Albino-Buche entdeckt: Eine schneeweisse Laune der Natur begeistert die Betreiber des Baumwipfelpfades Neckertal

Förster sind beim Baumwipfelpfad Neckertal eine seltene Albino-Buche gestossen. Ab sofort können Besucher diese Rarität besichtigen.

Urs M. Hemm
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Die Albino-Buche hat schneeweisse Blätter. Zurzeit sind nur zwei weitere Exemplare bekannt.

Die Albino-Buche hat schneeweisse Blätter. Zurzeit sind nur zwei weitere Exemplare bekannt.

Bild: Baumwipfelpfad Neckertal (2018)

Seit ihrer zufälligen Entdeckung durch eine Gruppe Förster im Jahr 2018 wurde ihr genauer Standort geheimgehalten. Doch jetzt wurde entschieden, dieses Geheimnis zu lüften und die kleine Albino-Buche − eine äusserst seltene Laune der Natur − der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Und Mutter Natur hätte sich den Platz nicht besser aussuchen können. Denn das weissblättrige Gewächs wurde ausgerechnet auf dem Gelände des Baumwipfelpfads Neckertal entdeckt und ist nun Bestandteil des Lehrrundgangs.

Ein äusserst seltener Fund

Christof Gantner, Regionalförster der Waldregion 5 Toggenburg und Vizepräsident der Genossenschaft Baumwipfelpfad Neckertal sagt:

«Es freut mich natürlich sehr, eine derart seltene Pflanze bei uns zu haben und sie den Besuchern zeigen zu können.»

Weiter sagt er: «Ich war aber erstaunt, dass sie nicht schon früher entdeckt wurde. Denn ich schätze das Alter des etwa 40 Zentimeter hohen Baums auf ungefähr 15 Jahre.»

Um Energie zu sparen, welken und fallen die Blätter der Albino-Buche früher ab, als bei normalen Buchen.

Um Energie zu sparen, welken und fallen die Blätter der Albino-Buche früher ab, als bei normalen Buchen.

Bild: Baumwipfelpfad Neckertal (2018)

Genauer wolle er das Alter aber gar nicht wissen. Denn, um das herausfinden zu können, müsste er den Stamm anbohren, um die Jahresringe zählen zu können. «Ich glaube aber, dass wir die kleine Albino-Buche nicht diesem Stress aussetzen müssen. Zudem wäre die Bohrung der ideale Zugang für Schädlinge, welche den Fortbestand der Buche gefährden würden.»

Ein Verlust des Baumes wäre tragisch. Denn gemäss Christof Gantner sind zurzeit nur zwei weitere Exemplare dokumentiert: eines im Kanton Schwyz, das andere im Raum Süddeutschland.

Vermutlich wegen eines Gendefekts entstanden

An eine Erkrankung der Buche glaubt Christof Gantner nicht.

«Wäre der Baum krank, wären nur die Blätter vereinzelter Äste verfärbt, das Blattwerk der restlichen Äste wäre ganz normal grün.»

Vielmehr vermutet Christof Gantner, dass die Entstehung der Albino-Buche auf einen Gendefekt zurückzuführen ist, aufgrund dessen die Pflanze kein Blattgrün (Chlorophyll) produziert.

Dieses benötigt die Pflanze jedoch, um unter Mithilfe des Sonnenlichts Zucker zu produzieren, den die Pflanze zum Überleben braucht. «Damit die Buche dennoch am Leben blieb, mussten zahlreiche Zufälle zusammenspielen», erläutert er.

Die Bewirtschafter des Bamwipfelpfads Neckertal haben der Albino-Buche bereits einen Winterschnitt verpasst.

Die Bewirtschafter des Bamwipfelpfads Neckertal haben der Albino-Buche bereits einen Winterschnitt verpasst.

Bild: Urs M. Hemm

Der für ihr Durchkommen wohl wichtigste Zufall war, dass die feine Wurzel der Buchennuss, direkt auf eine Wurzel einer benachbarten, grossen Buche traf, mit dieser verwachsen konnte und mittlerweile ein richtiges Wurzelsystem gebildet hat. Christof Gantner sagt:

«Wir nehmen an, dass die grosse Buche, aber mutmasslich auch andere benachbarte Bäume, die Albino-Buche über dieses System mit Zucker und anderen überlebenswichtigen Nährstoffen versorgt.»

Dass die Albino-Buche genau weiss, dass sie mit diesen Nährstoffen sparsam umgehen muss beweist der Umstand, dass die Buche bereits jetzt Ende August ihre Blätter abgeworfen hat.

Um die Buche zu schützen, haben die Verantwortlichen des Baumwipfelpfads die Albino-Buche mit einem hohen Zaun umgeben. «Wir wollen so sicherstellen, dass die Besucher des Baumwipfelpfad noch lange Freude an der Albino-Buche haben können», sagt Christof Gantner.