Bereichen angefallen und die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hätten Überstunden leisten müssen.

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil. (Bild: PD)

Alois Gunzenreiner, Gemeindepräsident Wattwil. (Bild: PD)

Genau das kritisiert Alois Gunzenreiner. Der Wattwiler Gemeindepräsident, der auch Präsident des Fördervereins Regionalspital Toggenburg ist, sagt: «Man wählt einen Zeitpunkt für eine Momentaufnahme, der in die Strategie passt und kaschiert so die Fehlüberlegungen des Grobkonzepts. Das ist von langer Hand geplant.» Hinter den Zahlen stecke zu einem guten Teil, dass am Standort Wattwil bereits viel realisiert wurde. Das führt zu Abschreibungen, die aufwandseitig geltend gemacht werden müssen und erst später die Einnahmen beeinflussen. Das sei logisch und nach einem 15-jährigen Baumoratorium sei das natürlich nicht wenig. «Das wird auch an anderen Standorten noch passieren», sagt Gunzenreiner und spielt auf alle Standorte an, wo ebenfalls verschiedene Bauprojekte im Gange sind.

«Dem Bau liegt ein Volksentscheid zugrunde»

«Der Verwaltungsrat der Spitalverbunde spielt Powerplay und versucht Fakten zu schaffen», sagt Gunzenreiner weiter. Dabei sei er dazu gar nicht befugt. «Dem Bauprojekt liegt ein Volksentscheid zugrunde. Wenn man den Bau nun ändern oder stoppen will, müsste man eigentlich erst noch einmal das Volk befragen», sagt Gunzenreiner. «Das ist kein Entscheid des Verwaltungsrates.» Der eingesetzte Lenkungsausschuss der Regierung verkomme so zur Makulatur, obwohl kommuniziert wurde, dass dieser die Führung übernehme. Der Gemeinderat habe sich nach der Veröffentlichung des Grobkonzepts vernehmen lassen, leider nehme der Verwaltungsrat auch eine Standortgemeinde nicht ernst. Denn eine Reaktion habe es nicht gegeben.

SRFT-CEO Fiechter betont jedoch, dass die Situation ernst sei und sich auch nicht so schnell verbessere. «Die Rahmenbedingungen verschlechtern sich 2019 weiter. Die Abschreibungen erhöhen sich um eine weitere Million Franken, die Arbeitgeberbeiträge der Pensionskasse werden höher ausfallen und Operationen werden vermehrt ambulant statt stationär durchgeführt, was zu erheblichen Ertragseinbussen führen wird.»

«Bisher waren wir deutlich vor dem Zeitplan»

Der Verwaltungsrat hat deshalb ein Sanierungsprojekt in Auftrag gegeben. Was in diesem passieren soll, ist noch offen. In den nächsten Wochen wird ein Projektauftrag erarbeitet. «Wir holen uns dazu auch externe Unterstützung von Experten im Gesundheitsbereich», ergänzt Fiechter. Dieser Projektauftrag gehe Ende September an den Verwaltungsrat. Bis März sollen dann konkrete Massnahmen vorgeschlagen werden können. Zu jenem Zeitpunkt sollen auch erste Ergebnisse aus dem kantonalen Projekt zur Weiterentwicklung der St.Galler Spitalverbunde vorliegen, mit dem die Massnahmen in Einklang stehen sollen.

Ungefähr zu jenem Zeitpunkt hätte eigentlich auch die dritte Etappe beim Bauprojekt des Spitals Wattwil starten sollen. Die Verantwortlichen legen aber eine Denkpause ein. Vorerst liegt also der Umbau des alten Bettentrakts C sowie jener des verbliebenen Teils des Trakts A auf Eis. Die erste Etappe – der neue Bettentrakt – ist bereits abgeschlossen, die zweite Etappe ist bereits aufgegleist. Sie beinhaltet unter anderem den Umbau des Operationsbereichs und der Radiologie. «Wir waren bisher deutlich vor dem Zeitplan, mit einer leichten Verzögerung wären wir wieder beim ursprünglichen Plan», sagt Fiechter.

Noch könnte also das ganze Bauprojekt wie geplant realisiert werden. So sich denn die Verantwortlichen zur Umsetzung entscheiden.

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