Serie

Wattwiler auf Weltreise (Folge 5): Als die Sonne ganz kurz wieder aufging

Maurice Grob aus Wattwil ist im September 2018 zu einer Weltreise aufgebrochen, die fünf Jahre dauern soll. Unterwegs wird er zudem ein Fernstudium in Mathematik absolvieren. In loser Folge berichtet der Toggenburger von seinen Erlebnissen.

Maurice Grob
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Vier Wochen lang war die Sonne nicht sichtbar. Ein spezielles Erlebnis war es darum, sie gleichzeitig auf-, und untergehen zu sehen. (Bild: Maurice Grob)

Vier Wochen lang war die Sonne nicht sichtbar. Ein spezielles Erlebnis war es darum, sie gleichzeitig auf-, und untergehen zu sehen. (Bild: Maurice Grob)

Nach vier Monaten auf Weltreise habe ich das erste Mal Weihnachten ohne meine Familie gefeiert. Ich fand es ein bisschen schade, so ohne das vertraute Umfeld, aber glücklicherweise bin ich in Schweden so gut aufgenommen worden, dass sich das Fest «wie Familie» angefühlt hat. Vom 23. bis 26. Dezember wurde ich jeden Mittag und Abend irgendwo zum Essen eingeladen, um mit Bekannten und Freunden Weihnachten zu feiern.

Am 24. gab es zudem ein grosses Fest in der Dorfkirche, wo Leute aus der Gemeinde Essen mitbrachten und jedermann eingeladen war. Ich lernte dort diverse traditionelle Gerichte kennen, ich bin um den Weihnachtsbaum getanzt und habe dabei schwedische Lieder gesungen. Der Jahreswechsel gestaltete sich dann etwas ruhiger als gewohnt, was mir aber durchaus recht kam. Direkt nach Weihnachten ist eine Grippewelle durch die Gegend gezogen und hat auch mich für ein paar Tage flach gelegt. Ich habe die Ruhe um Neujahr genossen und bin schlafend ins neue Jahr gerutscht.

Aufholen, was wegen des Wetters verpasst wurde

Kaum im neuen Jahr angekommen, ging die grosse Arbeit los. Nun arbeiten wir fast jeden Tag mit den Rentieren und probieren aufzuholen, was wir in den letzten zwei Monaten durch schlechtes Wetter verpasst hatten.

Mit den Schneemobilen ging es durch die nordschwedische Prärielandschaft. (Bild: Maurice Grob)

Mit den Schneemobilen ging es durch die nordschwedische Prärielandschaft. (Bild: Maurice Grob)

Das Wunderbarste erlebte ich in diesem Monat, als ich mit meinem Gastgeber in die Berge fuhr. An einem perfekten Tag sind wir mit den Schneemobilen über die Baumgrenze hochgefahren und haben die Rentiere kontrolliert. Die unglaubliche Schönheit der nordschwedischen Prärielandschaft ist unbeschreiblich. Im Gegensatz zur Schweiz sind die Berge hier nicht so felsig, sondern erinnern eher an die Hügellandschaft der Voralpen, einfach ohne Bäume. Besonders war, dass wir die Sonne seit vier Wochen nicht mehr gesehen hatten und nun «ritten» wir auf den Schneemobilen in den Sonnenuntergang. So wie man es aus den alten Western-Filmen kennt.

Am Ende dieses Monats geht die Rentier-Saison in Schweden für mich zu Ende. Denn sobald die schwerste Arbeit hier getan ist, werde ich mich wieder neu orientieren und Schweden schon bald für neue Abenteuer verlassen. Aber auch hier habe ich verschiedene Optionen, so kann es gut sein, dass ich in ein paar Wochen anfange als Skitouren-Führer zu arbeiten, oder gar in einen Minenschacht steige, um als Kumpel 500 Meter unter dem Boden mein Glück zu versuchen.

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