Atelier experimenteller Inspirationen in der alten Gärtnerei Schneeberger in Ebnat-Kappel

Die drei einheimischen Künstlerinnen Sonja Rüegg, Rosmarie Abderhalden und Helen Lang-Kobelt liessen im Gewächshaus der ehemaligen Gärtnerei Schneeberger in Ebnat-Kappel ihre Kunstwerke spriessen – mit viel Phantasie und Freude am Risiko.

Rolf Hürzeler
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Die drei Künstlerinnen (von links): Rosmarie Abderhalden, Sonja Rüegg und Helen Lang-Kobelt.

Die drei Künstlerinnen (von links): Rosmarie Abderhalden, Sonja Rüegg und Helen Lang-Kobelt.

Rolf Hürzeler

Blaue Pflanzenumrisse leuchten im Innern Gewächshauses an der gläsernen Wand: «Cyanotypie» lautet das etwas befremdliche Zauberwort für die Technik, in der diese kleinformatigen Kunstwerke entstanden sind, die einem gleichzeitig abstrakt und konkret erscheinen. Mit diesem fotografischen Verfahren aus dem 19. Jahrhundert bannte die Künstlerin Helen Lang-Kobelt Pflanzen aus dem Toggenburg auf lichtempfindliches Papier.

Auch Risikoreiches in Angriff genommen

Diese Kunstwerke begrüssten die Besucher gleich beim Eintreten in das Gewächshaus der ehemaligen Gärtnerei Schneeberger mitten in Ebnat-Kappel. Hier hatten die drei Künstlerinnen Sonja Rüegg, Rosmarie Abderhalden und Helen Lang-Kobelt unter dem Titel «Kunsttreibhaus» einen Monat lang freie Bahn, um ihren Inspirationen freie Bahn zu lassen – unter den kritischen Augen der Öffentlichkeit. Was die Gestalterinnen nicht daran hinderte, Risikoreiches in Angriff anzunehmen, das sich in dieser Zeit nicht abschliessend vollenden liess.

Rosmarie Abderhalden.

Rosmarie Abderhalden.

Bild: Rolf Hürzeler

Die drei Frauen hiessen in dieser Zeit mehr als 120 Gäste willkommen, die ihnen bei der Arbeit über die Schulter guckten. Sonja Rüegg ist mit dem Ergebnis zufrieden:

«Viele Einheimische waren begeistert, die frühere Gärtnerei in einem neuen Licht zu sehen.»

«Licht» ist tatsächlich das Stichwort dieses improvisierten Ateliers. Selbst an einem regnerischen Tag lässt die Sonne die Kunstwerke fast magisch erscheinen, zum Beispiel einen lang gezogenen Farbteppich in Grün der Künstlerin Rosmarie Abderhalden.

Sie hat den Stoff in allen Schattierungen bemalt und ihn wie in Trance mit schier unendlich vielen Punkten versehen, die an ein Pflanzbeet mit frisch gestreuten Samen erinnern. Dazu hat sie blaue Quadrate in Ölfarbe gesetzt, die das Licht des Himmels reflektieren.

Pflanzen akustisch zu Wort kommen lassen

Einzelne Projekte erscheinen gewagt, typisch dafür der Entwurf von Sonja Rüegg, eine Hörspielidee grafisch umzusetzen. Sie liess sich von einem süditalienischen Olivenbaum inspirieren, der für sie die Entwurzelung von Migranten symbolisiert.

Helen Lang-Kobelt.

Helen Lang-Kobelt.

Rolf Hürzeler

Sie will ihn dereinst mit anderen exotischen Pflanzen wie dem afrikanischen Baobab akustisch zu Wort kommen lassen. Noch ist nichts zu hören: Rüegg hat jedoch in einem raffinierten Brouillon ihre pflanzlichen Rollenträger unter dem Titel «Ein Hörspiel im Gewächshaus» aufgezeichnet.

Sehr konkret im Vergleich dazu ist eine zweite Arbeit von Sonja Rüegg. Sie nutzte eine undichte Stelle im Dach des Glashauses, durch die Wasser tropft, das einen grossen Baumstrunk aus Lehm mit Nässe versorgt. Tentakelartige Wurzeln winden sich aus der Skulptur, als möchten sie dem Werk den nötigen Halt geben, um auf immer im Gewächshaus zu verweilen.

Sonja Rüeggs Baumstrunk aus Lehm wird mit Wasser versorgt, das durch eine undichte Stelle im Dach tropft.

Sonja Rüeggs Baumstrunk aus Lehm wird mit Wasser versorgt, das durch eine undichte Stelle im Dach tropft.

Das wird leider nicht möglich sein. Ab Samstag wird das Gewächshaus wieder ausschliesslich richtigen Pflanzen dienen, die hier überwintern.