Annouk Erni von Raiffeisen Volley Toggenburg: «Ich möchte Profivolleyballerin werden»

Die 16-Jährige Lichtensteigerin ist vom Internet-Portal Volley1 zur besten Nachwuchsvolleyballerin der Schweiz gewählt worden.

Beat Lanzendorfer
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Annouk Erni ist am letzten Samstag zur schweizweit besten Nachwuchsspielerin gekürt worden. Über die Auszeichnung freuen sich auch ihre Eltern Marcel und Xiao Erni-Zhang.

Annouk Erni ist am letzten Samstag zur schweizweit besten Nachwuchsspielerin gekürt worden. Über die Auszeichnung freuen sich auch ihre Eltern Marcel und Xiao Erni-Zhang.

Bild: Beat Lanzendorfer

Der Award «Rookie of the year» soll aber lediglich eine Zwischenstation auf dem Weg zu weiteren Erfolgen sein. Die 16-Jährige in Diensten von Raiffeisen Volley Toggenburg träumt von einer Karriere als Profisportlerin.

Yangyang ist der zweite Vorname von Annouk Erni. Er kommt aus dem Chinesischen und heisst übersetzt Sonnenstrahl. Als Sonnenstrahl hat sich die junge Volleyballerin auch während der Award-Übergabe am letzten Samstag im Anschluss an das Spiel gegen Genève Volley gefühlt.

Annouk Erni, Raiffeisen Volley Toggenburg, macht am Netz einen Punkt.

Annouk Erni, Raiffeisen Volley Toggenburg, macht am Netz einen Punkt.

Bild: Beat Lanzendorfer

«Ich war schon überrascht, dass ausgerechnet ich dafür ausgewählt worden bin.» Ganz so abwegig war die Auszeichnung aber nicht. Sie ist schweizweit die Einzige, die in ihrem Alter zu regelmässigen Einsätzen in der Nationalliga A kommt.

Ein China-Aufenthalt gab den Ausschlag

Die Leidenschaft zum Volleyball kommt nicht von ungefähr. «Wenn ich ein paar Tage keinen Volleyball in der Hand habe, fehlt mir etwas.» Wer als Tochter von Marcel und Xiao Erni-Zhang das Licht der Welt erblickt, kommt unweigerlich mit der Sportart in Kontakt. Der 53-jährige Marcel ist seit Jahrzehnten Trainer von Volley Toggenburg, die drei Jahre jüngere Xiao gehörte 1991 dem chinesischen Nationalteam an, das die Asienmeisterschaft gewann.

Vier Jahre später kam sie in die Schweiz und trug massgeblich dazu bei, dass der Schweizer Meistertitel 1998 und 1999 ins Toggenburg ging. Dass sie in ihrer alten Heimat immer noch Beachtung findet, erfuhr sie erst kürzlich. Als ihr Name bei einem Spiel von Volley Toggenburg auf der Mannschaftsliste stand, war dies einem chinesischen Internet-Portal eine längere Geschichte wert.

Von Geburt weg in der Halle

Tochter Annouk (Jahrgang 2003) begann mit acht die Bälle bei Volley Toggenburg übers Netz zu schlagen. «In der Halle war ich aber bereits von der Geburt weg», sagt sie lachend. Ihr Talent blieb nicht verborgen. Mit elf hatte sie bereits Einsätze im U23-Team (2. Stärkeklasse).

So richtig Lust auf mehr bekam sie im Jahre 2016 während eines China-Aufenthaltes mit ihrer Familie.

«Ich durfte bei einer Kollegin meiner Mutter mittrainieren. Sie betreut die besten Juniorinnen der Provinz Hebei. Während diesen zwei Wochen machte ich riesige Fortschritte. Das Training hat mir grossen Spass bereitet.»
Voller Konzentration vor dem nächsten Ballwechsel.

Voller Konzentration vor dem nächsten Ballwechsel. 

Bild: Beat Lanzendorfer

Zurück in der Schweiz liess das Aufgebot für die U15-Regionalauswahl der Nordostschweiz nicht lange auf sich warten. Der vorläufige Höhepunkt erfolgte im Dezember des letzten Jahres. Seit den Selektionstrainings im solothurnischen Schönenwerd gehört die 178 Zentimeter grosse Volleyballerin dem Kader der U19-Nationalmannschaft an. In diesem Tempo soll es weitergehen.

EM-Qualifikation steht an 

«Vom 17. bis 22. April findet in Rumänien die EM-Qualifikation statt, dort möchte ich unbedingt dabei sein.» Die Schweiz gehöre der Gruppe mit Russland, Rumänien und Dänemark an und gehe als Aussenseiter an den Start. Sollte die Überraschung gelingen, müsste sich Annouk Erni den Sommer für die Europameisterschaften freihalten.

«Der Weg dorthin ist aber beschwerlich, in Rumänien qualifiziert sich lediglich der Gruppensieger für das Endturnier. Die Gruppenzweiten sowie die besten Gruppendritten können sich über eine Zusatzschlaufe die Teilnahme ebenfalls noch sichern.»

Zurzeit besucht Annouk Erni die United school of sports in St.Gallen und absolviert während vier Jahren eine kaufmännische Ausbildung. Anschliessend möchte sie noch die Berufsmittelschule anhängen, um sich die Option für ein Studium offen zu halten.

China oder die USA im Hinterkopf

«Danach würde ich gerne nach China oder in die USA gehen, um im Volleyball noch einen Schritt vorwärts zu kommen.» Sprachlich bringt sie die Voraussetzungen mit. Englisch lernt sie in der Schule, Mandarin, die geläufigste Sprache in China, spricht sie mit ihrer Mutter, die nach 25 Jahren im Toggenburg den hiesigen Dialekt ausgezeichnet beherrscht.

Einmal als Profisportlerin leben zu können, wäre der grosse Traum von Annouk Erni. Dafür nimmt sie einiges in Kauf. Wöchentlich bestreitet sie neun bis zehn Trainingseinheiten. Nebst drei Teamtrainings kommen drei individuelle Einheiten und zwei Krafttrainings hinzu. Dazu hat sie die Möglichkeit, zweimal wöchentlich jeweils am Morgen im Athletikzentrum in St.Gallen zu trainieren.

Zuerst müssen die individuellen Pläne von Annouk Erni aber hintenanstehen. Vorerst gilt es den Platz von Volley Toggenburg in der Nationalliga A zu verteidigen. Falls dies gegen Genève Volley nicht gelingt, bietet sich in den Auf-/Abstiegssspielen gegen einen oder zwei Vertreter aus der Nationalliga B die Möglichkeit, den Platz in der obersten Liga zu behalten.

Hier geht es zum Playout-Spielplan zwischen Genève Volley und Volley Toggenburg.

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