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Advents-Serie Folge 18: «Ein Baby kann doch keine Geschenke kaufen»

Verschiedene Traditionen prägen die Advents- und Weihnachtszeit. Doch nicht in jedem Land und in jeder Familie wird auf die gleiche Weise gefeiert. Im Rahmen dieser Serie erzählen Menschen aus aller Welt ihre persönliche Weihnachtsgeschichte.

Flurina Lüchinger
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Helma Bos beginnt bereits Mitte November damit, ihr Haus festlich zu dekorieren. (Bild: Flurina Lüchinger)

Helma Bos beginnt bereits Mitte November damit, ihr Haus festlich zu dekorieren. (Bild: Flurina Lüchinger)

Ich lebe seit 30 Jahren in der Schweiz. So hat sich einerseits die Tradition in Holland, aber auch die Tradition meiner Familie laufend verändert. Aber als Kind waren für mich nicht die Weihnachtstage die bedeutungsvollsten Tage, sondern der 5. Dezember. Es ist der Tag, an dem der holländische «Samichlaus», der bei uns Sinterklaas heisst, Geburtstag hat und die Geschenke bringt. Die Kinder legen dafür Socken raus, die dann gefüllt werden.

Vom Sinterklaas und den Zwarten Pieten

Der Sinterklaas kommt schon Mitte November mit einem Dampfboot in Holland an. Jedes Jahr in einer anderen Stadt. Er wird begleitet von seinen Helfern, den «Zwarten Pieten». Es gibt einen riesigen Umzug und die Kinder bekommen Spekulatius, Weihnachtsmänner aus Schokolade und Lebkuchen. Früher gab es in den Läden bis zum 5. Dezember nur Sinterklaasdekoration zu kaufen. In der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember mussten die Mitarbeiter alles umbauen.

Helma Bos

Helma Bos, Jahrgang 1964, ist in der Nähe von Amersfoort in der Mitte von Holland aufgewachsen. Seit 1988 lebt sie mit ihrem Mann in der Schweiz. Die beiden haben drei Töchter. Helma Bos arbeitet als Bibliothekarin und im Spital Wattwil. (fll)

In Holland hängt die Art der Feier auch davon ab, ob man katholisch oder reformiert ist. Ich bin katholisch getauft und deshalb sind wir am 24. Dezember immer in die Mitternachtsmesse gegangen. Danach gab es ein Festmahl aus kalten Speisen. Katholiken hatten eine Weihnachtskrippe und die Reformierten hatten einen Weihnachtsbaum. Meine Eltern haben die Krippe sehr sorgfältig aufgebaut und gepflegt. Die Familie steht im Vordergrund. Man macht über die Weihnachtstage viele Besuche zu allen möglichen Verwandten.

Geschenke nach dem Zufallsprinzip

Meine drei Töchter sind alle hier in der Schweiz geboren. Mein Mann und ich wollten uns anpassen und deswegen sind meine Töchter mit dem Samichlaus aufgewachsen. Von ihren Grosseltern, die immer noch in Holland wohnen, haben sie trotzdem niederländische Süssigkeiten bekommen. Ans «Christchindli» haben die drei aber nie geglaubt. «Ein Baby kann doch keine Geschenke einkaufen», haben sie gesagt. Da war dieses Thema erledigt.

Nun sind alle erwachsen und seit etwa fünf Jahren verteilen wir die Geschenke nach einem Zufallsprinzip. Es wird ausgelost, wer wem ein Geschenk macht. Die Geschenke sollen nicht teuer sein. Das Beisammensein und die Gemütlichkeit stehen im Vordergrund. Ich muss manchmal an Weihnachten sogar arbeiten, da ich im Spital angestellt bin. In die Kirche gehen wir nicht mehr. Oft verreisen wir zum Beispiel zum Skifahren. Weihnachten soll Erholung sein. In Holland war es früher eher eine hektische Angelegenheit.

Mitte November beginne ich, mein Haus festlich zu dekorieren. Zudem kaufe und schmücke ich den Baum immer schon Mitte Dezember. Das mache ich auch eher nach holländischer Tradition. Hier in der Schweiz dekoriert man den Baum meistens erst am 24. Dezember.

Alle Folgen der Advents-Serie finden Sie hier