Interview

Auboden in Brunnadern wird international – Wirkstatt wird Mutterhaus für UNO-Petition

Die Natur soll lebendes System und nicht nur als Konsumgut anerkannt werden.

Michael Hug
Drucken
Teilen
Der «Mother Earth Day» ist auch ein gemeinsames Fest zu Ehren der Erde. (Bild: PD)

Der «Mother Earth Day» ist auch ein gemeinsames Fest zu Ehren der Erde. (Bild: PD)

Am nächsten Wochenende findet in der Wirkstatt Auboden ein «Mother Earth Day» statt. Zudem hat die internationale Nichtregierungsorganisation (NGO) «Rights of Mother Earth» ihren Hauptsitz im Auboden eingerichtet. Unsere Zeitung sprach mit der diplomierten Umweltberaterin Doris Ragettli, der Gründerin der Mother-Earth-Bewegung.

Was ist der «Mother Earth Day»?

Doris Ragettli: Der «Mother Earth Day» soll uns daran erinnern, dass die Erde allen Lebewesen Leben ermöglicht. Der offizielle «Mother Earth Day» ist am 22. April.

Warum findet dieser Tag in Brunnadern statt?

Die Wirkstatt Auboden wird zum Mutterhaus der weltweiten Bewegung «Rights of Mother Earth».

Was bedeutet das für die Wirkstatt?

Doris Ragettli. (Bild: PD)

Doris Ragettli. (Bild: PD)

Die Wirkstatt ist ein wunderbarer Ort, wo man in Harmonie mit der Natur «wirkt». Sie gibt der Petition Erdung und ein Heim. Umgekehrt gibt die Petition der Wirkstatt ein Utensil, um auch international wirken zu können.

Was möchte die internationale Bewegung «Rights of Mother Earth»?

Die globale Kampagne «Rights of Mother Earth» fordert die Vereinten Nationen auf, die Allgemeine Erklärung der Rechte der Mutter Erde als Ergänzung der Menschenrechtserklärung zu verabschieden. Die Deklaration ruft alle Nationen dazu auf, die Natur als lebendes Wesen anzuerkennen, sie als Quelle des Lebens auf Erden zu ehren und die Natur in ihre Rechtssysteme als eine rechtstragende Eigenschaft einzubeziehen.

Welche Rechte sollten der Natur gewährt werden?

Es geht vor allem darum, dass die Natur als ein lebendes System anerkannt werden soll und nicht nur als ein Konsumgut, als eine Sache, die als Basis für die Wirtschaft genutzt wird. Die Natur kann heute vor Gericht nicht verteidigt werden. Sie soll deshalb Rechtsstatus erhalten.

Unsere heutigen Rechtssysteme gewähren nur Menschen und von Menschen geschaffenen Institutionen wie Konzerne Rechtsstatus.

Was kann mit der Mutter-Erde-Rechtserklärung erreicht werden?

Als eines der Schlüsseldokumente der UNO würde diese Erklärung das nötige globale Engagement liefern, um die heutige menschenzentrierte Weltanschauung, welche die Erde als Ressource für die Menschen ausbeutet, zur erdzentrierten Weltanschauung anzuspornen.

Sie wollen Naturrechte analog zu den Menschenrechten?

Die Programme der Vereinten Nation stützen sich vor allem auf den Schutz und das Wohlergehen der Menschen, basierend auf der Erklärung der Menschenrechte. Was heute fehlt, ist eine Erklärung, welche die Natur als ein lebendiges Wesen anerkennt, mit dem Recht zu existieren, fortzufahren, sich zu erhalten und ihre Lebenszyklen zu regenerieren, anstatt als Eigentum oder Ressource zum Konsum gesehen und behandelt zu werden.

Heute steht es um die Mutter Erde nicht gut, wir alle wissen um den Klimawandel, es ist Zeit, dass wir Menschen heute dasselbe Engagement für die Natur zeigen.

Deshalb bitten wir die UNO um eine Deklaration für die Rechte der Mutter Erde als Ergänzung der Menschenrechtsdeklaration.

Wie kann denn die Natur ihre Rechte einfordern, beziehungsweise durchsetzen?

Sie wird sich von Anwälten, die in ihrem Namen sprechen, vertreten lassen können. Die Natur bekommt so Rechtsstatus vor Gericht. Beispiele gibt es schon, wie der Rio Atrato in Kolumbien und der Whanganuifluss in Neuseeland. Sie haben Rechte zugesprochen erhalten, die sie als Naturgebilde und eigenständiges, lebendiges System anerkennen. Am Anfang sammelten wir auch auf Papier Unterschriften, einmal haben wir das in einer Schule gemacht, da sagten die Kinder ganz entsetzt: «Gibt es denn das noch nicht, eine Deklaration für die Rechte und den Schutz der Mutter Erde?»

Wie kann man sich engagieren?

Unterschreiben Sie die globale Online-Petition. Wir haben bereits über 141'000 Unterschriften beisammen, das Ziel sind 150'000 Unterschriften.

Zeremonie für Mutter Erde

Der «Mother Earth Day» findet am 17. August ab 15.30 Uhr in der Wirkstatt Auboden bei Brunnadern statt. Einige Inhalte sind: Ein Willkommensgruss der Wirkstatt-Gründerinnen Sabina Gränicher und Sandra Neff zur eigenen indigenen Kultur, eine Einführung von Doris Ragettli in die Bewegung «Rights of Mother Earth», eine Zeremonie mit der Maori-Ältesten Erena Rangimarie Rhöse aus Neuseeland sowie Naturjodel mit Thomi Erb und Ruth Felix. Es gibt ausserdem ein Kinderprogramm, vegetarische und vegane Kulinarik aus der Wirkstatt-Küche und am schliesslich Sonntag einen Workshop mit Erena Rangimarie Rhöse, der finnischen Joikerin Elin Teilus und Sandra Neff mit dem Thema «Mother Earth talks Heart to Heart». (mhu)