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Serie

Advents-Serie Folge 3: «Ich vermisse in Australien den Schnee und das Winterwetter»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte. In dieser Folge kommt Urs Egli zu Wort, der im Obertoggenburg aufgewachsen ist und seit längerem in Australien lebt.
Aufgezeichnet von Christiana Sutter
Die Wurzeln dieser Familie aus Australien reichen bis ins Obertoggenburg: Elisabeth, Patrick, Louise, Urs und Charlotte Egli. (Bild: PD)

Die Wurzeln dieser Familie aus Australien reichen bis ins Obertoggenburg: Elisabeth, Patrick, Louise, Urs und Charlotte Egli. (Bild: PD)

Bevor Weihnachten kam, besuchte uns am 6. Dezember der Samichlaus. Ich habe immer ein Sprüchli gelernt. Lange habe ich an den Samichlaus geglaubt. Einmal parkierte er vor unserem Haus, da war es vorbei mit dem Glauben an ihn.

Am 24. Dezember verbrachten wir Kinder den Nachmittag bei unseren Grosseltern. Vater und Mutter haben derweil den Christbaum geschmückt. Wir hatten immer einen schönen, echten Weihnachtsbaum mit richtigen Kerzen. Die Kerzen tropften auf das Tischtuch, das ärgerte meine Mutter.

Es war Tradition, dass mein Vater einen Tannenzweig im Aschenbecher verbrannte. Der Duft versetzte uns dann erst so richtig in eine Weihnachtsstimmung. Wenn wir von den Grosseltern zurück nach Hause gekommen sind, war die Türe zum Wohnzimmer verschlossen, damit wir die Überraschungen noch nicht sehen konnten. Erst am Abend wurde die Stubentüre geöffnet. Bevor wir die Geschenke auspacken durften, wurde gegessen. Erst danach erhielten wir unsere Päckli.

Ein Geschenk, das mein Bruder Thomas und ich einmal erhalten haben, ist eine Märklin-Modelleisenbahn. Die ist jetzt hier in Australien – noch immer fein säuberlich in einer Schachtel verpackt. Nachdem wir alle Geschenke ausgepackt hatten, besuchte die ganze Familie den Mitternachtsgottesdienst in der Kirche in Alt St. Johann. Meine Eltern hatten kein Auto, darum sind wir immer zu Fuss nach Alt St. Johann und später wieder zurück nach Unterwasser gelaufen.

Hochsommerliche Feiertage

Seit Jahrzehnten lebe ich aber nicht mehr im Toggenburg, sondern in Australien. Hier ist alles ganz anders. An Weihnachten ist Hochsommer. Weihnachten hat mir zu Beginn in Australien überhaupt nichts bedeutet. Als Schweizer hatte ich mit der Hitze meine Mühe. Es ist über die Feiertage meistens rund 30 Grad warm, die Schulzeit neigt sich dem Ende zu und die Sommerferien beginnen.

Viele Australier gehen während dieser Zeit ans Meer in die Ferien. In der Stadt sind die Häuser mit Weihnachtsschmuck dekoriert. Alles ist sehr kitschig und übertrieben.

«Den Samichlaus gibt es hier nicht»

Die Bedeutung von Weihnachten ist aus meiner Sicht verloren gegangen. Den Samichlaus am 6. Dezember kennt man nicht, man sieht ihn nur in den Shopping Center. Seit ich eine Familie habe, feiern wir Weihnachten am 25. Dezember. Den Weihnachtsbaum kaufen wir ausserhalb Canberra auf einer Farm. Bereits drei Wochen vor Weihnachten stellen wir ihn in unserer Stube auf.

Die Geschenke werden darunter gelegt, dürfen aber erst am 25. Dezember geöffnet werden. Die Bescherung ist am Morgen. Danach gibt es ein grosses Frühstück. Das Mittagessen ist bei uns meistens dasselbe: Heisser Schinken, Gemüse und Salat. Nicht fehlen darf natürlich ein Dessert. Bei den meisten Australiern gibt es Früchtekuchen, nicht bei uns. Wir haben einen Schokoladenkuchen mit Rahm, der schmeckt uns viel besser.

Nach dem Festmahl spielen die Australier im Garten Football oder Cricket. Wir sind da auch wieder etwas anders. Wir geniessen die Gemütlichkeit mit der ganzen Familie. Es ist sowieso meistens zu heiss, um etwas zu unternehmen.

Bis Silvester kehrt Ruhe ein

Nach den Weihnachtstagen bis zum Silvester und Neujahr kehrt Ruhe ein. Die Australier geniessen die Ferien. An Silvester trifft man sich in der Stadt für ein grosses Silvesterfeuerwerk. Nach bald 34 Jahren in Australien, habe ich mich an die australische Weihnacht gewöhnt. Eigentlich eine schöne Zeit – egal wo man wohnt. Ich vermisse aber den Schnee und das kalte Winterwetter.

Vom Obertoggenburg nach Australien

Der 59-jährige Urs Egli ist zusammen mit einem älteren Bruder und zwei jüngeren Schwestern im «Konsum» in Unterwasser aufgewachsen. Er ist gelernter Buch- und Offsetdrucker. Heute arbeitet er als selbstständiger Gärtner. 1985 wanderte Urs Egli ohne grosse Englischkenntnisse nach Australien aus. 1991 heiratete er Louise. Sie haben heute drei erwachsene Kinder und wohnen in Canberra, der Hauptstadt Australiens. (csu)

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