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«... dann stirbt die Hausarztmedizin»: Toggenburger Ärzte sehen bei Schliessung des Spitals Wattwil die Grundversorgung in Gefahr

Die Toggenburger Ärzteschaft macht für den Fall einer Schliessung des Toggenburger Standorts eine düstere Prognose. Der Präsident des Ärztevereins will für das Spital kämpfen.
Ruben Schönenberger
Von der Schliessung bedroht: das Spital Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

Von der Schliessung bedroht: das Spital Wattwil. (Bild: Mareycke Frehner)

Es dürfte hitzig werden, wenn am Mittwoch im Wattwiler «Thurpark» über die Zukunft der St.Galler Spitäler diskutiert wird. Seit der Verwaltungsrat der St.Galler Spitalverbunde Ende Mai ein Grobkonzept präsentiert hat, das eine Reduktion der kantonalen Spitalstandorte fordert, bangt das Thur- und Neckertal um sein Spital in Wattwil.

Mehrere Vereine und Parteien riefen ihre Mitglieder auf, am sogenannten Bevölkerungsgespräch teilzunehmen. Im Wattwiler Zentrum machen Plakate auf den Anlass aufmerksam.

Uwe Hauswirth, Präsident Toggenburger Ärzteverein. (Bild: Ruben Schönenberger)

Uwe Hauswirth, Präsident Toggenburger Ärzteverein. (Bild: Ruben Schönenberger)

Im Vorfeld dieses Gesprächs wandten sich auch die Toggenburger Ärzte an die Öffentlichkeit und sprachen sich gegen eine Schliessung des Spitals aus. Dabei gehe es nicht um persönliche Gründe, denn nicht für alle Ärzte sei ein Spital in der Nähe gleich bedeutend, sagt Uwe Hauswirth, Präsident des Toggenburger Ärztevereins. «Aber alle Ärzte zeigen sich in dieser Frage solidarisch, weil die Konsequenzen offensichtlich sind.»

Hausärzte finden nur mit Mühe einen Nachfolger

Gemeint sind damit vor allem die Konsequenzen für die Grundversorgung des Toggenburgs. Denn Hauswirt ist überzeugt:

«Schliesst das Spital Wattwil, stirbt die Hausarztmedizin im Toggenburg.»

Schon jetzt habe das Thur- und Neckertal Probleme, genügend Hausärzte zu finden. «Die Region ist für junge Ärzte nicht sonderlich attraktiv», sagt Hauswirth. Wer seine Praxis altershalber schliesst, fände deshalb nur mit Mühe einen Nachfolger, wenn überhaupt. Und ins Pensionsalter kommen in den nächsten Jahren einige Hausärzte der Region.«In sechs Jahren sind nur noch zehn Hausärzte jünger als 60 Jahre.» Diese Grenze ist deshalb bedeutend, weil ab diesem Alter keine gesetzliche Verpflichtung mehr besteht, Notfalldienst zu leisten.

«Heute müssen im Toggenburg aber auch Hausärzte über 60 Jahre zwangsläufig Notfalldienst leisten, um die Versorgung zu gewährleisten.»

Schon jetzt kann deshalb der Notfalldienst ab 22 Uhr an den Spital abgetreten werden. Mit der dritten und vierten Bauphase des Spitalneu- beziehungsweise -umbaus hätten die Strukturen weiter professionalisiert und damit die Attraktivität der Region gesteigert werden sollen. In einer sogenannten Integrierten Notfallpraxis (INP), wie sie am Spital Wil bereits Tatsache ist, wäre der Notfalldienst leistende Hausarzt direkt vor Ort. Er übernähme den Erstkontakt und damit auch die Triage. Damit würde auch gleich das Problem entschärft, dass sich die eigentliche Notfallstation des Spitals um Bagatellfälle kümmern muss.

Aus zwei Dienstkreisen könnte einer werden

Dank der zentralen Lage im Toggenburg könnten auch die bisherigen zwei Notfalldienstkreise Ober- und Untertoggenburg zusammengelegt werden, wodurch die Anzahl zu leistender Dienste pro Arzt verringert würde. Die Hausärzte würden aber nicht nur von dieser Reduktion und von den Strukturen des Spitals profitieren, sondern könnten auch Kontakte zu Nachwuchsmedizinern schliessen, die dereinst vielleicht sogar für eine Praxisübernahme in Frage kämen.

«Der Kanton will mit dem Medical Master an der Universität St.Gallen die Ausbildung von Ärzten fördern. Es ist gewünscht, dass das dezentral passiert. Dafür braucht es aber ein Spital in der Region», sagt Hauswirth. «Und schliesslich erhält das Spital Wattwil immer ausgezeichnete Beurteilungen als Ausbildungsstätte.»

Wattwils Lage ist speziell

Dass der Kanton St.Gallen insgesamt über zu viele Spitäler verfügt, sieht auch Hauswirth so. Der medizinische Fortschritt, die zunehmende ambulante Versorgung und auch die Spezialisierung der Medizin führe dazu, dass immer weniger stationäre Betten benötigt werden. Eine Schliessung des Toggenburger Standorts kommt für ihn aber nicht in Frage. «Wattwil hat durch die Lage eine Sonderstellung», ist Hauswirth überzeugt. Hier lägen andere Spitäler deutlich weiter weg als an anderen Spitalstandorten. Dieses Argument hatte auch der Förderverein Regionalspital Toggenburg vor rund fünf Monaten ins Feld geführt.

Zudem hätte man in Wattwil bereits einen Teil der geplanten Bauten realisiert. «Und dabei hat man nicht gespart», sagt Hauswirth. Die Infrastruktur sei topmodern. «Dafür wurde Steuergeld verwendet, also sollte man sie jetzt auch nutzen.» Ironischerweise sind nach Ansicht von Hauswirth just diese Neubauten ein Grund für das schlechte wirtschaftliche Abschneiden des Spitals.

«Egal, wie erfolgreich das Spital ist, die Abschreibungen verunmöglichen das Erreichen der geforderten Marge.»

Mittelwege sind möglich

Hauswirth sieht aber auch mögliche Mittelwege. «Eine Geriatrie wäre denkbar. Oder auch die Übernahme wiederkehrender Operationen von anderen Standorten.» Einem ergebnisoffenen Prozess will er daher nicht im Wege stehen. Er bemängelt aber, dass der Verwaltungsrat der Spitalverbunde nur vorgebe, einen solchen zu führen. «Es läuft alles auf die Vier-Standort-Lösung raus.» Mit der Denkpause in Wattwil – «es ist in Wirklichkeit ein Baustopp» – würden Fakten geschaffen.

Deshalb hätte sich der Ärzteverein öffentlich geäussert. «Jetzt müssen wir kämpfen und schauen, was sich erreichen lässt.»

Verfolgen Sie ab 19.15 Uhr im Liveticker auf dieser Webseite, wie hitzig das Bevölkerungsgespräch wird.

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