Alpgenossenschaft Wolzen feiert schweizweit einmalige Erfolgsgeschichte

Eine private Genossenschaft als Eigentümerin öffentlichen Waldes? Diese Ankündigung hat vor zehn Jahren weitherum Skepsis hervorgerufen. Doch aller Zweifel zum Trotz feierte die Alpgenossenschaft Wolzen am Dienstag im Fladehüsli ihr zehnjähriges Bestehen.

Anna Gasser
Merken
Drucken
Teilen
Wolzenalp-Mitglieder und weitere Beteiligte; im Vordergrund Verantwortlicher Älpler Urs Künzel (mit Bart) und Gattin Marlies (weisse Bluse). (Bild: Anna Gasser)

Wolzenalp-Mitglieder und weitere Beteiligte; im Vordergrund Verantwortlicher Älpler Urs Künzel (mit Bart) und Gattin Marlies (weisse Bluse). (Bild: Anna Gasser)

Am 20. November 2008 wurde die Alpgenossenschaft Wolzen gegründet. Die Alp stand im Besitz der Ortsgemeinde Wattwil. Als diese ihre Auflösung bekanntgab und ihren Alpen- und Waldbesitz verkaufen wollte, kam die Idee auf, dass die Bauern, die ihr Jungvieh auf der Wolzenalp sömmern, die Wolzenalp kaufen könnten. Im Januar 2008 ersuchte die Ortsgemeinde das Kantonsforstamt, den Verkauf von Alpen und Wald im Gebiet Bruggenwald an 19 genossenschaftlich organisierte Landwirte zu bewilligen.

Im Dezember 2008 bewilligte das Kantonsforstamt zwar den Verkauf des Waldes im Gebiet Bruggenwald, nicht aber denjenigen des Waldes Guetental. Es verweigerte die Bewilligung mit der Begründung, der Gesetzgeber wolle grosse Waldflächen im öffentlichen Eigentum, um keine Beeinträchtigung der Waldfunktionen zu riskieren.

Der abschlägige Bescheid motivierte Zwingli und seine Mannen, das Unmögliche zu probieren. Tatsächlich entschied das Verwaltungsgericht im Dezember 2010, die Bewirtschaftung von Wald durch Private stelle keine Gefährdung der Waldfunktionen dar und bewilligte den Verkauf an die Genossenschaft.

Mit Bergbahnen das Gebiet erschlossen

Markus Hobi, Leiter des landwirtschaftlichen Zentrums und Präsident der alpwirtschaftlichen Kommission des Kantons, hat das Geschehen in der Genossenschaft Wolzenalp mitgeprägt. Präsident Emil Zwingli habe im Laufe der Zeit manche Falte wegen der Wolzenalp bekommen, bei den zuständigen Behörden aber auch Falten hinterlassen, so Hobi mit einem Augenzwinkern. Er überbrachte einen «Alpkäse» aus Salez, der symbolisch für die gute Zusammenarbeit mit der Genossenschaft stehe.

Die Zusammenarbeit mit den Bergbahnen betrifft die Erschliessung des Alpgebietes, den Unterhalt der Hütten, welche im Winter von den Skiclubs genützt werden sowie die Waldbewirtschaftung zwecks Freihaltung der Pisten. Vom Skiclub Wattwil waren Sonja Trost, Präsidentin, sowie die Hüttenwarte Ives Stüssi und Bernie Schnyder und Noldi Aerne, Präsident des Skiclubs Neu St. Johann, anwesend.

Älpler als wichtige Partner für die Bauern

Die freundschaftliche Zusammenarbeit zwischen den Exponenten der Wolzenalp war spürbar. Die Genossenschaft, die den Wald und die Alp bewirtschaftet, darf stolz auf das Geleistete sein.

Eindrückliche Bilder zeigten, dass eine nachhaltige Waldbewirtschaftung ohne sichere Erschliessung der Zufahrtswege nicht möglich ist, die Waldbewirtschaftung aber auch von Privatpersonen professionell bewerkstelligt werden kann. Es sind die Strassen durch den Bruggen- und Rollenbergwald und vom Ebnater Steintal her diejenigen zu den Hütten, welche die Genossenschaft herausfordern. Unwetter, nicht mehr zeitgemässe Infrastruktur sowie Vorschriften der Agrarpolitik, machen die Sanierung von Strassen notwendig. Die zunehmenden Wildschwein-Schäden machen den Älplern zu schaffen, sie werden mit vielen freiwilligen Helfern bewältigt.

Emil Zwingli aus Wattwil ist Präsident der ersten Stunde Alp-Genossenschaft Wolzen. (Bild: Anna Gasser)

Emil Zwingli aus Wattwil ist Präsident der ersten Stunde Alp-Genossenschaft Wolzen. (Bild: Anna Gasser)

Unterstützung findet Zwingli bei den Mitgliedern, die bei den Arbeiten mitanpacken, ihre Zeit und Maschinen zur Verfügung stellen. Die Älpler Urs und Marlies Künzle sowie Köbi und Elsbeth Frei, der seit einigen Jahren für die hintere Alp «Wanne» zuständig ist, sind verlässliche Partner für die Bauern. Reto Hänni, Revierförster Ebnat-Kappel, lobte den Bauernstand, wo es noch Leute gebe, die für die Gemeinschaft etwas machen. «Galionsfigur» Zwingli sei es dank viel Leidenschaft gelungen, auf der einen Talseite die steilen Schutzwälder, auf der anderen die wuchskräftigen Wälder Richtung Tanzboden nachhaltig zu bewirtschaften. Das Gebiet rund um die Wolzenalp sei eine einzigartige Landschaft mit Naturwert und Wildbeständen – letztes Jahr wurde ein Auerhahn gesichtet –, welche es zu schützen gelte.

Die Feier klang nach der Verdankung von Zwingli und den Älplerfamilien bei Speis und Trank aus.