Alt Bundesrat gratuliert zur Auszeichnung: Der Reitstall des Sonderschulinternats Hemberg erhält eine Qualitätsplakette

Das Sonderschulinternat Hemberg hat die Prüfung bestanden: Es besitzt nun einen zertifizierten Stall für die Reittherapie. Am Fest mit dabei war auch alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Dinah Hauser
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Zum feierlichen Anlass ist alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann zur Festrede angereist.

Zum feierlichen Anlass ist alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann zur Festrede angereist.

Bild: PD

Hoher Besuch im Sonderschulinternat Hemberg: Alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann überbrachte diese Woche eine Grussbotschaft und gratulierte dem Sonderschulinternat zum frisch zertifizierten Therapiestall. Dies tat er als Vertreter vom «Freundeskreis Qualitätsplakette Pferdegestützte Therapie Schweiz». Er fühle sich der Pferdegestützten Therapie verbunden, habe doch sein Pferd, welches ihm zur Bundesratswahl geschenkt worden sei, mittlerweile eine sinnvolle Aufgabe als Therapiepferd im Luzernischen gefunden. «Eine solche Auszeichnung für vorbildlich geführte Betriebe ist nicht das Ende, sondern der Anfang eines Prozesses. Sie spornt an, noch besser sein zu wollen», sagt Schneider-Ammann.

Ohne Sattel, dafür mit Ball und Augenbinde

Die Kinder der Sonderschule führen anschliessend Übungen aus den Therapiestunden vor. Wie zu Beginn jeder Lektion, beginnen die Mädchen und Buben mit der Pflege ihrer Pferde, das schafft Nähe und Beziehung. Molly geniesst die Streichel- und Striegeleinheiten der Kinder sichtlich. Die 9-jährige Burgdorferstute wird seit drei Jahren am Sonderschulinternat Hemberg als Therapiepferd eingesetzt. Das zweite Pferd, der 15-jährige Isländer Arion, kam Anfang dieses Jahres ins Internat. Der Wallach hat bereits die Decke und die Gurte umgeschnallt. Geritten wird bewusst nicht mit einem Sattel, wie Gaby Bertolaso von der Vereinigung für Pferdegestützte Therapie Schweiz (PT-CH) erklärt. «Die Decke lässt den Reiter die Wärme und die Bewegungen des Pferdes intensiv spüren.»

Ein Kind auf dem Pferd wirft einem anderen auf dem Boden einen Ball zu – im Stand und im Laufen. Das trainiert die Koordination sowie die Kommunikation mit anderen. Danach verbindet sich ein Bub auf dem Pferd die Augen, ein anderer spielt ein Instrument. Ziel: Der Reiter muss den Klängen folgen und den Personen Anweisungen geben, die das Pferd führen. Die Kinder strahlen förmlich, wenn sie mit den Pferden arbeiten. Einige bleiben länger bei ihnen stehen, schmiegen sich an sie an.

Koordination und Kommunikation ist gefragt: Die junge Reiterin wirft den Ball den Gspänli zu. Therapeutin Nicole Schmid führt Pferd Molly.

Koordination und Kommunikation ist gefragt: Die junge Reiterin wirft den Ball den Gspänli zu. Therapeutin Nicole Schmid führt Pferd Molly.

Bild: Dinah Hauser

Die angereisten Gäste, unter ihnen auch Gemeindepräsident Christian Gertsch und Gemeinderat Hermann Roth sowie Hans Anderegg vom Amt für Volksschule, klatschen indes nicht. Das ist so vereinbart, um die Pferde nicht unnötig nervös zu machen. Stattdessen tun sie es Gehörlosen gleich und winken mit beiden Händen. Allen voran alt Bundesrat Johann Schneider-Ammann.

Er und seine Frau sind Mitglieder im «Freundeskreis Qualitätsplakette», welcher sich ideell wie finanziell dafür engagiert, dass Betriebe, welche Pferdegestützte Therapie anbieten, dies auf qualitativ hohem Niveau tun. «Eine solche Auszeichnung bedeutet tägliches Engagement und Einsatz aller Beteiligten und ist nicht selbstverständlich», lobt der Magistrat die Mitarbeitenden der Institution.

Luz Sozzi, Präsident von PT-CH, überreicht anschliessend Nicole Schmid, Sozialpädagogin und Fachfrau Pferdegestützte Therapie, die Qualitätsplakette. Der Therapiestall des Sonderschulinternats wurde in den Bereichen Therapieumsetzung, Pferdehaltung und Infrastruktur geprüft. Unabhängige Experten von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft, der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften und von PT-CH nahmen den Betrieb unter die Lupe. Institutionsleiter Daniel Lehmann freut sich, wurde der Therapiestall auf Anhieb mit ganz wenigen kleinen Anpassungen zertifiziert.

Der grosse Moment ist gekommen: Luz Sozzi (links) von der Vereinigung überreicht die Qualitätsplakette an das Sonderschulinternat Hemberg. Therapeutin Nicole Schmid und Institutionsleiter Daniel Lehman nehmen diese entgegen.

Der grosse Moment ist gekommen: Luz Sozzi (links) von der Vereinigung überreicht die Qualitätsplakette an das Sonderschulinternat Hemberg. Therapeutin Nicole Schmid und Institutionsleiter Daniel Lehman nehmen diese entgegen.

Bild: PD

Bereits in den 90er-Jahren wurden Pferde eingesetzt

Schon in den 90er-Jahren hat Hanni Etter begonnen, im Sonderschulinternat die Pferdegestützte Therapie aufzubauen. Sie ging 2015 in Pension. Als 2017 Daniel Lehmann als Institutionsleiter und Irène Inauen-Kern als Schulleiterin die Leitung des Internats übernahmen, war es ihnen ein Anliegen, die Therapie neu zu positionieren. Mit der Wilerin Gaby Bertolaso war eine fachliche Begleitung gefunden. Mit der Diplomierung von Nicole Schmid als Fachfrau Pferdegestützte Therapie im Sommer war die letzte Voraussetzung zur Erreichung der Qualitätsplakette erfüllt.

Daniel Lehman ist erfreut über das Zertifikat: «Wir haben hier im Hemberg eine ideale Situation.» Stall und Auslauf befinden sich gleich neben der Schule. So können die Kinder die Pferde vor und nach dem Unterricht oder auch während der Pausen besuchen. Es sei wertvoll, die Pferde auf dem Gelände zu haben, sagt Lehmann. «Einige Kinder suchen ihre Lieblinge bewusst auf, wenn sie traurig sind.» Auch die Bindung scheint stark zu sein. «Als es kürzlich bei den Pferden einen Wechsel gab, war dies für einige Kinder schwierig.»