Alpstein
Eine 175-jährige Berggasthaus-Tradition: 1846 entstand auf dem Säntis eine erste Schutzhütte

Im Mai 1846 begann der 35-jährige Jakob Dörig auf dem Säntisgipfel eine einfache Schutzhütte zu bauen. Er begründete damit eine grosse Tradition, die zum heutigen Berggasthaus Alter Säntis führte.

Peter Eggenberger
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Die vor 175 Jahren eröffnete Unterkunft auf dem Säntis war eine überaus bescheidende Hütte, die Schutz gewährte.

Die vor 175 Jahren eröffnete Unterkunft auf dem Säntis war eine überaus bescheidende Hütte, die Schutz gewährte.

Bild: PD

Der 2502 Meter hohe Säntisgipfel war schon früh ein beliebtes Ziel für Berggänger und Naturfreunde. Im 19.Jahrhundert wurde immer häufiger der Wunsch nach einer Unterkunft laut, um vor allem bei Wetterumschlägen ein schützendes Dach vorzufinden. Nachdem auf dem 2681 Meter hohen Faulhorn in den Berner Alpen bereits 1823 und in den folgenden Jahren auf weiteren bekannten Schweizer Berggipfeln Gasthäuser eröffnet worden waren, schritt Dörig 1846 zur Tat. An einer günstigen Stelle erstellte er einen Bretterverschlag, dessen Türbalken er mit dem stolzen Schriftzug «Grand Hôtel Thörig» versah.

Ein Mordfall sorgt für Schlagzeilen

«Wo eingekehrt werden kann, herrscht Betrieb.» Diese Tatsache bewahrheitete sich auch auf dem Säntis, und der grosse Zulauf an Berggängern führte verschiedentlich zu Erweiterungen der anfänglich überaus bescheidenen Gast- und Nächtigungsstätte.

Für neuen Aufschwung sorgte dann die am 1.September 1882 eröffnete und 1887 ausgebaute Wetterwarte, und auch die späteren Bergwirte namens Dörig realisierten verschiedentlich Vergrösserungen des Berggasthauses.

1882 wurde die Säntis-Wetterwarte eröffnet und 1887 konnte ein Gebäude in Massivbauweise (im Hintergrund oben) bezogen werden. Ausgebaut worden war mittlerweile auch das Berggasthaus der Familie Dörig.

1882 wurde die Säntis-Wetterwarte eröffnet und 1887 konnte ein Gebäude in Massivbauweise (im Hintergrund oben) bezogen werden. Ausgebaut worden war mittlerweile auch das Berggasthaus der Familie Dörig.

Bild: PD

Ab 1919 wirkte das Wetterwart-Ehepaar Heinrich und Lena Haas-Räss mit grossem Pflichtbewusstsein auf dem Säntis. Die Ermordung der Eheleute durch den Österreicher Gregor Kreuzpointner am 21.Februar 1922 sorgte für Schlagzeilen weit über die Landesgrenzen hinaus. Einmal mehr rückte der zum Wetterberg gewordene Säntis in den Mittelpunkt des Interesses, und von Jahr zu Jahr nahm die Zahl der Besucher des Gasthauses der Familie Dörig zu.

Geplant war zuerst eine schienengebundene Säntisbahn

1896 begann der Bau der Jungfraubahn, die 1912 eröffnet wurde. Diese Pionierleistung liess in Innerrhoden fast zeitgleich die Pläne für eine Säntisbahn reifen. Und tatsächlich konnte 1912 das erste, von Appenzell bis Wasserauen führende Teilstück eröffnet werden. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs im Jahre 1914 verhinderte aber die Weiterführung via Meglisalp auf den Säntis.

Wenige Jahre nach Kriegsende rückte der Bau einer Luftseilbahn in den Fokus, zumal bereits im Jahr 1927 die Schwebebahn Bregenz–Pfänder in Betrieb genommen worden war. Am 31. Juli 1935 wurde schliesslich die Luftseilbahn von der Schwägalp auf den Säntis eingeweiht, womit die Innerrhoder Pläne einer schienengebundene Säntisbahn endgültig in tiefen Schubladen verschwanden.

Grosszügiger Ausbau

Als sich die Verwirklichung der Bahn abzuzeichnen begann, vergrösserte die Familie Dörig in weiser Voraussicht auf den zu erwartenden Mehrbetrieb das Gasthaus, das mit der Bahn samt neuem Restaurant zum «Alten Säntis» mutierte. 1972 übernahmen Hans und Maria Manser-Inauen den lebhaften Betrieb, und seit 2004 zeichnen Sohn Ruedi und Schwiegertochter Claudia Manser-Abderhalden für das gastliche Haus mit der grossen Tradition verantwortlich.

Das Berggasthaus Alter Säntis im Sommer 2017.

Das Berggasthaus Alter Säntis im Sommer 2017.

Bild: PD

Auch in den letzten Jahren erfolgte eine Reihe von Ausbauten, infrastrukturellen Verbesserungen und Anpassungen an gestiegene Komfortansprüche der Gäste. Wie ihre Vorgänger haben es auch die heutigen Wirtsleute verstanden, alt und neu auf eindrückliche Art zu verbinden und den einzigartigen Charakter des Berggasthauses Alter Säntis zu bewahren.

Quellen: «Das Berggasthaus Dörig auf dem Säntis» von Hermann Grosser und «Säntis, Ziel vieler Träume» von Hans Hürlemann