30 Punkt tiefer als vor zehn Jahren: Wattwil will die Steuern erneut senken

Der Gemeinderat beantragt eine Senkung des Steuerfusses um drei Prozentpunkte auf 132 Prozentpunkte.

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Gemeindehaus von Wattwil. Bild: Hansruedi Kugler

Gemeindehaus von Wattwil. Bild: Hansruedi Kugler

(gem/rus) Von 162 auf 135 Prozent hat die Gemeinde Wattwil seit 2009 ihren Steuerfuss gesenkt. Nun soll eine weitere Reduktion folgen, wie die Gemeinde am Freitag mitteilte. Die Zustimmung der Bürgerschaft vorausgesetzt wird der Steuerfuss insgesamt 30 Prozentpunkte tiefer liegen als zu Beginn der letzten Dekade.

«Mit dem für Wattwil historisch tiefen Steuerfuss von 132 Prozent liegen wir auf ähnlicher Höhe wie vergleichbare Zentrumsgemeinden im Kanton», sagt Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner. «Der Steuerfuss steuert nicht nur seinen Teil zur Standortattraktivität bei, die Positionierung ist uns auch wichtig, da sie zugleich eine hohe Aussagekraft über die Funktion und Kraft unserer Gemeinde als Regionalzentrum im Toggenburg hat.»

Gesamtvolumen von fast 45 Millionen Franken

In der gleichen Zeit habe die Gemeinde zudem kontinuierlich Schulden ab- und Vermögen aufgebaut. Zum Vermögensaufbau trägt auch der Abschluss 2019 nochmals bei: Die Jahresrechnung 2019 schliesst bei einem Gesamtvolumen von 44,9 Millionen Franken mit einem Überschuss von rund 2,7 Millionen Franken.

Gegenüber dem Budget ist das eine Besserstellung von rund 2,3 Millionen Franken. Dieses hatte bei einem um vier Prozent tieferen Steuerfuss als noch 2018 eine Einlage in die Ausgleichsreserve von 340'000 Franken und einen ausgeglichenen Abschluss vorgesehen.

«Wattwil hat einen gesunden Finanzhaushalt»

Zum gemäss Gemeinde über Erwarten positiven Ergebnis haben Minderaufwendungen in Verwaltung und IT von rund 550'000 Franken und ein geringerer Finanzbedarf der Schulgemeinde Wattwil-Krinau von rund 680'000 Franken beigetragen. Zudem fielen die Steuererträge knapp 560'000 Franken höher aus als budgetiert. «Der erneut gute Abschluss bestätigt die Finanzstrategie und die verlässliche Steuerfusspolitik des Gemeinderates», sagt Alois Gunzenreiner. «Wattwil hat einen gesunden Finanzhaushalt. Auf dieser soliden Basis können wir weiter aufbauen.»

Zugleich betont der Gemeindepräsident, dass die Gemeinde angesichts der anstehenden Herausforderungen auf diese solide Basis angewiesen sei: «Blinde Euphorie wäre fehl am Platz. Einerseits kommen bereits ab 2020/21 auf alle Gemeinden Ertragsausfälle aufgrund des Nachtrags zum Steuergesetz und aufgrund von Umlagerungen von der Kantons- auf die Gemeindeebene zu.» Anderseits bilde der gesunde Haushalt auch die Voraussetzung dafür, dass die Gemeinde die umfangreichen Investitionen, die in den letzten Jahren aufgelaufen seien, bei gleich bleibend tiefem Steuerfuss stemmen könne. Damit spricht Gunzenreiner insbesondere die Realisierung der Sport- und Freizeitanlage Rietwis mit der neuen Fussgängerbrücke über die Thur, die Renovation des Schwimmbads mit dem neuen Bistro-/Kiosk-Gebäude und die Umgestaltung von Post- und Bahnhofstrasse an, welche die Aufenthalts- und Lebensqualität in Wattwil spürbar weiter steigern würden.

Der Gemeinderat beantragt der Bürgerversammlung vom 18. März denn auch, den Überschuss 2019 für Vorfinanzierungen zu nützen. Konkret sollen je 900'000 Franken in die Vorfinanzierungen der Umgestaltung Post- und Bahnhofstrasse, des neuen Bistro-/Kiosk-Gebäudes und des Gemeindesaal fliessen.

Auch die Schulgemeinde schliesst positiv ab

Wie jene der Gemeinde schloss auch die Jahresrechnung der Schulgemeinde Wattwil-Krinau besser ab als budgetiert – zu rund einem Drittel dank Mehrerträgen, zu zwei Dritteln dank Minderaufwendungen. «Insbesondere der Personalaufwand lag um gut 344'000 Franken unter Budget», erklärt Schulpräsident Norbert Stieger. «Einerseits führten tiefere Auslagen für Stellvertretungen auf Kindergarten- und Primarstufe zu geringerem Aufwand, anderseits vor allem der Verzicht auf eine budgetierte zusätzliche Oberstufenklasse. Dieser wurde möglich, nachdem im Mai die konkreten Zuweisungszahlen an die Oberstufe vorlagen.»

Abgerundet wird das erfreuliche Gesamtbild des Abschlusses 2019 damit, dass auch die Nebenrechnung des Alters- und Pflegeheims Risi mit einem Ergebnis von rund 450'000 Franken positiv abschliesst. Per 1. Januar 2020 wurde schliesslich die Dorfkorporation Wattwil gemäss Beschluss ihrer Bürgerversammlung vom März 2019 in die Politische Gemeinde Wattwil inkorporiert. Da die Dorfkorporation per 31. Dezember 2019 aufgelöst wurde, sind ihre Jahresrechnung mit einem Ergebnis von rund 7800 Franken und die Bilanzübertragung mit einer Bilanzsumme von rund 8,3 Mio. Franken noch durch die Bürgerversammlung der Politischen Gemeinde zu genehmigen.

Das Budget, das der Gemeinderat mit dem reduzierten Steuerfuss von 132 Prozent vorlegt, ist ausgeglichen. Der tiefere Steuerfuss und der Nachtrag zum Steuergesetz mit Erhöhung des Maximalabzugs für Versicherungsprämien sowie des Pendlerabzugs werden gemäss Gemeinde Mindereinnahmen zur Folge haben. Zugleich hat sich der Beitrag aus dem kantonalen Finanzausgleich für die Politische Gemeinde Wattwil weiter reduziert.

Die Gesamtsportanlage wird ab 2020 realisiert

Investitionsseitig schlagen ab 2020 gleich mehrere Projekte zu Buche: die Realisierung der Gesamtsportanlage Rietwis ab Sommer 2020, verbunden mit zusätzlich genehmigten Einzelprojekten mit Blick auf den Campus Wattwil, sowie das neue Bistro-/Kiosk-Gebäude beim Schwimmbad. Ebenso werden die Vorbereitungen zur Realisierung der Umgestaltung von Bahnhof- und Poststrasse mit der Behandlung der vorliegenden Einsprache weiter­geführt, damit die Realisierung 2021 möglich ist.