Kommentar

An der Grenze zur Zwängerei

In Wildhaus wehren sich einige Bürger mittels Petition gegen verdichtetes Bauen im Dorfzentrum. Dies sei reine Verzögerungstaktik und stehe im klaren Widerspruch zur Abstimmung über das Raumplanungsgesetz im Jahr 2013, schreibt Reporterin Sabine Schmid in ihrem Kommentar.

Sabine Schmid
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Sabine Schmid, Reporterin. (Bild: Urs Jaudas)

Sabine Schmid, Reporterin. (Bild: Urs Jaudas)

Das Volk hat Klartext gesprochen: Im März 2013 sagten die Schweizer Stimmbürger mit rund 64 Prozent Ja zum neuen Raumplanungsgesetz. Im Toggenburg war der Zuspruch mit 61,4 Prozent fast ebenso deutlich. Das Ja sollte die Zersiedelung stoppen. Das Volk wollte weniger Kulturfläche überbauen und mehr Wohnraum in bestehenden Zentren von Dörfern schaffen.

Fünf Jahre sind seither ins Land gezogen und die Umsetzung ist in vollem Gang. Es scheint, als ob sich einige Bürger erst jetzt der Folgen dieser Abstimmung bewusst werden. Mehr Wohnraum in bestehenden Zentren von Dörfern – im Fachjargon innere Verdichtung oder qualitative Innenentwicklung genannt – bringt mit sich, dass an vielen Orten grössere Wohnhäuser oder Überbauungen entstehen. Dort, wo einst kleinere Häuser standen, die nicht den Komfort bieten, der dem heutigen Standard entspricht. Dagegen begehrt die Bevölkerung auf, nicht nur in Wildhaus, sondern auch in anderen Toggenburger Gemeinden.

Sich gegen grössere Bauvorhaben zu wehren und seine eigenen Interessen zu vertreten, ist durchaus legitim. Die Grenze zur Zwängerei wird dabei aber leicht erreicht. Wer einen Rekurs bis zur letzten Instanz weiter zieht, die ihn schliesslich ebenfalls abwehrt, gewinnt höchstens ein bisschen Zeit. Ein Bekenntnis zu guter Nachbarschaft ist es hingegen kaum.

Eine gesunde Entwicklung der Toggenburger Gemeinden und besonders in den Dorfkernen liegt im Interesse aller. Dafür tragen die Gemeinden die Verantwortung, denn sie sind es, die die neuen Bauvorhaben in die Ortsbilder integrieren müssen. Die Bürgerschaft ist aber ebenfalls gefordert und muss ihrerseits die Konsequenzen des Entscheids tragen, den sie vor fünf Jahren eindeutig gefällt hat. Ob die Architektur der neuen Überbauung ihnen nun gefällt oder nicht.