Interview

Auch nach der jüngsten Kritik sagen die Träger der geplanten Windräder: «Krinau ist der beste Standort im Toggenburg»

Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission lehnt die geplanten Windräder oberhalb Krinau ab. Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG, zeigt sich überrascht und enttäuscht.

Martin Knoepfel
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So oder ähnlich könnte es oberhalb von Krinau künftig aussehen. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission ist dagegen.

So oder ähnlich könnte es oberhalb von Krinau künftig aussehen. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission ist dagegen.

Bild: PD

Auf dem Älpli oberhalb von Krinau sind drei Windturbinen geplant. Die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) findet nun, dass das Projekt nicht realisiert werden sollte. Als Grund nennt sie, dass das Projekt die Landschaft zu stark beeinträchtigt. Die Landschaft auf dem Älpli ist im Bundesinventar der Landschaften von nationaler Bedeutung (BLN) aufgeführt. Das Toggenburger Tagblatt fragte Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG, nach seiner Reaktion auf das Gutachten der ENHK. Die Thurwerke sind einer der Träger des Projekts.

Was sagen Sie zum Gutachten der ENHK?

Thomas Grob: Ich bin überrascht und total enttäuscht.

Können Sie die Einschätzung der ENHK nachvollziehen?

Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG

Thomas Grob, Verwaltungsratspräsident der Thurwerke AG

Bild: Beat Lanzendorfer

Die Schlussfolgerung der ENHK ist nicht nachvollziehbar. Im Gutachten finden sich zudem Aussagen, die ganz einfach nicht stimmen. Es ist mir auch klar, dass die ENHK keine Interessenabwägung vornehmen muss, sondern ein Fachgutachten erstattet, aber dieses darf nicht tatsachenwidrig sein. Es ist bekannt, dass die ENHK ein Problem mit der Windenergie hat. Sie hat meines Wissens bisher in der ganzen Schweiz kein Projekt für Windenergieanlagen befürwortet, obwohl das Gesetz den Landschaftsschutz und die Energieproduktion als gleichwertig beurteilt.

Welche Aussagen im Gutachten der ENHK sind Ihrer Ansicht nach sachlich falsch?

Die Aussagen zu den Raufusshühnern stimmen nicht. Es gibt dort keine Population dieser Vogelart. Andere Fachstellen haben das bestätigt. Auch die Sichtbarkeitsanalyse stimmt nicht. Die Windturbinen sind nur von wenigen Prozent des BLN-Gebietes aus sichtbar.

Was sagen Sie zum Vorwurf der Projektgegner, die Ertragserwartungen für die Windturbinen auf dem Älpli seien zu hoch?

Das ist völlig falsch. Die Erwartungen für die Stromproduktion sind durch Berechnungen und durch Windmessungen erhärtet. Zudem lässt die technische Entwicklung eher eine höhere Stromproduktion erwarten als jetzt angegeben.

Gibt es Alternativstandorte für den Windpark?

Nein, es gibt keine Alternativstandorte im Toggenburg. Krinau ist im Toggenburg der beste Standort für Windenergieanlagen. Wir befassen uns nur mit dem Toggenburg. Die Politik fordert ganz abgesehen davon, dass nicht überall Windräder aufgestellt werden, sondern dass diese an wenigen Standorten konzentriert werden.

Machen die Initianten des Windparks oberhalb von Krinau weiter?

Ja, wir machen mit dem Projekt weiter. Wir werden das Gutachten der ENHK mit den Kantons- und Gemeindebehörden analysieren. Wir benötigen jetzt deren Einschätzung.

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