Arbeiten und Wohnen: Es gibt viel Leben in der ehemaligen Weberei von Meyer-Mayor in Neu St.Johann

Das Interesse am Tag der offenen Tür im Gewerbepark «zur alten Weberei» in Neu St.Johann war gross. Vor allem das Projekt für die Zukunft überraschte.

Sabine Camedda
Drucken
Teilen
André Meyer (zweiter von rechts) stellt am Modell die Pläne fürs «Wohnen zur alten Weberei» vor. (Bild: Sabine Camedda)

André Meyer (zweiter von rechts) stellt am Modell die Pläne fürs «Wohnen zur alten Weberei» vor. (Bild: Sabine Camedda)

Der Name Meyer-Mayor ist eng mit dem Dorf Neu St.Johann verbunden. Die Weberei ist mittlerweile zwar geschlossen, André Meyer will die alten Gebäude, die dominant an der Hauptstrasse stehen, aber nicht verkommen lassen.

Mit seiner Immobilienfirma MM-Immobilen betreibt er den Gewerbepark «zur alten Weberei» und bietet dort unter anderem Jungunternehmern Platz für ihre Geschäftstätigkeit. Ein Coworking-Space ist am Entstehen, es gibt Ateliers und zudem hat es noch Raum für weitere Aktivitäten.

Fertigungshalle, Lager, Druckerei und Ateliers

Wer sich auf den Rundgang durch den Gewerbepark «zur alten Weberei» machte, war gut beraten, den Lageplan mitzunehmen. Dieser führte die Besucher anhand eines roten Fadens durch das weitläufige und verzweigte Fabrikgebäude der ehemaligen Weberei.

Eine Treppe hinauf, durch eine Besprechungszimmer – und man war im Coworking angekommen. Es sei noch wenig bekannt und es gebe freie Arbeitsplätze, war zu vernehmen. Wer sich aber bereits eingemietet hat, sprach positiv von der guten Infrastruktur und von den Möglichkeiten zum Austausch mit anderen, teils branchenfremden, Fachkräften.

Treppe hinauf, vorbei an einem weiteren Besprechungszimmer, trat man in ein Nähatelier. Martina Meyer designt und fabriziert unter dem Label Mena Mano Taschen. Gleich daneben tat sich ein grosser Raum auf, der vielseitig genutzt werden könnte.

Ein Hobbyraum, ein weiteres Atelier, eine Modelleisenbahn oder ein Lager – der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Dem roten Faden folgend die Treppe runter ging es in die Räumlichkeiten der Playlight Licht- und Tontechnik, die ihre Dienstleistungen vorstellte.

Auf der anderen Seite des Korridors ist die ehemalige Betriebskantine, die zum Bistro umfunktioniert wurde. Es dient unter anderem als Pausenraum für die Mitarbeiter der Unternehmen. Im nächsten Korridor war Toni Keller von Holzeisendesign anzutreffen. Er nutze das ehemalige Fabrikgebäude, um seine in Ebnat-Kappel fabrizierte Möbel zu fotografieren, erklärte er.

Gleich daneben zeigte Matthias Meyer seine Metallbaufirma. Noch einmal führte der Weg die Treppe hinunter zu Franz Schiepeck, der mit alten und neuen Maschinen Premium Druckprodukte herstellt. Abgeschlossen wurde der Rundgang im Fabrikladen «zur alten Weberei». (sas)

«Ich wollte der Bevölkerung zeigen, dass in den alten Gebäuden etwas passiert und habe darum zum Tag der offenen Tür geladen», sagt André Meyer. Damit weckte er grosses Interesse bei der Bevölkerung. Zahlreich kamen sie am Samstag und besichtigten entlang eines roten Fadens den Gewerbepark.

Grosse Pläne mit Wohnungen und Gewerberäumen

André Meyer hat aber noch andere Pläne für das ehemalige Fabrikareal: Es sollen dort Wohn- und Geschäftsräume entstehen. Zusammen mit der Relesta als Generalunternehmerin wurden in einem Wettbewerb drei Architekturbüros mit einer Projektstudie beauftragt. Das Siegerprojekt wurde am Samstag erstmals vorgestellt.

Hinter der Brauerei, wo heute die Turnhalle, ein Schopf und ein Einfamilienhaus stehen, sollen bis zu 33 Eigentumswohnungen gebaut werden. Das Gebäude des heutigen Gewerbeparks «zur alten Weberei» soll möglichst unverändert bleiben. Daneben, talabwärts, könnte ein weiteres Gebäude mit 17 Mietwohnungen und Gewerberäumlichkeiten entstehen.

Im Gespräch ist zudem, dass ein Detaillist einen Teil der Gewerbefläche beanspruchen würde. Wie André Meyer betonte, hat die Migros Interesse bekundet. Es sei aber noch nichts fest abgemacht worden.

Die neuen Gebäude passen in die Umgebung hinein

Roman Giuliani vom Architekturbüro Moos, Giuliani, Herrmann, das den Wettbewerb gewonnen hat, führte aus, dass sie in ihrer Idee entlang der Toggenburger Strasse einzelne Gebäude sehen würden. So entspreche das Aussehen der neuen Überbauung dem Stil, der sich heute präsentiert. Im Innern des Gebäudes werde hingegen verdichtet gebaut.

«Das Areal soll leben», wünscht sich André Meyer. So sollen die Autos der Bewohner, die Lastwagen für die Zulieferung der Betriebe sowie die Autos der Kunden des Detaillisten über den Fabrikhof zwischen der Brauerei und dem alten Fabrikgebäude fahren. Mit einer Brücke über die Luteren soll das Areal in Richtung Bahnhof erschlossen werden.

Realisierung wird nun vorangetrieben

André Meyer und Roman Giuliani sagten, dass die Vorarbeiten für die Umsetzung nun beginnen. Als Erstes müsse das Areal von der Industrie- in die Wohn- und Gewerbezone umgezont werden. Ist dies gemacht, werden die weiteren Vorbereitungsarbeiten an die Hand genommen werden.

Bezüglich eines Termins für den Baubeginn und die Fertigstellung blieben André Meyer und Roman Giuliani vage. Wenn alles reibungslos läuft, können vielleicht im Jahr 2023 mit dem Bau begonnen werden, sagten sie. Der Architekt wies darauf hin, dass nahezu alle Gebäude für sich stehen. So könne die schrittweise Umsetzung ganz unterschiedlich und je nach Bedürfnis sehr flexibel bestimmt werden.

Die Pläne stiessen bei den Besuchern des Tages der offenen Tür auf helle Begeisterung. Interessiert liessen sich das Projekt detailliert erklären und stellten André Meyer und Roman Giuliani Fragen.