Auch Latour konnte nicht helfen

Das Merkur-Lädeli war bei «SRF bi de Lüt – der Problemlöser» zu sehen. Der Grund: Cornelia und Jenny Widler, die den Laden vor rund zwei Jahren übernommen haben, erhofften sich von Problemlöser Hanspeter Latour Ideen. Geholfen hat es nicht und der Laden schliesst im Dezember.

Martina Signer
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Cornelia (links) und Jenny Widler haben ihr Möglichstes getan, um den Merkur-Laden in die schwarzen Zahlen zu bringen.

Cornelia (links) und Jenny Widler haben ihr Möglichstes getan, um den Merkur-Laden in die schwarzen Zahlen zu bringen.

BÜTSCHWIL. «Wie geht es eigentlich dem Merkur-Lädeli nach dem Fernsehauftritt?» Diese Frage dürften sich einige Leute gestellt haben, nachdem sie Cornelia und Tochter Jenny Widler im September bei «SRF bi de Lüt – der Problemlöser» gesehen haben. Die Antwort: «Wir schliessen Ende Jahr.»

Umsatz fiel rasch wieder

Die Freude über den vermeintlich erlösenden Anruf vom Schweizer Fernsehen, dass es die Widlers in die Sendung geschafft haben, ist längst verpufft. Die Ziele von Hanspeter Latour, der als Problemlöser in der Schweiz unterwegs war, konnten nicht erreicht werden. Zwar stieg der Umsatz des Ladens laut Conny Widler mit der Ausstrahlung der TV-Sendung. Doch der Ertrag hielt nicht lange an. «Schon zwei Wochen nach der letzten Sendung fiel der Umsatz wieder zusammen», sagt Conny Widler.

70 Prozent des Mehrumsatzes, der durch die Fernsehsendung entstanden ist, kam von ausserhalb des Kantons St. Gallen. «Wir hatten Besuch aus Zürich, Bern, Luzern und Solothurn.» Diese Kunden sind aber allein auf die Sendung zurückzuführen und konnten Cornelia und Jenny Widler nicht aus der Patsche helfen. Stammkunden hätte es gebraucht. Aus der Region. Doch diese blieben aus.

Einsatz wurde nicht gewürdigt

Wenigstens konnten mit dem Mehrumsatz lang fällige Rechnungen beglichen werden. Eine erste Last wurde den beiden Frauen von den Schultern genommen. «Wir mussten aber einsehen, dass ein Laden wie der unsrige in der Region kein Bedürfnis darstellt», sagt Cornelia Widler. Schliesslich haben sie und ihre Tochter viel getan, um Kunden zu gewinnen. «Aber wenn das Interesse nicht da ist, ist man irgendwann nicht mehr bereit, gratis zu arbeiten», sagt Cornelia Widler.

Denn für Mutter und Tochter ist in den zwei Jahren aus dem Umsatz, den der Laden abwarf, nie ein Lohn entstanden, der ihre Existenz hätte sichern können. Um etwas zu verdienen, mussten sie, nebst ihrer Arbeit für das Merkur-Lädeli, mehrere Putzjobs annehmen. Der Einsatz wurde von den Bütschwilern nicht gewürdigt. Ein wenig Enttäuschung über die fehlende Unterstützung aus dem Dorf ist den beiden schon anzumerken. Sie sind sich einig: «Wir waren stets freundlich und zuvorkommend und haben die Kunden nach ihren individuellen Bedürfnissen bedient.»

Den Schlussstrich gezogen

Schon im August sagte Cornelia Widler, dass die Teilnahme beim «Problemlöser» der letzte Versuch sei, um den Laden in die schwarzen Zahlen zu bringen. Weitere Aspekte gaben dann schliesslich den definitiven Ausschlag, den Laden zu schliessen. «Unser Vermieter will über kurz oder lang diese Liegenschaft verkaufen», sagen die beiden. Er hätte den Widlers aber den Mietzins für die kommenden Monate, bis der Laden ausverkauft gewesen wäre, erlassen.

Für Cornelia Widler keine Option mehr. «Ich wollte jetzt einfach einen Schlussstrich ziehen. Immer, wenn ich am Abend das übriggebliebene Brot für die Schweine in Stücke geschnitten habe, kam es mir vor, als würde ich ihnen mein Gehalt vor die Füsse werfen. Die Last bald ganz verschwunden zu wissen, hat mir und meiner Tochter gut getan», sagt sie, die im August noch fahrig und gestresst wirkte, sich nun aber auf eine neue Zukunft freut.

Denn ihre selbst hergestellten Produkte, die sie schon im Merkur-Lädeli verkauft hat, will sie nun auf dem Hof, den sie zusammen mit ihrem Lebenspartner im Stocken in Ganterschwil bewirtschaftet, verkaufen. «Damit will ich mir keine Existenz aufbauen. Es geht mir hier nicht in erster Linie darum, Geld zu verdienen, sondern um meine Leidenschaft», sagt sie strahlend und bringt ihr neustes Produkt zum Degustieren. Gelée, Sirup, Bretzeli und Co. stellt sie nun nur noch als Hobby her. Und dies ohne den Druck, Kunden zu gewinnen, Miete zu bezahlen, ihrer Tochter einen Lohn zu bezahlen und dann doch nur dank Nebenjobs überleben zu können.

Am 20. Dezember ist das Merkur-Lädeli zum letzten Mal unter der Leitung von Cornelia und Jenny Widler geöffnet. Die beiden wollen dann Danke sagen. Denjenigen Kunden, die sie bis zum Schluss unterstützt haben.

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