Aus den Wahlkreisen Wil und Toggenburg wurde 2019 weniger exportiert als in den Vorjahren

Die Region exportiert 2019 weniger als im Vorjahr. Aber immer noch deutlich mehr, als sie importiert.

Ruben Schönenberger
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Exporte und Importe gingen 2019 zurück.

Exporte und Importe gingen 2019 zurück.

Bild: AP Photo/Andy Wong

Höchstwerte beim Export, Rekordwerte beim Import: Der Aussenhandel entwickelte sich 2019 auf Landesebene positiv, wie die Eidgenössische Zollverwaltung unlängst mitteilte. Das liegt zu einem grossen Teil an der Chemie- und Pharmabranche. «Die Schweiz ist vom Käse-, Uhren- und Schoggiland zu einer globalen Apotheke geworden», sagt Ökonom Peter Eisenhut von der Ecopol AG.

Aber: «In der Industrie ist die Luft 2019 dünner geworden», sagt Eisenhut. Entsprechend sehen auch die Zahlen in der Region nicht ganz so rosig aus. Im Wahlkreis Toggenburg sinken die Exportzahlen 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 2,62 Prozent. Es ist der erste Rückgang seit 2015. Waren im Wert von rund 492 Millionen Franken wurden exportiert, das entspricht immer noch dem zweithöchsten Wert seit 2002, länger zurückreicht die von der Fachstelle für Statistik zur Verfügung gestellte Zahlenreihe nicht.

Konjunktur und Branchenmix als Gründe

Die Erklärung für den Dämpfer liegt gemäss Eisenhut in der Abschwächung der internationalen Konjunktur, aber auch in den Branchen. In beiden Wahlkreisen wichtig ist die Warengruppe Metalle, Maschinen, Fahrzeuge. Im letzten Quartal 2019 war diese bezogen auf den Warenwert für drei Viertel aller Exporte im Wahlkreis Wil und für die Hälfte aller Exporte im Wahlkreis Toggenburg verantwortlich. Eisenhut sagt zum Wahlkreis Toggenburg: «Metall- und Elektroindustrie mussten kräftige Rückschläge hinnehmen.»

Ein ähnliches Fazit zieht Eisenhut für Wil, kann aber auch Positives vermelden: «Die Unternehmen der Branchen Elektrotechnik und Präzisionsinstrumente konnten hier ihre Ausfuhren steigern.» Schwieriger präsentiert sich die Situation bei Zulieferern der Fahrzeugindustrie im Wahlkreis Wil: «Hier wird der Strukturwandel sichtbar, beträgt der Rückgang doch stattliche 20 Prozent.» Insgesamt zeigen sich die Zahlen im Wahlkreis Wil im Jahresvergleich etwas stabiler. Es wurden Waren im Wert von rund 1,6 Milliarden Franken exportiert. Das entspricht nur einem leichten Minus von 0,91 Prozent.

Auf die Fahrzeugindustrie nimmt auch Daniel Blatter, Geschäftsführer der Region Toggenburg, für das Thur- und Neckertal Bezug. Er vermutet ebenfalls konjunkturelle Gründe hinter der Entwicklung im 2019. «Zulieferer von grösseren Abnehmern, zum Beispiel in der Autoindustrie, dürften einen Dämpfer gespürt haben.» Solche Firmen gebe es im Toggenburg einige.

Auch Thomas Oegerli von der Fachstelle für Statistik des Kantons St.Gallen bestätigt, dass einzelne Firmen beträchtliche Ausschläge auslösen können. Detaillierte Angaben zu einzelnen Unternehmen kann er jedoch nicht machen.

Weniger Exporte ergeben weniger Importe

Bei der Betrachtung der Importe zeigt sich, dass diese ebenfalls nachlassen, wenn die Exporte nachlassen. Oder andersrum: «Vollere Auftragsbücher ergeben auch mehr Importe», wie es Wirtschaftsförderer Robert Stadler vom Wirtschaftsportal Ost ausdrückt. Entsprechend sind die Zahlen auch hier im Wahlkreis Wil (ein Minus von rund 3,5 Prozent) stabiler als im Wahlkreis Toggenburg (ein Minus von rund 9,25 Prozent). Ökonom Eisenhut ergänzt: «Natürlich spielt die Entwicklung der Wechselkurse auch eine Rolle.»

Weil neben der Exporte auch die Importe sinken, konnten beide Wahlkreise ihre Handelsbilanzüberschüsse vergrössern. Vereinfacht gesagt heisst das: Das Ausland zahlt mehr für Produkte der Region als die Region für Produkte aus dem Ausland. Im Wahlkreis Toggenburg stieg der Überschuss um fast 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Mit rund 146 Millionen Franken ist der Wert sogar so hoch wie seit 2004 nicht mehr. «Ein gutes Zeichen», findet Blatter.

«Unsere Produkte haben einen guten Stellenwert, die Nachfrage ist da. Das spricht für die Dienstleister und die Industrie.»

Im Wahlkreis Wil stieg der Überschuss gar um über 31 Prozent. Trotzdem bleibt der Wert im Mehrjahresvergleich mit rund 160 Millionen Franken eher tief. Nur dreimal war er seit 2002 tiefer.

Für die Zukunft geht Blatter von einem verhaltenen Wachstum aus. «Die Region wird sich nicht grundlegend anders verhalten als die grossen konjunkturellen Zyklen», sagt er. «Auch uns betreffen Zölle, Handelskonflikte oder das Corona-Virus», sagt er. Eisenhut nimmt Bezug auf die Konjunkturumfrage bei den Ostschweizer Industrieunternehmen im Januar. Diese zeuge von zuversichtlichen Exporteuren. Man könne bereits im ersten Halbjahr eine positive Entwicklung im Aussenhandel erwarten.