Analyse zeigt: Im Toggenburg purzeln die Steuerprozente – Nesslau hat den tiefsten, Lichtensteig den höchsten Steuerfuss

Ein neues Rechnungsmodell und höhere Einnahmen: Die Toggenburger Gemeinden senken ihre Steuren.

Urs M. Hemm
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Obwohl die Toggenburger Gemeinden in Bezug auf die Höhe der Besteuerung im kantonalen Vergleich noch immer die hinteren Plätze belegen, zeigt sich, dass der Trend zu Steuersenkungen auch hier eingesetzt hat. In fünf von zwölf Toggenburger Gemeinden wurde das Budget für das Jahr 2020 bereits verabschiedet. Um die Genehmigung der Voranschläge mussten sich die Gemeindebehörden indes keine grossen Gedanken machen, denn die jeweiligen Budgets sahen teils eine massive Senkung des Steuerfusses vor. Diejenigen Gemeinden, die für das kommende Rechnungsjahr keine Steuerfusssenkung beantragten, hatten diese bereits auf das laufende Jahr vollzogen (siehe Grafik).

Positive Nebeneffekte zeigen Wirkung

In Wildhaus-Alt St.Johann, Ebnat-Kappel, Oberhelfenschwil, Neckertal und Mosnang haben die Budget-Bürgerversammlungen für das kommende Rechnungsjahr bereits stattgefunden. Steuerfusssenkungen wurden dabei in den ersten drei genannten Gemeinden beschlossen. In Oberhelfenschwil sinkt der Steuerfuss um fünf Prozentpunkte auf 134 Prozent, in Ebnat-Kappel von 145 auf 139 Prozent und in Wildhaus wird er Steuerfuss gar um zehn Punkte von 138 auf 128 Prozent abgesenkt. «Wir haben in den vergangenen Jahren gutgewirtschaftet und rechnen auch mit dem tieferen Steuerfuss für das Jahr 2020 mit einem positiven Ergebnis. Mit dieser Steuerfusssenkung können wir den Bürgerinnen und Bürgern etwas zurückgeben», sagt Christian Spoerlé, Gemeindepräsident von Ebnat-Kappel dazu.

In den zwei Gemeinden Neckertal und Mosnang bleiben die Werte auf 132, respektive auf 137 Steuerprozent. Die Gemeinde Neckertal hatte eine Senkung um zehn Prozentpunkte bereits auf das laufende Rechnungsjahr hin beschlossen. Der Gemeinderat begründete damals den Antrag zur Steuerfusssenkung damit, «dass ein Teil der positiven Nebeneffekte der Einführung des neuen Rechnungsmodells und die zukünftige positive Entwicklung des Finanzausgleichs und der Steuererträge an die Bürgerinnen und Bürger weitergegeben werde.»

Diese positiven Nebeneffekte des neuen Rechnungsmodells betreffen insbesondere die damit verbundene Anpassung der Abschreibungsfristen. So werden beispielsweise Hochbauten nicht mehr über 20 Jahre, sondern neu über 30 Jahre abgeschrieben. Die Abschreibungsfrist für Strassen verdoppelt sich gar von 15 auf 30 Jahre. Somit sinken für die Gemeinden die jährlichen Abschreibungsquoten und damit fällt auch die Belastung der Erfolgsrechnung tiefer aus. Da sich zudem die meisten Gemeinden in den vergangenen Jahren ein gutes Eigenkapitalpolster haben aufbauen können, werden Aufwandüberschüsse in Kauf genommen. Diese können aus dem Eigenkapital gedeckt werden.

Annäherung ans Mittelfeld

In den verbleibenden Gemeinden Nesslau, Hemberg, Wattwil, Lichtensteig, Bütschwil-Ganterschwil, Lütisburg und Kirchberg werden die Budgetberatungen für das Jahr 2020 erst in den kommenden Wochen geführt. Ausser den zwei Gemeinden Lütisburg (135 Prozent) und Lichtensteig (140 Prozent) haben alle verbleibenden Gemeinden den Steuerfuss auf das Rechnungsjahr 2019 bereits gesenkt. Ob Steuerfusssenkungen in diesen Gemeinden im Budget 2020 beantragt werden, ist vor den Beratungen nicht zu erfahren.

Nesslau hat mit 125 Prozent den tiefsten Steuerfuss aller Toggenburger Gemeinden.

Nesslau hat mit 125 Prozent den tiefsten Steuerfuss aller Toggenburger Gemeinden.

Bild: Sabine Camedda

Im kantonalen Vergleich für das Jahr 2019 erheben die Toggenburger Gemeinden noch immer hohe Steuern. Mit den Steuerfusssenkungen haben sie sich aber dem Mittelfeld angenähert. Mit 75 Prozent war im Jahr 2019 Mörschwil die steuergünstigste Gemeinde, gefolgt von Rapperswil-Jona mit 76 Steuerprozent.