Campus Wattwil: Am Dienstag gilt es im Kantonsrat ernst

In der April-Session behandelt das Kantonsparlament unter anderem einen Kredit von rund 108 Millionen Franken für den Campus Wattwil. Das Geschäft ist für den Dienstag vorgesehen.

Martin Knoepfel
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Der Neubau der Kantonsschule Wattwil soll aufs Rietstein-Areal zu stehen kommen. Im Vordergrund liegt die Bahnhofstrasse. Die Rietstein-Halle bleibt erhalten. (Bild: Michael Hehli)

Der Neubau der Kantonsschule Wattwil soll aufs Rietstein-Areal zu stehen kommen. Im Vordergrund liegt die Bahnhofstrasse. Die Rietstein-Halle bleibt erhalten. (Bild: Michael Hehli)

Die April-Session des Kantonsrats hat es aus der Toggenburger Optik in sich. Eine der beiden Bauvorlagen, die das Kantonsparlament behandeln soll, ist der Kredit für den Campus Wattwil. Voraussichtlich am Dienstagnachmittag findet die erste Lesung statt. Im Hinblick auf die Session haben sich auch die meisten Fraktionen positioniert.

Zwei Bildungsvorlagen kommen in den Kantonsrat

Die Fraktionen der CVP-GLP, der FDP und der SVP wollen die beiden Bildungsvorlagen – den Campus Wattwil und die Gesamterneuerung des Gewerblichen Berufs- und Weiterbildungszentrum an der Demutstrasse in St.Gallen – unterstützen. Das teilten sie vor kurzem mit.

Die CVP-GLP-Fraktion ist überzeugt, dass der Campus Wattwil für den Betrieb der Kantonsschule Wattwil und für den Betrieb des Berufs- und Weiterbildungszentrums Toggenburg (BWZT) Vorteile und Synergien bringen werde, heisst es weiter. Die grosse Mehrheit der Fraktion lehne zudem einen Auftrag ab, den Betrieb einer Kantonsschule in Rapperswil zu prüfen.

Die FDP unterstützt die Vorlage für den Campus Wattwil laut Communiqué einstimmig. Nach fast 50-jährigem Betrieb sei die Kantonsschule sanierungsbedürftig, heisst es. Die Struktur des Gebäudes, das Raumangebot sowie die räumliche Organisation entsprächen nicht mehr den Anforderungen einer modernen Kantonsschule, schreibt die FDP.

Kritik kam vor allem aus dem Linthgebiet

Die SVP-Fraktion lobt den Campus Wattwil als ausgewiesenes Projekt und als zukunftsgerichtete Lösung. Nichts abgewinnen kann die SVP der Idee, eine Kantonsschule Rapperswil nochmals zu prüfen. Sie hält fest, dass sie einen solchen Antrag, wenn er gestellt werden sollte, einstimmig ablehnen würde.

Die beiden in diesem Geschäft federführenden Regierungsräte, der Bau- und der Bildungschef, gehören der FDP beziehungsweise der SVP an. Vor allem Kantonsräte aus dem Wahlkreis See-Gaster hatten sich immer wieder gegen die Vorlage für den Campus Wattwil ausgesprochen. Als Alternativen hatten die Opponenten unter anderem den Bau einer Kantonsschule im Linthgebiet und den Betrieb der Kantonsschule Wattwil an zwei Standorten – im Toggenburg und im Linthgebiet – vorgeschlagen.

Die SP-Grüne-Fraktion hat bisher kein Mediencommuniqué zur April-Session versandt. In der neuesten Ausgabe der Zeitschrift «Links» plädiert allerdings Kantonsrat Martin Sailer (Unterwasser) für ein Ja zum Campus Wattwil. Er weist darauf hin, dass die heutige Kantonsschule viel zu klein sei für die heutige Schülerzahl und dass das BWZT ohnehin erneuert werden müsse.

Letztlich entscheidet der Souverän

Der Campus Wattwil umfasst den Neubau der Kantonsschule auf dem Rietstein-Areal zwischen Ebnaterstrasse und Thur, wo sich heute Aussensportplätze für die Kantonsschule befinden. Wenn der Neubau in Betrieb geht, soll das BWZT am bisherigen Standort saniert und erweitert werden. Die Berufsschüler sollen dann vorübergehend in der jetzigen Kanti unterrichtet werden. Im Rahmen des Campus sollen Kanti und BWZT einige Infrastrukturen gemeinsam nutzen. Genannt werden zum Beispiel die Turnhallen, die Aula und die Mensa. Wenn es keine Verzögerungen gibt, wird der Campus Wattwil 2028 fertiggestellt sein.

Die neue Sportanlage Rietwis und eine neue Fussgängerbrücke über die Thur erstellt die Gemeinde Wattwil. Diese zwei Bauvorhaben sind nicht Teil der kantonalen Vorlage. Das Schicksal der heutigen Kanti Wattwil ist noch offen. Der Regierungsrat will den Gebäudekomplex losschlagen, wenn dieser nicht mehr gebraucht wird.

Das Stimmvolk entscheidet

Das letzte Wort zum Campus hat der Souverän. Das hängt mit der Höhe des beantragten Kredits – 108 Millionen Franken – zusammen. Die Volksabstimmung dürfte im November durchgeführt werden. Bedingung ist aber, dass der Kredit die Hürden der drei Lesungen im Kantonsrat überspringt. Allgemein herrscht die Einschätzung vor, dass der Kredit im Kantonsrat angenommen werden wird. Wenn es um die Chancen in der Volksabstimmung geht, scheiden sich die Geister.

Im Kantonsrat ist noch eine Motion hängig, die eine Immobilienstrategie für die St.Galler Kantons- und Berufsschulen verlangt. Der Kantonsrat wird die Motion in der April-Session noch nicht behandeln, da die Antwort der Regierung noch fehlt.