Aus des Herolds Wappenrolle gefallen – Wie könnte das neue Wappen der fusionierten Gemeinde im Neckertal aussehen?

Wie könnte das neue Wappen nach der Fusion der Gemeinde Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil aussehen? Das Toggenburger Tagblatt hat drei nicht ganz ernst gemeinte Vorschläge kreiert.

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm

Urs M. Hemm

Es gehört zu den sogenannten weichen Themen, die bei einer Gemeindefusion abzuklären sind: die Wahl eines Wappens für die fusionierte Gemeinde. Dennoch löst die Wappenfrage nicht selten Emotionen und dementsprechend hitzige Diskussionen aus. Denn die Bürgerinnen und Bürger identifizieren sich oft mit den Insignien ihres Dorfes oder ihrer Gemeinde und befürchten, mit der Wahl eines neuen Wappens einen Teil ihrer Eigenständigkeit und ihres Gemeinschaftsgefühls zu verlieren. Die bisherigen Banner verlieren nach der Einführung eines neuen aber keineswegs ihre Gültigkeit. Diese bleiben weiterhin geistiges Eigentum der Einwohnerinnen und Einwohner der betreffenden Dörfer oder Gemeinden. Und vielleicht entwickelt sich ja für das neue Wappen eine ähnliche Verbundenheit, wie sie für das bisherige galt.

Aus vorgenannten Gründen sollte die Wahl eines neuen Gemeindewappens also gut überlegt sein. Die Hüterin des Schweizer Wappenguts ­– ­­­­­die Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen – empfiehlt, das Wappen der grössten und bedeutendsten an der Fusion beteiligten Gemeinden zu übernehmen. Wovon die Stiftung dringend abrät, ist, ein neues aus Bestandteilen der bisherigen Wappen zu kreieren und dieses im schlimmsten Fall noch mit modernen Elementen zu ergänzen. Doch genau mit diesem Auftrag hat sich die Grafikabteilung des Toggenburger Tagblatts ans Werk gemacht und drei nicht ganz ernst gemeinte Wappenvorschläge für die künftige Gemeinde gestaltet, die dereinst aus der Fusion von Neckertal, Hemberg und Oberhelfenschwil erwachsen soll.

Entstanden sind drei Vorschläge für das Wappen der künftigen Gemeinde «Oberneckerberg». Bei der Gestaltung wurden sämtliche Empfehlungen der Stiftung Schweizer Wappen und Fahnen in den Wind geschlagen, der Fantasie freien Lauf und die Regeln der Heraldik völlig ausser Acht gelassen. Ausserdem wurde der historische Hintergrund der bisherigen Wappen gänzlich ignoriert.

Die Dynamik des Neckers

Der Necker als verbindendes Element symbolisiert die Dynamik der neuen Gemeinde.

Der Necker als verbindendes Element symbolisiert die Dynamik der neuen Gemeinde.

Grafik: sb

Das Klassische Der erste Vorschlag unserer internen Wappenkommission ist auch der naheliegendste. Es ist eine Kombination aus herausstechenden Elementen aller drei bisherigen Wappen. Als Grundlage dieses Entwurfs wurden die drei grünen Spitzen Hembergs gewählt. Aus diesen drei wurden vier Spitzen, um den hügeligen Charakter der neuen Gemeinde noch mehr hervorzuheben. Als zweite Hintergrundfarbe wurde gelb genommen. Dieses Gelb ist aus zwei Gründen relevant: Einerseits entspricht es dem bisherigen Wappen der Gemeinde Oberhelfenschwil. Andererseits führten die Grafen von Toggenburg einen Rüden auf gelbem Grund in ihrem Banner, wodurch die Wahl dieser Farbe durchaus auch historisch seine Berechtigung hätte. Der Turm – der ebenfalls vom Oberhelfenschwiler Banner entlehnt wurde – steht für die Neutoggenburg, den ehemaligen Sitz der Grafen von Toggenburg. Der Turm der Ruine Neutoggenburg befindet sich zwar nicht im Herzen des Wappens, aber beinahe im Herzen der neuen Gemeinde.

Das Wappen und auch das künftige Gemeindegebilde ist geprägt, durch den Necker, der in den Hügeln in der Nähe des Ofenlochs entspringt und sich durch die ganze Gemeinde zieht. Der Name Necker ist keltischen Ursprungs und bedeutet gemäss Lexikon heftiger, böser, schneller Fluss. Dies könnte für die Dynamik der neuen Gemeinde stehen, die durch die Fusion schlagkräftiger werden und in der kantonalen Gemeindelandschaft mehr Gewicht haben soll. Die sechs Bäume schliesslich lehnen sich an das ursprüngliche Wappen der Gemeinde Neckertal an. Sie symbolisieren den Reichtum an Wald und die Bedeutung der Holzwirtschaft für das Tal.

Der Tourismus-Motor

Als touristisches Schwergewicht könnte der Baumwipfelpfad auch im Mittelpunkt des neuen Wappens stehen.

