Aufstieg ins Swiss-Ski B-Kader: Eine Art «Tellerwäscher-Märchen» für Marco Fischbacher aus Unterwasser

Marco Fischbacher hat den Sprung aus dem Regionalverband OSSV ins B-Kader von Swiss-Ski geschafft.

Urs Huwyler
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Marco Fischbacher hat sich vom Regionalverband OSSV ins B-Kader von Swiss-Ski hochgekämpft.

Marco Fischbacher hat sich vom Regionalverband OSSV ins B-Kader von Swiss-Ski hochgekämpft.

Bild: Urs Huwyler

Mit Rang drei und einem Sieg in den FIS-Riesenslaloms von Zinal im Wallis war Marco Fischbacher aus Unterwasser am 20./21.November zur Saison 2019/2020 gestartet. Auf Platz zwei und eins klassierte sich der 23-jährige Toggenburger vier Monate später zum Saisonschluss in Saint Luc, ebenfalls im Wallis.

Im letzten Riesenslalom zeigte Fischbacher einmal mehr auf, über welches Potenzial er verfügt: Bei schwierigen Bedingungen nahm er der Konkurrenz mindestens 0,91 Sekunden ab. «Es war zum Abschluss wohl mein bestes Rennen. Damit habe ich in allen FIS-Riesenslaloms einen Podestplatz belegt», erzählt Marco Fischbacher und freut sich über seine Leistungskonstanz.

Karrierenende drohte vor einem Jahr

Zwei Siege, drei zweite und zwei dritte Plätze in der Schweiz, zweimal Zweiter in China: Die Bilanz übertrifft selbst die Erwartungen des Aufsteigers des Jahres. Hinter dem Abstecher ins chinesisches Taiwoo Ski Resort steckten taktische Überlegungen. Dort liessen sich durch solide Leistungen ausgezeichnete FIS-Punkte gewinnen. Die Rechnung ging auf und die Resultate in China trugen entscheidend dazu bei, dass Marco Fischbacher – in der für die Kaderzugehörigkeit entscheidenden – FIS-Liste unter den Top 80 aufscheint.

Um im Nationalsport Ski Alpin den Sprung aus dem Regionalverband (OSSV) ins B-Kader zu schaffen, braucht es Einiges. Dessen war sich Marco Fischbacher bewusst. «Das B-Kader habe ich mir als hohes Ziel gesetzt. Ich wusste, dass es bei der grossen Konkurrenz schwierig werden würde. Umso glücklicher bin ich, dass ich den Aufstieg geschafft habe.»

Vor einem Jahr sass das Mitglied des SSC Toggenburg im Frühling ebenfalls zu Hause und wusste nicht, wie es sportlich weitergehen würde. «Aufhören oder den Alleingang wagen?», lautete die Gretchenfrage, nachdem er den Swiss-Ski-Status verloren hatte. Die Mehrheit der einstigen Talente hängt in solchen Situationen die Skis an den Nagel. In allen Männer-Kadern zusammen sind aus dem einst starken 97er-Jahrgang noch Marco Odermatt (Nationalmannschaft), Marco Kohler (C) und Marco Fischbacher geblieben.

Der 168 Zentimeter grosse «B-Kader-Marco» entschied sich für den Angriff aus der zweiten Reihe und begann, sich mit Eigeninitiative ein neues Umfeld aufzubauen. Bei Stöckli fand er einen Skiausrüster, Optrel Wattwil stieg als Kopfsponsor ein, die Bergbahnen Wildhaus sagten ihm die Unterstützung zu, das Nationale Leistungszentrum Ost und der Regionalverband OSSV halfen beim Training.

Ein zeitlich beschränktes Abenteuer

Bis kurz vor Saisonbeginn wusste Marco Fischbacher jedoch nicht, ob der Neustart tatsächlich Realität werden würde. Fest stand für den ehemaligen Davoser Sport-Gymnasium-Absolventen, dass es sich schon aus finanziellen Gründen um ein zeitlich beschränktes Abenteuer handeln würde. Was dann passierte, erinnerte ans «Tellerwäscher-Märchen». Nach den ersten beiden Rennen erhielt Marco Fischbacher bereits ein Aufgebot für zwei Europacup-Einsätze in Norwegen. Die Basis für eine erfolgreiche Saison war gelegt.

Nun geniesst er auf dem Sitzplatz des elterlichen Hauses mit Blick auf die Churfirsten die Pause, nützt die Tage, um Gespräche mit den Sponsoren und Ausrüstern zu führen. Kraft trainieren kann der Bewunderer von Marcel Hirscher im Keller, an Outdoor-Möglichkeiten fehlt es ihm nahe dem Schwendisee trotz der Coronakrise keineswegs. Zurücklehnen wird sich der Sohn der Ennetbühlerin Sonja und dem Österreicher Norbert Fischbacher-Ackermann nicht. Schliesslich soll das B-Kader nicht das Ende der Karrieren-Leiter bleiben.

Der Traum vom Weltcup in Adelboden

Die siebenköpfige Riesenslalom-Trainingsgruppe möchte ab Mitte Juli mit dem Gletschertraining beginnen. Zwischen den Zusammenzügen hofft der Wintersportler, seinem Sommerjob im weltweit ersten Escape-Room (interaktiver Rätselspass) zum Thema Klang in der Klangschmiede Alt St.Johann nachgehen zu dürfen. Sportlich liegt der Schwerpunkt in der ersten Phase bei den Europacup-Einsätzen.

Auf der zweitobersten Stufe blieben die Spitzenklassierungen bisher nicht zuletzt wegen der Pisten-Beschaffenheiten aus. Pickelhart präparierte Eis-Strecken sind in den FIS-Bewerben ungewohnt. Nun wird Marco Fischbacher mit weltcuperprobten Fahrern zusammen bei solchen Bedingungen trainieren und sich mit ihnen messen dürfen.

Disziplinenmässig liegt der Fokus kurz- und mittelfristig auf dem Riesenslalom und teilweise dem Super-G. Der Slalom ist seit dem Kreuzbandriss kein Thema mehr. Ob sich auch Einsätze in der Abfahrt ergeben könnten, mit derartigen Gedanken beschäftigt sich Marco Fischbacher nicht. Er verfolgt ein anderes Ziel: Irgendwann soll es ein Start beim Weltcup-Riesenslalom in Adelboden werden. Die Chancen sind für ihn intakt.