Am liebsten waren ihm Heli-Einsätze – Werkdienstleiter der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann geht in Pension

Werner Bleiker, Werkdienstleiter der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann, hat heute Donnerstag seinen letzten Arbeitstag vor der Pensionierung.

Sabine Camedda
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Am Donnerstagabend parkiert Werner Bleiker seinen Pick-up im Werkhof und übergibt die Schlüssel an seinen Nachfolger.

Am Donnerstagabend parkiert Werner Bleiker seinen Pick-up im Werkhof und übergibt die Schlüssel an seinen Nachfolger.

Bild: Sabine Camedda

Der Werkhof Weier in Alt St.Johann ist wie ausgestorben. Kein Wunder, es ist Nachmittag und die Mitarbeiter des Bauamts der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann arbeiten alle draussen. Einzig der rote Pick-up des Werkdienstleisters Werner Bleiker steht vor dem Tor. An den letzten Arbeitstagen vor seiner Pensionierung lässt er sich nicht mehr aus der Ruhe bringen, da nimmt er sich auch Zeit für einen Pressetermin.

30 Jahre habe er auf dem Hochbau gearbeitet, erzählt er. Im Jahr 2001 wechselte er zum Kurverein Alt St.Johann-Unterwasser. Dort war er im Winter für die Schneeräumung und im Sommer für den Unterhalt der touristischen Wege zuständig.

Vom Kurverein zur Gemeinde

Als der örtliche Kurverein in Toggenburg Tourismus übergegangen ist, wechselte Werner Bleiker den Arbeitgeber und nahm seine Aufgaben gleich mit. Seit dem Zusammenschluss der Bauämter von Wildhaus und Alt St.Johann, drei Jahre vor der Fusion der politischen Gemeinde, ist er Werkdienstleiter und somit der Chef des vierköpfigen Teams.

«Wir haben von Anfang an gut zusammengearbeitet und hatten es immer gut miteinander», zieht er kurz vor seinem letzten Arbeitstag eine positive Bilanz.

Nur selten hat einer beim Schneeräumen verschlafen

Schneeräumen im Winter, der Unterhalt der Wanderwege im Sommer: Was sich so einfach anhört, birgt viel Organisationsarbeit im Hintergrund. Diese hat Werner Bleiker geleistet. Das Schneeräumungsteam in der Gemeinde Wildhaus-Alt St.Johann bestehe aus 22 Chauffeuren, erklärt Werner Bleiker. Jeder habe sich gemeldet, wenn er am frühen Morgen den Einsatz begonnen habe. Ein kurzer Anruf, ein SMS oder ein Funkspruch haben genügt.

«Wenn sich jemand nicht gemeldet hat, habe ich nachgefragt, wo er ist», erzählt Werner Bleiker. Das war aber nicht häufig der Fall. «Nur selten hat einer verschlafen oder gefehlt.» Jeder habe gewusst, was er zu tun hatte, und sei entsprechend pflichtbewusst. Werner Bleiker sagt:

«Wenn man eine Woche lang jede Nacht Schnee räumen muss, geht man am Abend früh ins Bett. Ausgehen liegt da nicht drin.»

Ferien auch nicht. Die hat er jeweils in den Sommermonaten eingezogen.

Die Fläche der Gemeinde macht sich auch bei der Instandstellung der Wanderwege bemerkbar. Eine Arbeit, die nie fertig ist. Alle Jahre werden die Wege kontrolliert, wo nötig ausgemäht und baulich verbessert.

Mit dem Heli zur Baustelle

Wenn grössere Arbeiten fällig werden, führen einheimische Bauunternehmen die aus. Das ist beispielsweise nach Unwettern oder Stürmen der Fall. «Ich hatte stets eine gute Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern dieser Unternehmen», sagt Werner Bleiker. Besonders das Verhältnis mit dem Forstbetrieb Foag sei unkompliziert und man unterstütze einander.

Da das Wanderwegnetz der Gemeinde vom Säntis über alle Churfirsten führt, sind die Baustellen nicht immer gut zugänglich. «Wir mussten immer wieder Material mit dem Helikopter zu den Baustellen fliegen», sagt Werner Bleiker und seine Augen leuchten. «Das war meine Lieblingsarbeit.» Sie war aber nicht ohne, denn die Flugzeit musste möglichst knapp gehalten werden, um keine unnötigen Kosten zu verursachen.

Auf den Wanderwegen verband Werner Bleiker auch den Beruf mit seinem Hobby. «Ich plante oft am Wochenende Wanderungen so, dass ich etwas anschauen konnte. Oder wenn ich auf einen Gipfel der Churfirsten gestiegen bin, habe ich gleich das Gipfelbuch mitgenommen.»

Ein Dienstleistungsbetrieb, der vieles macht

Damit spricht Werner Bleiker weitere Tätigkeiten an, die in die Zuständigkeit des Bauamts fallen: Rasen mähen, die Dörfer beflaggen, Abfallkübel leeren und das Minigolf auf- und abbauen. Dazu kommt die Mithilfe bei vielen Anlässen, von der Viehschau über das Open Air und das Klangfestival bis zur Fernsehsendung. «Bei uns wird einem nie langweilig», sagt er. Er sah sich als Dienstleister und freute sich jeweils, wenn die Einwohner und Gäste ihre Zufriedenheit ausdrückten. «Es wird nur telefoniert, wenn etwas falsch ist», sagt Werner Bleiker. Solches habe ihn aber nicht bekümmert.

Nun übergibt Werner Bleiker seinem Nachfolger die Schlüssel. Dass er sich nur mit einem Winken und nicht mit einem Händedruck von seinen Bauamtskollegen verabschieden kann, stimmt ihn ein bisschen traurig. Auch, dass das Abschiedsfest von der Gemeinde wegen der Massnahmen zum Coronavirus verschoben werden muss. Aber verschoben und nicht abgesagt, betont er. Ein leiser Abschied von den Mitarbeitern der Gemeinde würde nicht zu ihm passen. Zu Werner Bleiker, der im Gemeindehaus immer mit einer freundlichen Miene aufgetaucht ist.