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Als Folge der Politik und der Finanzen: Johanneum stellt sich dem Wandel und will sein Angebot ausbauen

Seit über 100 Jahren ist das Johanneum Wohn- und Ausbildungsstätte von Jugendlichen und Menschen mit einer Behinderung. Nun will die Institution in Neu St.Johann neue Angebote schaffen. Dafür braucht es aber entsprechende Bewilligungen und die Finanzierung.
Sabine Camedda
Das Leben im Johanneum ist abwechslungsreich. Das Grümpelturnier ist ein fixer Anlass im Kalender. (Bild: PD)

Das Leben im Johanneum ist abwechslungsreich. Das Grümpelturnier ist ein fixer Anlass im Kalender. (Bild: PD)

An der Mitgliederversammlung des Johanneums musste Finanzchef Rolf Rechberger ein hohes Defizit präsentieren. Der Vereinspräsident Hansjörg Huser betonte, dass dieses längerfristig für den Verein nicht tragbar sei (das «Toggenburger Tagblatt» berichtete).

Für den Pädagogischen Leiter Franz E. Grandits ist klar: «Die jetzige Situation erfordert, neue Wege zu denken und zu gehen. An der Qualität in der Begleitung der uns anvertrauten Menschen machen wir keine Abstriche. Die Führung der Bereiche Schule, Ausbildung und Arbeit mit den dazugehörigen Wohnmodellen soll weiterhin Merkmal unserer Institution sein.»

Unterschiedliche
 Herausforderungen

Das Johanneum, eine Institution im ehemaligen Kloster Neu St.Johann, ist seit über 100 Jahren Wohn- und Ausbildungsstätte von Jugendlichen und Menschen mit Behinderung und wird in drei Bereiche gegliedert: der Erwachsenenbereich, der Schulbereich und der Ausbildungsbereich.

Hansjörg Huser, Vereinspräsident Johanneum, Neu St.Johann. (Bild: PD)

Hansjörg Huser, Vereinspräsident Johanneum, Neu St.Johann. (Bild: PD)

Das Wohnheim und die Arbeitsplätze für Erwachsene bereitet dem Vorstand kaum Sorgenfalten. «Wir haben sowohl beim Wohnen als auch beim Arbeiten eine konstant hohe Auslastung», sagt Hansjörg Huser. Dieser Bereich sei folglich kostendeckend. Aber, fügt Huser an, müsse man auch hier stets die Kosten im Blick behalten.

Anders sieht es bei der Sonderschule aus. Das Johanneum ist eine Schule für geistig behinderte Kinder aller elf Schulstufen und kann sowohl als Tagesschule als auch als Internat besucht werden. Lange Zeit wurden hier geistig behinderte Kinder im Einzugsgebiet von Ebnat-Kappel bis Wildhaus beschult, dazu kamen noch Kinder aus kantonalen und ausserkantonalen Gemeinden, die während der Woche im Internat wohnten.

Das Sonderpädagogik-Konzept des Kantons und die Umsetzung des Versorgungskonzepts haben hier eine Wende gebracht. «Ziel der integrativen Beschulung ist es, bisherige Sonderschüler mit entsprechenden Fördermassnahmen vermehrt in der Regelschule zu unterrichten», sagt Franz E. Grandits. Dies, gekoppelt mit dem Entscheid der Zuteilung von Ebnat-Kappel zum Einzugsgebiet der Heilpädagogischen Schule Toggenburg in Wattwil, führte zu einem massiven Rückgang der Schülerzahlen.

Sonderschüler möglichst integrieren

Im Sonderpädagogikkonzept definiert der Kanton St.Gallen alle Angebote für Kinder und Jugendliche bis zum vollendeten 20. Altersjahr. Mit dem sonderpädagogischen Grundangebot der kommunalen Schulträger und den verstärkten Massnahmen wie Unterricht und Förderung in einer Sonderschule, behinderungsspezifische Unterstützung und Beratung in Regelschulen oder heilpädagogische Frühförderung sollen Kinder und Jugendliche mit besonderen Bildungsbedarf mit qualitativ hochstehenden Massnahmen gefördert werden. Zudem ermöglicht das Konzept die gezielte Steuerung des sonderpädagogischen Angebots auf kommunaler und kantonaler Ebene. (pd/sas)

Ein Ausgleich für das Johanneum hätte die verstärkte Positionierung als Internatsanbieter für Schüler aus dem Kanton St. Gallen bringen sollen. Die vom Kanton prognostizierten Zuweisungen von Internatsschülern erwiesen sich als zu optimistisch. Hatte das Johanneum vor drei Jahren noch elf Wohngruppen, sind es im Schuljahr 2019/2020 noch deren fünf.

Aktiv neue Angebote schaffen 
als Lösung

Franz E. Grandits, Pädagogischer Leiter Johanneum in Neu St.Johann. (Bild: PD)

Franz E. Grandits, Pädagogischer Leiter Johanneum in Neu St.Johann. (Bild: PD)

Die Abteilungsleitungen, die Institutionsleitung und der Vereinsvorstand haben sich angesichts dieser Situation Lösungen überlegt. «Es gilt hierbei, auf den eigenen Stärken und auf der grossen Erfahrung in der Begleitung von Kindern und Jugendlichen in anspruchsvollen Lebenssituationen aufzubauen. Angedacht sind neue Dienstleistungen, die Sonderschülern und Regelschülern offenstehen», sagt
Franz E. Grandits.

