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«Anderscht» stürmt vierhämmrig durch die Weltmusik

Das Trio «Anderscht» spielte am Samstagabend in der Wirkstatt Auboden.
Michael Hug
Hackbrettmusik 3.0: Fredi Zuberbühler, Roland Christen und Andrea Kind. (Bild: Michael Hug)

Hackbrettmusik 3.0: Fredi Zuberbühler, Roland Christen und Andrea Kind. (Bild: Michael Hug)

«Doch doch, wir kennen sie von früher», sagten zwei Zuschauende beim Apéro vor dem Konzert. Früher – lange ist es her, dass «Anderscht», das etwas andere Hackbretttrio, im Neckertal gespielt hat. Das meinte selbst Fredi Zuberbühler, der Appenzeller im Trio: «Gut, wieder mal hier zu sein.» Offenbar noch ganz viele Fans haben Anderscht nicht vergessen. Rund 120 Besuchende wollten das Konzert in der Wirkstatt Auboden am Samstagabend erleben. Für die Wirkstatt und für ihren Förderverein, der das Konzert organisiert hat, war das ein grosser Erfolg. Man möchte solche Konzerte öfter mal machen, sagt der Förderverein.

Fredi Zuberbühler, der Appenzeller, Andrea Kind, die Rheintalerin, und Roland Christen, der St.Galler sind Anderscht. Zwei Hackbretter, ein Kontrabass. Aus Walzenhausen, Bergell und Degersheim kommen sie, vor exakt 15 Jahren haben sich Zuberbühler und Kind gefunden und sogleich ein Hackbrettduo mit Kontrabass gegründet. Man wusste von Anfang an, was man wollte: Hackbrettmusik anders spielen, eben «anderscht». Nicht so wie es alle tun im Land. Man baute sich technisch sophistizierte, fünfoktavige Konzerthackbretter und wagte sich mit Eigenkompositionen und neu arrangiertem Material weit über den Tellerrand der traditionellen Volksmusik hinaus.

Anderscht holte die traditionelle Ostschweizer Hackbrettmusik ins Boot der Welt-Volksmusik, gab ihr neue, progerssive Impulse. Hackbrettmusik 3.0. Noch immer sind Kind, die ausgebildete Musikerin, Zuberbühler, das Naturtalent und Christen, der Jazzer, mit Anderscht ein Unikum in der Musikszene. Zuberbühler tritt stets im «Hees» und barfuss auf, Kind immer im Zigeuner-Outfit, Christen in dezentem Schwarz.

Nichts verhunzt, alles entfesselt

Davon wird nicht abgewichen. Dies bewiesen die drei auch am Samstagabend aufs Neue. Ihre Titel hiessen vorne «Libertango», hinten kam Astor Piazzollas verhackbrettelter Ur-Tango heraus. Oder «Air» von Johann Sebastian Bach: Ebenso schön schwebend melancholisch wie der Meister es dereinst komponiert hat, aber gehämmert statt durch Orgelpfeifen geblasen. Auch der «Blumenstrauss»: Drei Walzermelodien von Johann Strauss’ Sohn, neu im Meddley arrangiert von Andrea Kind. Man möchte grad das Tanzbein schwingen. Daran sah man auch: Nichts ist den Dreien heilig genug, um nicht neu interpretiert auf dem Hackbrett gespielt zu werden. Walzer, Tango, Jazz, Blues, Pop, Samba und Appenzeller Zäuerli. Bei jedem Stück wechselten Stil und Tonart, Tempo und Stimmung.

Ebenso quer durchs Beet die Komponisten: Walter Alder, Johann Sebastian Bach, Carlos Santana, Django Reinhardt, Deep Purple – alles kam unter die vier Hämmerchen. Nichts wurde verhunzt, alles aber entfesselt und neu erzählt. Heraus kamen neue, feurige, traurige und mitreissende Melodien wie etwa das Lied «Souvenir de la Suisse Orientale» oder «Siebenalp» im Siebenachtel-Takt. Der Konzertabend wurde zum Ritt auf Wellen, zum Tanz durchs Feuer, durch Tränentäler und auf ekstatische Höhen.

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