Arbeiten ist nur am Seil möglich: SOB entfernt Sträucher entlang der Schienen

Regelmässig lässt die Südostbahn Sträucher an Felsböschungen zurückschneiden. Zudem werden lose Steine entfernt. Letzte und noch diese Woche ist ein Einschnitt bei Hoffeld an der Reihe.

Martin Knoepfel
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Mitarbeiter der SOB arbeiten im Bahneinschnitt östlich der Strasse Hoffeld-Ebersol. Im Hintergrund ist der 159 Meter lange Waldbachviadukt erkennbar. (Bild: Martin Knoepfel)

Mitarbeiter der SOB arbeiten im Bahneinschnitt östlich der Strasse Hoffeld-Ebersol. Im Hintergrund ist der 159 Meter lange Waldbachviadukt erkennbar. (Bild: Martin Knoepfel)

Menschen in orangefarbener Bekleidung und mit Visierhelmen auf den Köpfen klettern an der Böschung bei Hoffeld hinauf oder hinab. Sie hantieren mit Motorsägen. Sie tragen Klettergurte und sind mit Seilen gesichert. Oberhalb der Böschung und neben den Schienen liegen abgeschnittene Stauden im Einschnitt. Auf der anderen Seite sieht man die schon kahle Böschung.

Die Mauer westlich der Brücke der Strasse nach Ebersol ist bereits von Sträuchern befreit. Das weisse Vlies schützt den Schotter vor Verschmutzung. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Mauer westlich der Brücke der Strasse nach Ebersol ist bereits von Sträuchern befreit. Das weisse Vlies schützt den Schotter vor Verschmutzung. (Bild: Martin Knoepfel)

Plötzlich ertönt eine Sirene. Kurz darauf rauscht ein Triebwagen mit einer Geschwindigkeit von rund 85 Kilometern pro Stunde vorbei. Seit Beginn der letzten Woche befreit ein Team der Südostbahn (SOB) den Einschnitt westlich des Waldbachviadukts von den Sträuchern und Büschen, die dort wachsen. Die SOB muss zwischen Herisau und Nesslau-Neu St.Johann rund 50 Felsböschungen aus Sicherheitsgründen alle vier Jahre vom Bewuchs säubern. Der Einschnitt westlich des Waldbachviadukts bei Hoffeld ist mit 180 Meter der längste auf dem Netz.

Es gelte zu verhindern, dass Äste die Fahrleitung berührten oder in den Raum ragten, in dem Züge fahren. Zudem dürften keine losen Steine auf die Schienen fallen, erklärt Projektleiter Daniel Schuler. Deshalb werden die Wände nach dem Zurückschneiden der Sträucher abgeklopft. Lose Steine müssen entfernt werden. Wenn es sich um grössere Brocken handelt, muss die Strecke dazu gesperrt werden. Rodungsarbeiten und Felskontrolle erfolgen meist im Herbst.

Nur drei dürfen im Einschnitt arbeiten

Das Team umfasst sechs Mann der Abteilung Ausführung Fahrbahn Herisau. Drei arbeiten am Seil. Sie sind die einzigen Mitarbeiter der SOB, die das dürfen, denn sie haben erfolgreich entsprechende Schulungen des schweizerischen Bergführerverbandes absolviert. Zwei Mann räumen auf dem Boden des Einschnitts die herabgeworfenen Äste auf die Seite. Einer – er trägt eine weisse Kappe und darf nur zuschauen – ist der Sicherheitswächter. Wenn das Warnsignal ertönt, haben die Arbeiter unten im Einschnitt maximal 40 Sekunden, um von den Schienen wegzukommen. Früher wurden solche Arbeiten extern vergeben. Jetzt besorgen das erstmals Mitarbeiter der SOB. Man sei nun flexibler und gewinne Know-how, sagen die Vertreter der Bahn.

Die Risiken bestünden vor allem darin, abzustürzen, vom Zug erfasst zu werden oder die Fahrleitung zu berühren, die natürlich unter Strom steht. Eine Rettung aus dem Einschnitt würde deshalb nach oben erfolgen, sagt Andreas Brunner. Er ist Mitarbeiter der SOB und für das Sicherheitskonzept bei diesen Arbeiten verantwortlich. Abgeschnittene Äste würden wenn möglich nach oben gebracht oder sonst aus Sicherheitsgründen einzeln hinabgeworfen. Bisher gab es laut SOB keine Zwischenfälle.

Daniel Schuler zeigt die Sicherungsseile, die von den Betonpfosten des Zauns zu den Rasenankern führen. (Bild: Martin Knoepfel)

Daniel Schuler zeigt die Sicherungsseile, die von den Betonpfosten des Zauns zu den Rasenankern führen. (Bild: Martin Knoepfel)

Über eine steile Böschung geht’s zur Wiese oberhalb des Einschnitts. Die SOB-Vertreter wollen die Rasenanker zeigen. Das sind rund zwei Zentimeter dicke Stahlstäbe, die in die Erde gerammt wurden. Die Sicherungsseile der Arbeiter sind an den Betonpfosten des Zauns oberhalb des Einschnitts verankert. Von diesen Betonpfosten wurden weitere Sicherungsseile zu den Rasenankern gespannt.