Ausgehverhalten
Ausser ein paar Autoposern ist (noch) nicht viel los

Nach wie vor leiden auch die jungen Mitmenschen unter den coronabedingten Einschränkungen. Am Wochenende war es von der Temperatur her ziemlich angenehm; also Zeit, den jungen Erwachsenen an neuralgischen Treffpunkten in der Region den Puls zu fühlen.

Christoph Heer
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Junge Menschen treffen sich am Bahnhof Wil und freuen sich auf eine baldige Rückkehr zur Normalität, während sich die Autoposer an gleicher Stelle mit ihren Boliden und nicht mit Corona befassen.

Junge Menschen treffen sich am Bahnhof Wil und freuen sich auf eine baldige Rückkehr zur Normalität, während sich die Autoposer an gleicher Stelle mit ihren Boliden und nicht mit Corona befassen.

Bild: Christoph Heer

Als der Schnee in der Region Wil und Toggenburg noch die Überhand hatte, wäre eine Wochenendtour in diesem Rahmen nicht möglich gewesen. Am vergangenen Freitag- und Samstagabend besuchte diese Zeitung einschlägig bekannte Treffpunkte von Jugendlichen aus der ganzen Region.

Bei doch schon sehr angenehmen elf Grad Celsius durfte man gespannt sein, was auf dem Bahnhofgelände in Wattwil los sein würde. Schnell machte sich jedoch Ernüchterung breit. Keine Menschenseele, niemand, der Auskünfte erteilen würde auf Fragen wie, was an den Wochenenden am meisten fehlt oder auf was man sich nach weiteren Lockerungen freuen wird.

Restaurants geschlossen, also wird auf dem Bahnhofgelände getrunken. Ob sich dieses Bild ändert, wenn die coronabedingten Einschränkungen fallen gelassen werden, darf bezweifelt werden.

Restaurants geschlossen, also wird auf dem Bahnhofgelände getrunken. Ob sich dieses Bild ändert, wenn die coronabedingten Einschränkungen fallen gelassen werden, darf bezweifelt werden.

Bild: Christoph Heer

Bis auf zwei Busfahrer absolut tote Hose, bis David H. und Samuel K. der Strasse entlang spazierten.

«Wir können dieses leidige Thema ‹Corona› nicht mehr ausstehen, genauso wenig wie den Bundesrat. Diese Lügereien haben wir satt, es wird nur noch Hass gestreut, so lange, bis es irgendwann eskaliert.»

Eine knallharte Meinung von zwei jungen Männern, denen Einschränkungen wie geschlossene Beizen aber nichts ausmachen. «Wir feiern bei schönem Wetter eh draussen. Entweder am Bahnhof oder mit Kollegen irgendwo an der Thur – und zwar mit so vielen Kollegen, wie wir wollen.»

Angst vor polizeilichen Kontrollen

Ebenfalls am Freitagabend stehen einige Gruppen Jugendlicher am Bahnhof Wil. Man trifft hier auf Nino O., Sandra F., Leandra N. und zwei weiteren Freunden. «Ich kann’s kaum erwarten, bis ich wieder in die Clubs gehen kann», sagt eine von ihnen. Für Leandra N. hingegen scheint es wichtiger zu sein, sich wieder im normalen Rahmen treffen zu können. «An die Thur gehen wir jeweils nur zu dritt. Doch wenn wir dort Freunde und Bekannte treffen, entwickelt sich schnell eine grössere Gruppe.» In diesem Moment sässen sie wie auf Kohlen. Sie fragen sich, was passiert, wenn die Polizei sie erwischt.

«Im Allgemeinen haben wir genug von den Massnahmen, endlich zurück zur Normalität wäre angebracht.»

Nino O. sagt gleichzeitig, dass man von Beginn an viel mehr auf Eigenverantwortung hätte setzen müssen und Sandra F. versteht nicht, dass Blumenläden geöffnet sind und das Cinewil geschlossen bleibt.

Auffallend sind an diesem Ort die schon glänzend herausgeputzten BMWs, Mercedes und weiteren laut dröhnenden Boliden. Kurz auf das Gaspedal gedrückt, mit zügigem Tempo an den wartenden Taxis vorbei hinauf zum Schwanenkreisel und wieder zurück. Die Autofanatiker sind aber noch gänzlich unter sich, denn nur sehr wenige Personen bewegen sich auf dem weiträumigen Bahnhofgelände.

Gute Laune in Bütschwil – Totenstille in Uzwil

Am Bahnhof in Bütschwil ist es ruhig, sehr ruhig. Doch einige gut gelaunte Mitmenschen freuen sich sichtlich, wenn anhand eines Fotografen oder eines anderen Ankömmlings etwas Action hervorgerufen wird. Ihr lautes Lachen wird weitherum gehört, betreffend Ausgangsmöglichkeit in der fortwährenden Coronazeit kümmert sie nicht. «Auch mit den Coronamassnahmen haben wir kein Problem. Akzeptieren, Mund abwischen und weiter geht’s. Im Sommer sollten wir es geschafft haben», sagen zwei Jugendliche.

Menschenleer. Der Bahnhofplatz in Wattwil ist am Wochenende nur ganz spärlich frequentiert.

Menschenleer. Der Bahnhofplatz in Wattwil ist am Wochenende nur ganz spärlich frequentiert.

Bild: Christoph Heer

Am 20-minütigen Zwischenhalt am Bahnhof in Uzwil sucht man hingegen vergebens irgendwelche Personen. Es scheint fast so, als dass hier ein Ausgehverbot herrscht – mucksmäuschenstill. Dafür wurde spät in der Nacht von Samstag auf Sonntag ein verliebtes Pärchen am Bettenauerweiher angetroffen. Nach ihrem Spaziergang um den See sagen die beiden in tiefenentspanntem Ton, dass es Corona gar nicht gibt. «Das alles ist ein uns auferlegtes Theater von Bund, BAG und allen anderen, die da unter einer Decke stecken.»