Auch mit verfaulten Holzkugeln kann er etwas anfangen: Marius Jenny zelebriert in der Pensionierung die Kunst mit Holz

Marius Jenny verbringt seine Zeit unter anderem damit, Holzkugeln herzustellen. Obschon er im Toggenburg einst schwierige Zeiten erlebt hat, fühlt er sich heute hier sehr wohl und ist froh, dass er nicht in einer Blockwohnung lebt.

Timon Kobelt
Hören
Drucken
Teilen
Marius Jenny beim Herstellen einer seiner Holzkugeln: In seiner Werkstatt hat er viel Platz und kann sich nach Belieben seinem Hobby widmen. (Bild: Urs Bucher)

Marius Jenny beim Herstellen einer seiner Holzkugeln: In seiner Werkstatt hat er viel Platz und kann sich nach Belieben seinem Hobby widmen. (Bild: Urs Bucher)

Metall ist jenes Material, mit dem sich Marius Jenny während seines Berufslebens zumeist auseinandergesetzt hat. In der Pensionierung hat es ihm jedoch das Holz schwer angetan. Der 69-Jährige, der mit seiner Frau Beatrice in Oberrindal gegenüber der Kapelle wohnt, hat eine Faszination für die Herstellung von grösseren Holzkugeln entwickelt.

Den Anfang dieser Tätigkeit machte ein Besuch am Weihnachtsmarkt im aargauischen Bremgarten, wo Marius Jenny ähnliche Holzkugeln zum ersten Mal erblickte. Was danach mit Pröbeln und Ausprobieren begann, ist längst zu einem glühenden Hobby und einer fixen Struktur in seinem Pensionsalltag geworden. «Mittlerweile bin ich fast ein wenig angefressen», erklärt der gelernte Landmaschinenmechaniker, der mit breitem Fribourg-Dialekt spricht. Er hätte Probleme mit der Pensionierung, wenn er in einer Blockwohnung leben würde. Hier erlaube es ihm der viele Platz, sein Hobby auszuüben. «Ich brauche das Tüfteln und muss sehen, was ich mit meinen Händen gemacht habe. Ich bin Handwerker durch und durch.»

Die Maschine selbst hergestellt

Dies wird klar, wenn man sich vor Augen führt, wie Marius Jenny die Holzkugeln herstellt. Er habe lange überlegt, wie er es anstellen könne. Als er noch bei der TMF Extraktionswerg AG in Bazenheid arbeitete, habe er sich schliesslich selbst einen Apparat nach seinen Vorstellungen zurechtgemacht.

«Schliesslich habe ich den Apparat nach Hause gebracht, einen Klotz eingespannt und es hat geklappt, damit kugelförmige Holzstücke auszufräsen.»

Mit der Zeit seien viele Finessen wie etwa schleifen und reinigen hinzugekommen. Vom Material her komme er mit wenig aus: Eine Motorsäge, diverse Winkelschleifer, eine Bohrmaschine und eine spezielle Bandschleife sind in Marius Jennys Werkstatt zu finden.

Besonders stolz ist der 69-Jährige auf seine erste grosse Kugel. Sie war im Inneren von Fäulnis befallen und deshalb sehr schwammig. «Da war viel feinfühlige Handarbeit mit dem Stechbeutel nötig, um sie auszuhöhlen, aber genau dieser Effekt macht es speziell», sagt der Pensionär.

Beatrice und Marius Jenny präsentieren soltz die erste Kugel, die Marius selber hergestellt hat. (Bild: Urs Bucher)

Beatrice und Marius Jenny präsentieren soltz die erste Kugel, die Marius selber hergestellt hat. (Bild: Urs Bucher)

Die Vielfältigkeit des Holzes fasziniert Marius Jenny. «Wenn sich der Arbeitsprozess dem Ende zuneigt und ich sehe, was im Holz verborgen ist, sind das sehr schöne Momente.» Farbe und Maserung seien nirgends gleich. Eschenholz und Holz von Obstbäumen finde er vom Innenleben her besonders schön. «Die interessantesten Stücke sind diejenigen, bei denen die Baumkrone anfängt. Da der Schreiner diese nicht brauchen kann, bekomme ich sie meistens gratis», erklärt Marius Jenny. Das Holz für seine Arbeiten bezieht er aus der Region.

Von Fribourg nach Oberrindal

Der Mechaniker hingegen stammt nicht aus der Region. Er ist im Kanton Fribourg aufgewachsen, zusammen mit neun Geschwistern. Ehefrau Beatrice absolvierte ausgerechnet in jenem Dorf ein Spitalpraktikum, in dem Marius Jenny seine Kindheit verbracht hat. So haben sich die beiden kennen gelernt. Nach gemeinsamen Jahren in der Westschweiz zogen sie miteinander ins Toggenburg, weil die Eltern von Beatrice froh waren, die Liegenschaft in jüngere Hände übergeben zu können.

«Es war schon ein happiger Bruch. Ich musste mich neu orientieren und mich mit nicht nur lustiger Arbeit über Wasser halten.»

Da in der Baubranche Flaute herrschte, sei er einige Zeit als Bauhandlanger beschäftigt gewesen. Doch nun sei er sehr glücklich. «Hier kann ich mich auch mit meinem Hobby verwirklichen. Da wir genügend Platz haben, kann ich auch gut mal alles liegen lassen, wenn ich gerade keine Lust habe.»

«Es sind alles Unikate»

Bezüglich Vermarktung hegt Marius Jenny keine grossen Ambitionen. Das sei nie im Vordergrund gestanden. «Nur produzieren ist aber auch schade. Daher bieten wir mittlerweile einiges zum Verkauf an», sagt Ehefrau Beatrice. Sie fungiert vor allem als Ideengeberin, als kreative Ader hinter dem handwerklichen Prozess sozusagen. Sie sähen aber bewusst von der Vermarktung über eine Website ab. Ausstellen an Weihnachtsmärkten gehöre aber durchaus zum Plan, da sie mittlerweile auch Objekte, wie Sterne oder Kerzenhalter herstellten, die zum Advent passten. Ihr Angebot sei inzwischen recht saisonal geworden, so Beatrice Jenny.

Die Adventsujets sind in der Pipeline. (Bild: Urs Bucher)

Die Adventsujets sind in der Pipeline. (Bild: Urs Bucher)

Sie zielten vor allem auf Menschen ab, denen schöne Holzsachen am Herzen lägen wie ihnen. «Es sind eigentlich alles Unikate. Aus dem gleichen Stück Holz kann Verschiedenes entstehen, je nachdem, wo man zu arbeiten beginnt.» Marius ergänzt: «Jedes Stück muss speziell sein. Das ist es, was mich fasziniert.» Häufig habe er gar keine genaue Vorstellung vom Endresultat, wenn er mit der Arbeit beginne. Anpassungen und Entwicklungen während des Prozesses machten die Arbeit gerade spannend. «Meter und Massband kommen bei mir nie zum Einsatz.»