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Bachs Bauernkantate auf dem Chäserrug

Die J.-S.-Bach-Stiftung St.Gallen lud zur Aufführung von Bachs Bauernkantate ein, die für einmal auf dem Gipfel des Chäserrugg stattfand. Die eindrückliche und mehrschichtige Aufführung stiess auf viel Schmunzeln und sichtliches Behagen.
Peter Küpfer
«Ihr habt heute Abend Grossartiges geleistet», sagt Konrad Hummler und bedankt sich nach der Aufführung bei sämtlichen Mitwirkenden und beim Publikum. (Bild: Peter Küpfer)

«Ihr habt heute Abend Grossartiges geleistet», sagt Konrad Hummler und bedankt sich nach der Aufführung bei sämtlichen Mitwirkenden und beim Publikum. (Bild: Peter Küpfer)

Es ist keine Kleinigkeit, an die 300 Personen auf dem Gipfel des Chäserrugg zu versammeln, damit sie sich dort eine Kantate von Johann Sebastian Bach anhören. Die J.-S.-Bach-Stiftung St. Gallen schaffte das mit ihrem jüngsten Konzert auf Anhieb. Dabei konnte sie auf ihr Stammpublikum zählen. Die Stiftung verfolgt seit Jahren das Ziel, das gesamte Vokalwerk Bachs zur Aufführung zu bringen, das sind neben den grossen Vokalwerken gerade auch mehr als 200 Kantaten. Für viele Musikfreunde sind diese Konzerte, oft in den Grubenmann-Kirchen von Teufen und Trogen aufgeführt, nicht mehr aus ihrer Agenda wegzudenken.

Anspielungsreicher Kantatentext

Die aufgeführte «Cantate burlesque», Bach-Werke-Verzeichnis Nummer 212, ist die bekannteste und letzte von Bachs weltlichen Kantaten. Anlass zur Komposition war die Einsetzung von Kammerherr Carl Heinrich von Dieskau als kurfürstlicher Statthalter. Damals nahm der Oberbeamte bei solchen Anlässen die Huldigung der untergebenen und steuerpflichtigen Bauern entgegen. In seiner lebhaften und packenden Einführung, vor spektakulärer Alpenszenerie, ging Dirigent Rudolf Lutz vor allem auf den Text der Kantate ein. Er stammt von Christian Friedrich Henrici (Pseudonym Picander), selbst Beamter in der Leipziger Steuerabteilung, und er ist voll von Anspielungen auf die Macht und teilweise auch die Willkür der damaligen Steuereinnehmerei.

Den Reflexionsteil übernahm Noldi Alder, Gründer des Neuen Appenzeller Streichmusik-Projekts. Sowohl Dichter wie Musiker hätten damals, offensichtlich mit Spass, den Bauern «ihre Sprache» gegeben, führte er aus. Es sei aber die Sprache der Städter gewesen, die sich die Sprache der Bauern ausgedacht hätten. In neuerer Zeit sei die Volksmusik stärker als authentisch gewürdigt worden. Was dieser weite Spannungsbogen für ihn musikalisch heisst, bezeugte Noldi Alder an Violine und Hackbrett, gefolgt von seinem Ensemble, mit einem eigens für den Anlass komponierten Variationenbukett.

Tänzerische Aufführung mit viel Schwung

Die Aufführung der Bauern-Kantate hatte viel Schwung. Sie betonte das Tänzerische und Vitale von Bachs Musik. Die Härten des Bauernlebens – dazu gehörte auch der Kriegsdienst – wurden mit leichten, aber sicher geführten Pinselstrichen nur angedeutet, wie es auch der Text vorgibt.

Die solistischen Stimmen gaben der Aufführung zusätzlich Glanz und Feuer. Sopranistin Sibylla Rubens nahm das Publikum durch ihre Spielfreude sofort für sich ein und verlieh ihrem Part Grazie und Herzenswärme, wie das Programmheft zu Recht versprach. Auch Bassbariton Dominik Wörner war mit seiner kraftvollen und einschmeichelnden Diktion dem Burlesken verhaftet. Sein Vortrag wechselte spielend vom Inbrünstigen zum Hintergründigen, stellenweise meinte man etwas Figaro mitzuhören.

Rudolf Lutz bedankte sich bei Solisten, Ensembles und der Technik, auch bei Verwaltungsratspräsident der J.S.Bach St.Gallen AG und Förderer Konrad Hummler. Dieser hatte den Aufstieg zusammen mit Gleichgesinnten zu Fuss bewältigt. Konrad Hummler bedankte sich seinerseits bei allen Mitwirkenden, auch dem Publikum. Er war es, der für dieses aussergewöhnliche Konzert den ungewöhnlichen Ort vorgeschlagen hatte.

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