Als touristisches Schwergewicht könnte der Baumwipfelpfad auch im Mittelpunkt des neuen Wappens stehen.

Grafik: sb

Das Touristische Die Grundlagen dieses Wappens bleiben im Vergleich zur ersten Variante unverändert, da sie die ursprünglichen Werte der drei Gemeinden berücksichtigen. Eine wichtige Komponente jedoch wurde dem zweiten Vorschlag hinzugefügt – der Baumwipfelpfad. Dieser symbolisiert neben den Bäumen, die für den Waldreichtum und die Holzwirtschaft stehen, den Wirtschaftsfaktor Tourismus des Tals.
Der Baumwipfelpfad als touristisches Leuchtturm-Projekt, das weit über die Grenzen der Region hinaus strahlt, verkörpert die Symbiose dieser beiden Aspekte geradezu perfekt. So kann der Besucher vom Baumwipfelpfad aus die geografisch einzigartige und abwechslungsreiche Landschaft des Neckertals betrachten. Die grösstenteils intakte Natur ist die Grundlage für den Tourismus der Region. Gleichzeitig kann der Besucher des Baumwipfelpfads aber auch die Vielfalt an Bäumen studieren, die einerseits die Basis für die Holz verarbeitende Industrie sind.

Andererseits stehen natürlich auch sie für die Vielfalt der Naturerlebnisse, die es in der neuen Gemeinde zu erfahren gilt.
Gemäss der neuen Tourismus-Managerin für das Neckertal soll künftig das Thema Holz ein Schwerpunkt im Tourismus sein, womit sich die beiden Gebiete Holz und Tourismus einmal mehr kreuzen.

Dementsprechend verläuft der Baumwipfelpfad durch das ganze Wappenbild. Er verbindet die Ressourcen des Tals und steht sinnbildlich für den Zusammenhalt der Bevölkerung der fusionierten Gemeinde, die wie der Baumwipfelpfad – gebaut aus festem Neckertaler Holz – auf einem soliden Fundament zu stehen kommen wird, sofern es denn die Bevölkerung so will.

Kraft und Energie aus der Natur

Die Windkraft zeigt die Nähe des Neckertals zur Natur und könnte zukunftsweisend sein.

Die Windkraft zeigt die Nähe des Neckertals zur Natur und könnte zukunftsweisend sein.

Grafik: sb

Das Futuristische Im Gegensatz zu den meisten Gegenden im Toggenburg wird auf dem Gebiet der neuen Gemeinde ein Windrad stehen. Es befindet sich bereits jetzt oberhalb von Oberhelfenschwil und könnte als zukunftsweisendes Beispiel das Wappen der neuen Gemeinde zieren. Nicht von ungefähr wurde auf diesem Entwurf ein Rad im Necker platziert. Dies, um neben der Wind- auch auf das Potenzial in der Wasserkraft hinzuweisen. Natürlich zeichnet sich hier ein Zwiespalt ab. Einerseits bildet die unberührte Natur das Fundament für die touristische Erschliessung des Neckertals. Andererseits kann durch die Förderung von alternativen Energieformen eben diese für künftige Generationen erhalten werden. Die natürlichen Voraussetzungen wären durch die hügelige Landschaft und den Necker gegeben, um in diesem zukunftsweisenden Bereich eine Vorreiterrolle einzunehmen. Um dennoch im Einklang mit der Natur und um der Holztradition des Neckertals verbunden zu bleiben, wäre es auch vorstellbar, Windräder und Stauwehre aus Holz zu bauen.

Um möglichst das Gleichgewicht im neuen Wappen zu halten, mussten drei Bäume des ursprünglichen Neckertaler Banners weichen und der Turm der Neutoggenburg nach unten versetzt werden. Damit rückt sinnbildlich die Wehrhaftigkeit der Neckertaler mehr ins Zentrum. Im Zusammenspiel mit den Windrädern, die für Voraussicht und Innovation stehen, soll diese Darstellung zeigen, dass die Neckertaler sich nicht nur auf Bewährtem ausruhen, sondern auch vorwärts gerichtet sind, um die Zukunft der fusionierten Gemeinde zu gestalten. Mit diesem Wind im Rücken sollte es möglich sein, mit Zuversicht in die Zukunft zu schauen.

Kreieren Sie ein Wappen

Haben auch Sie Lust bekommen, ein Wappen für die neue Gemeinde im Neckertal zu kreieren? Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf und senden Sie uns Ihre ernst gemeinten, aber auch lustigen Vorschläge an: Redaktion Toggenburger Tagblatt, Rietwisstrasse 10, 9630 Wattwil oder per E-Mail an: redaktion@toggenburgmedien.ch. Wir leiten Ihre Vorschläge gerne auch an die zuständigen Personen für die Gemeindefusion weiter. Einsendeschluss für Ihre Vorschläge ist der Montag, 16. März. (red.)