Sicherheit und Konstanz an sieben Tage in der Woche

Einzelne Programme würde das Johanneum künftig als Privatschule anbieten, entsprechende Abklärungen sind in Vorbereitung. Bereits im Schuljahr 2019/2020 wird das Johanneum eine 365-Tage-Betreuung anbieten für Kinder und Jugendliche, welche die Wochenenden und Ferien nicht oder nur sehr beschränkt zu Hause verbringen können. «Wir bieten diesen Schülern Sicherheit und Konstanz mit einem Betreuungsteam, das ihnen an sieben Tagen in der Woche zur Seite steht», erklärt Franz E. Grandits.

Das Triage Angebot richtet sich an Eltern und institutionelle Helfersysteme wie Schulen, Kesb, den Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst (KJPD), den Schulpsychologischen Dienst (SPD) Sozialdienste oder Therapiestellen, wenn die getroffenen Massnahmen wie beispielsweise Time-outs bei Schülern aus der Regelschule nicht greifen und das Helfersystem Entlastung und Zeit benötigt.

Während mindestens drei Monaten ist für diese Schüler das Johanneum deren Zuhause. Das Johanneum ist aktiver Part bei der Aufarbeitung der Ist-Situation und der Erarbeitung einer tragfähigen Lösung. Zielgruppen sind Schüler auf allen Schulstufen – vom Schuleintritt bis zum Übertritt in die Berufslehre.

Das Berufsfindungsangebot möchte das Johanneum wie früher einem grösseren Schülerkreis zugänglich machen. Wünschenswert wäre, das bewährte Schulprogramm für alle Sonderschüler – Schüler mit geistiger Behinderung, schwerwiegenden Lern- und Verhaltensschwierigkeiten sowie Sprach- und Hörbehinderung – nach Abschluss der obligatorischen elf Schuljahre öffnen zu dürfen, sagen die Verantwortlichen im Johanneum.

Auf weniger Lernende 
reagieren

Auch im Ausbildungsbereich ist die Johanneums-Leitung gefordert. Die Zahl der IV-Lernenden verharrt auf tiefem Niveau. Erste Lichtblicke seien auf das neue Ausbildungsjahr erkennbar. Rund ein Drittel der Jugendlichen absolviert eine EBA Ausbildung (eidgenössisches Berufsattest), zwei Drittel eine praktische Ausbildung (PrA Insos) in einem der elf Lehrbetriebe im Johanneum.

Von Seiten IV Berufsbildung würden die Notwendigkeit einer Internatsplatzierung und die Ausbildungsbereitschaft der Lernenden in Frage gestellt, heisst es bei den Verantwortlichen des Johanneum. Sie halten dagegen, dass die Schwäche des jugendlichen und des familiären Umfelds nicht zu einer Ausgrenzung führen dürfe.

«Wir erleben, dass die Loslösung aus dem bestehenden Umfeld diesen Jugendlichen erst ermöglicht, das Leben in den Griff zu bekommen und sich auf eine Ausbildung einzulassen. Die Resultate bestärken uns in dieser Haltung.»

Viele dieser Jugendlichen würden die Ausbildung erfolgreich beenden und fänden nach der Ausbildung im Johanneum einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt, sagt Franz E. Grandits.

Auch im Bereich der Ausbildung sind neue Dienstleistungen und Programme im Aufbau. «Wir sind überzeugt, dass wir aus dem bestehenden Angebot und unserem Know-how eine wertvolle Ergänzung aufbauen könnten, die mit einem geringen finanziellen Risiko verbunden ist», sagt Hansjörg Huser. «Das wäre gewinnbringend für die jungen Menschen, die das brauchen.»

365-Tage Betreuung auch für Lernende

Lernende können ab Ausbildungsjahr 2019/2020 wie im Schulbereich von einer 365-Tage-Betreuung profitieren. Für unbegleitete Minderjährige mit einer Lernbehinderung ist das Johanneum als möglicher Partner mit dem Trägervereins Integrationsprojekte St. Gallen (TISG) in Verhandlung. «Wir haben ein Konzept für sechs bis acht Jugendliche erstellt, um diese in ein bis eineinhalb Jahren auf eine Berufslehre vorzubereiten», erklärt Franz E. Grandits.

Zum einen will man den Jugendlichen mit Einsatzprogrammen und Potenzialabklärungen ihre Möglichkeiten aufzeigen. Zum andern sollen sie in deren Entwicklung gefestigt und gestärkt werden. Der Ausbildungsbereich des Johanneum wird künftig auch Dienstleistungen wie berufliche Abklärung, Potenzialabklärung, Belastungstraining und Einsatzprogramme anbieten. «Wir werden in diesem Bereich auf Sozialämter und RAV zugehen», sagt Franz E. Grandits.

Einige Baustellen, die zu 
bewältigen sind

Die Verantwortlichen des Johanneums sind sich bewusst, dass sich die Gesellschaft gewandelt hat und dass die Kosten, die oftmals von der Öffentlichkeit getragen werden müssen, nicht zu hoch sein dürfen. «Unser Ziel ist es nach wie vor, den schwächeren Menschen zu dienen», sagt Hansjörg Huser. Darum versuche man, den Umbruch aktiv anzugehen und das Know-how zu nutzen.

Die Schwierigkeit sei, dass sich vieles rasch verändere und man sich an nichts festhalten könne. Erschwerend komme dazu, dass man bezüglich der Finanzierung mit drei Partnern zusammenarbeite. «Wir haben momentan einige Baustellen offen», sagt Hansjörg Huser. In seinen Worten schwingt aber die Zuversicht, dass man das Johanneum auch durch diese schwierigen Zeiten bringe und die über 100-jährige Tradition weiterlebt.

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