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«Angelogen und diffamiert» – SVP Wattwil kritisiert Spital-Lenkungsausschuss massiv

Der Standort Wattwil solle ausgehungert werden. Regierungsrätin und Spital-CEO wehren sich gegen die massive Kritik in einem offenen Brief der SVP Wattwil.
Ruben Schönenberger
Regierungsrat Marc Mächler, Regierungsrätin Heidi Hanselmann, CEO René Fiechter und Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser (von links) eröffnen am 2. Juni den neuen Trakt am Spital Wattwil. Kurz zuvor wurde bekannt, dass dem Spital Ungemach droht. (Bild: Ralph Ribi)

Regierungsrat Marc Mächler, Regierungsrätin Heidi Hanselmann, CEO René Fiechter und Verwaltungsratspräsident Felix Sennhauser (von links) eröffnen am 2. Juni den neuen Trakt am Spital Wattwil. Kurz zuvor wurde bekannt, dass dem Spital Ungemach droht. (Bild: Ralph Ribi)

Zum bisher letzten Mal kochten die Emotionen in der Spitaldebatte Ende November hoch. Beim Bevölkerungsgespräch versuchte der von der Regierung eingesetzte Lenkungsausschuss, seine Argumente darzulegen. Ohne grossen Erfolg. Die Stimmung in Wattwil war eindeutig: Das Toggenburg steht für sein Spital ein. Und wenn es sein muss auch auf.

In der Zwischenzeit und über die Feiertage schien die Diskussion etwas abgeflaut zu sein. Das dürfte sich schon bald wieder ändern. Am 23. Januar findet ein weiteres Bevölkerungsgespräch statt, dieses Mal in Altstätten. Also in einem Ort, dem ebenfalls die Schliessung eines Spitals droht.

Nur Marc Mächler sei aufrichtig gewesen

Aber auch im Toggenburg ist die Diskussion noch nicht versandet. Die Wattwiler Ortspartei der SVP wandte sich diese Woche per offenem Brief an den Lenkungsausschuss. Darin zu lesen ist unter anderem, dass man am Bevölkerungsgespräch angelogen, gering geschätzt und teilweise diffamiert worden sei. Einzig Regierungsrat Marc Mächler sei aufrichtig und ehrlich gewesen.

Regierungsrätin Heidi Hanselmann wehrt sich. Man habe mit der Bevölkerung ins Gespräch kommen wollen, um aufzuzeigen, was sich in den letzten Jahren alles verändert habe. «Diese Informationen wollte der Lenkungsausschuss den Toggenburgerinnen und Toggenburgern mit Respekt und ohne Geringschätzung vermitteln.» Die Partei wirft dem Verwaltungsrat weiter vor, Fakten zu schaffen, anstatt sich an den Volksentscheid von 2014 zu halten, mit dem unter anderem das Wattwiler Bauprojekt gutgeheissen wurde. So wolle man das Spital Wattwil aushungern. Die SVP listet auf:

«Die Geburtenabteilung weg, Ärzte abgezogen, Notfalloperationen nach Wil verlegt, Ausbau von Wil für 160 Millionen oder mehr geplant.»

Geburtenabteilung ist schon seit 2006 geschlossen

René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland Toggenburg (SRFT) verneint das.

«Es wurden in den vergangenen Jahren keine Abteilungen von Wattwil nach Wil verschoben.»

Die Geburtenabteilung sei bereits 2006 geschlossen worden. Im Gegenzug seien die Akutgeriatrie ausgebaut und die Anzahl der Plätze in der stationären Alkoholkurzzeittherapie gar verdoppelt worden. «Neu organisiert wurde die Handhabung der Notfalloperationen», sagt Fiechter aber. Seit April des letzten Jahres würden Notfalloperationen abends und nachts nicht mehr in Wattwil durchgeführt. Dieses Konzept soll ab April ausgedehnt werden. «Im Gegenzug werden bereits seit dieser Woche Patienten mit Indikationen für einen stationären Aufenthalt auf der Akutgeriatrie von der Notfallstation Wil direkt nach Wattwil gebracht», ergänzt Fiechter.

Dass das Spital Wattwil ausgehungert werden soll, macht die SVP Wattwil auch an den Landungen von Rega-Helikoptern fest. Seit drei oder vier Monaten sei nie mehr ein Rega-Helikopter gelandet, mit einer Ausnahme. Früher sei das beinahe täglich der Fall gewesen. Diese Flüge gingen heute nach Wil, vermutet die Partei. Auch hier widerspricht Fiechter. Die Rega sei 2016 22 Mal, 2017 32 Mal und im letzten Jahr 23 Mal beim Spital Wattwil gelandet. Die Verteilung über die einzelnen Monate sei sehr unregelmässig. «So kann es beispielsweise vorkommen, dass die Rega das Spital in einem Monat vier Mal anfliegt, danach während mehrerer Monate nicht mehr.» Die Anzahl der Rega-Anflüge lasse sowieso keine Rückschlüsse auf die Anzahl Patienten zu. Zudem werde das Spital Wil noch seltener angeflogen. In den letzten drei Jahren bewegte sich die Anzahl der Landungen zwischen vier und acht.

Keine Toggenburger in den Gremien

Die SVP Wattwil ist dennoch sicher, dass der Verwaltungsrat seine Kompetenzen überschreite. Das tue er, wenn er einen Baustopp verhänge. «Dazu braucht es eine neue Volksabstimmung», sagt die Partei. Als Grund für die fehlende Beachtung des Standorts Wattwil ortet die SVP unter anderem die Zusammensetzung des Verwaltungsrats der Spitalverbunde, in dem neun Personen aus den Kantonen St.Gallen, Zug, Aargau und Bern sässen, sowie in jener der Geschäftsleitung der Spitalregion Fürstenland Toggenburg, in der sechs Personen aus den Kantonen St.Gallen und Zürich sässen.

In beiden Gremien sei kein Toggenburger zu finden. «Aus dieser Zusammensetzung heraus ist es natürlich erklärbar, dass solche Entscheide, weit entfernt vom Volksentscheid, zustande kamen», so die Partei. Regierungsrätin Hanselmann sieht keinen Zusammenhang. Bis im Mai 2018 sei während zehn Jahren eine Vertreterin des Toggenburgs im Verwaltungsrat eingesessen. Der Rat würde aber sowieso fachlich und nicht politisch zusammengesetzt.

Eher Wil statt Wattwil schliessen

Das Schreiben enthält auch zwei sehr direkte Forderungen. Gemäss SVP Wattwil stünden höchstens die Standorte Wil, Flawil, Rorschach und Walenstadt zu Diskussion. Die anderen seien im Investitionspaket enthalten gewesen, über das 2014 abgestimmt wurde. Zudem verlangt die Partei die Jahresrechnungen der Spitalregionen und der einzelnen Spitäler und bezieht sich dabei auf das Öffentlichkeitsprinzip. «Die Geheimniskrämerei muss aufhören», fordert die Partei. Dass die Wattwiler Rechnung schlecht ausfalle, habe auch mit der Bauphase zu tun, die nun mal Lärm und Störungen verursache. Dass dann auch noch Abschreibungen dazukämen, sei klar. «Das weiss man vorher», schreibt die SVP Wattwil.

Regierungsrätin Hanselmann lässt noch offen, wie sie auf das Schreiben reagiert.

«Der offene Brief wurde uns am Montagnachmittag zugestellt. Wir werden ihn im Lenkungsausschuss besprechen.»

Offener Brief

Der offene Brief ist unter www.svp-toggenburg.ch in voller Länge zu lesen.

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