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Wattwil: Der Zivilschutz hilft beim Aufräumen von überflüssigen Zäunen

Im Frühling und Herbst werden im Toggenburg durch den Zivilschutz auf 26 Landwirtschaftsbetrieben Stacheldrahtzäune zurückgebaut. Initiant und Koordinator ist der St.Galler Bauernverband.
Patricia Wichser
Es sind keine Zäunchen, welche die Zivilschützer wegräumen. Rollenweise wird der Stacheldraht gesammelt. (Bild: Patricia Wichser)

Es sind keine Zäunchen, welche die Zivilschützer wegräumen. Rollenweise wird der Stacheldraht gesammelt. (Bild: Patricia Wichser)

Der St.Galler Bauernverband und der Bauernverein Toggenburg luden kürzlich auf die Wattwiler Stämisegg zur Information des Projekts «Rückbau von nicht mehr notwendigen Zäunen» ein. Ihren Ursprung hat das Projekt in der Kommission «Wald-Wild-Lebensraum» wo verschiedene Akteure zusammentreffen und Interessen sowie Probleme diskutiert werden. Die Landwirtschaft hat mit dem kantonalen Amt für Natur, Jagd und Fischerei 2015 ein Projekt in Auftrag gegeben.

2018 nahm es der St.Galler Bauernverband konkret an die Hand und startete das Projekt mit einem Aufruf an die Landwirte. Jetzt erfolgt die Umsetzung. Zuvor wurde immer wieder Kritik laut, über Stacheldrähte allgemein, insbesondere über Stacheldraht-Zäune, die nicht unterhalten werden. Verlottern oder gar am Boden liegen und eine Todesfalle für Wildtiere sind. Viele Zäune wurden nicht vom aktuellen Landwirt eines Wald- oder Weidestücks errichtet, doch viele setzen sich nun ein, diese entfernen zu lassen und somit ein Todes-und Verletzungsrisiko zu eliminieren.

Rückgebaute Zäune werden fotografisch festgehalten

«Ein Grossteil der Toggenburger Landwirte stehen dem Projekt offen gegenüber und nehmen das Anliegen ernst», erklärte Matthias Ammann, Vorstandsmitglied des Bauernvereins Toggenburg. Auch der Vorstand steht hinter dem Projekt. Nicht zu vergessen ist, dass die Bauern sensibilisiert wurden und Rückbau-Aktionen oftmals selber erledigen. «Ich erhalte ab und zu von Bauern ein Foto eines zurückgebauten Zauns zugeschickt», erzählte Andreas Widmer, Geschäftsführer des St.Galler Bauernverband, erfreut. Die Aktion greift.

Unwegsames Gelände, garstiges Wetter. Der Einsatz des Zivilschutzes ist kräftezehrend. (Bild: Patricia Wichser)

Unwegsames Gelände, garstiges Wetter. Der Einsatz des Zivilschutzes ist kräftezehrend. (Bild: Patricia Wichser)

Es ist kein Zäunchen, das am Waldrand von Werner Schelbert, Landwirt auf der Stämisegg, steht. Es sind schätzungsweise 2,5 bis 3 Kilometer Stachelzaun. Er selber arbeitet nicht mit Stacheldraht. Seine Milchschafe und -ziegen werden mit einem orangen Flexi-Netz zusammengehalten und nach einer Beweidung wird dieses auch wieder abgebaut. Vor drei Jahren übernahm er zusammen mit seiner Frau den Betrieb und meldete sich letztes Jahr auf den Aufruf des St.Galler Bauernverbandes.

Einzelne Zäune sind mit Bäumen verwachsen

Nun stehen fünf Zivilschutzleistende bei ihm in Einsatz. Meter um Meter wird der Draht freigelegt und frisch aufgerollt. Rollenweise werden sie an einem Stecken gesammelt. Es kommt auch vor, dass die Zäune in einem Baum verwachsen sind. «In diesem Fall lassen wir ein grösseres Stück Zaun übrig, damit, wenn der Baum gefällt würde, sichtbar ist, dass hier ein Stück Draht im Baum steckt», erklärt Kommandant Samuel Fust.

Währenddem die Landwirte auf freiwilliger Basis die Stacheldrähte zurückbauen, verhärtet sich die politische Front. Das Projekt von 2015 genügt dem Initiativkomitee «Stopp dem Tierleid – gegen Zäune als Todesfallen für Wildtiere» mit Peter Weigelt, Präsident RevierJagd St.Gallen sowie den Organisationen Pro Natura St.Gallen-Appenzell und WWF Ost nicht, und so kämpfen sie für ein gesetzlich verankertes Verbot von Stacheldraht und härtere Auflagen für andere Zäune wie Weidenetze oder elektrische Zäune. Zudem soll es eine gesetzliche Frist zum Rückbau von Stacheldrähten geben. Die kantonale Wildhut würde als Koordinationsstelle eingesetzt und auf eigene Beobachtung, Meldung von Behörden oder Anzeige Dritter tätig.

Bestimmungen sind nicht umsetzbar

Der St.Galler Bauernverband wehrt sich vehement gegen diese Initiative und sieht darin einen groben Eingriff seitens Jäger in die tägliche Arbeit der Landwirte. «Neu möchten sie mitbestimmen, wie die Wiesen und Weiden zu nutzen sind und welche zusätzlichen Regulierungen und Auflagen die Landwirte und Älpler belastet werden sollen», schreibt der St.Galler Bauernverband (SGBV) in einer Mitteilung. Der SGBV führt ins Feld, dass die Bestimmungen nicht umsetzbar seien und sogar gegen die bestehende Pflicht zur Einzäunung der Tiere verstosse – beispielsweise bei ansteckenden Krankheiten der Wildtiere wie die Hirschtuberkulose – und als Widerspruch zu den Auflagen, welche die Landwirte bezüglich Wildschweine, Rotwild und Wolf hätten.

Die Fallwildübersicht zeige, dass sich 24 Tiere im Jahr 2018 in Zäunen verfangen hätten, jedoch 1179 Tiere im Strassenverkehr zu Tode kamen. Der SGBV sieht das Projekt «Rückbau von nicht mehr notwendigen Zäunen» und die Eigeninitiative der Landwirte wesentlich zielführender als die Schaffung neuer Gesetze.

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