Advent – Warten und Hören

Die Kantorei Toggenburg trat am Samstagabend zum ersten Mal mit ihrem neuen Dirigenten Stefano Bertoni im Toggenburg auf. Die katholische Kirche in Lichtensteig war der Ort der absoluten Aufmerksamkeit.

Cecilia Hess-Lombriser
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Die Kantorei Toggenburg unter der Leitung von Stefano Bertoni. Rechts die Lautenistin Simona Umarov. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Die Kantorei Toggenburg unter der Leitung von Stefano Bertoni. Rechts die Lautenistin Simona Umarov. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Es war anders geplant. Eine halbe Stunde vor Konzertbeginn gab es einen Schreckmoment. Ein Kind stolperte über die Theorbe, nebst der Laute das zweite Instrument von Simona Umarov. Die über einen Meter lange Theorbe fiel regelrecht auseinander. Zwei Programmpunkte mussten deshalb ausfallen.

Die 24-Jährige, die zurzeit im Masterstudiengang Laute an der Staatlichen Hochschule für Musik Trossingen studiert, nahm es gelassen. Und unweigerlich bekam das Thema des Adventkonzertes eine zusätzliche Bedeutung. Bestimmt hatten sich einige der Konzertbesuchenr auf das selten gehörte Instrument gefreut, hatten darauf gewartet, es in seinem Klang kennen zu lernen. Das Warten trägt zwar ein Ziel in sich; manchmal aber auch die Veränderung.

Renaissance-Laute betonte die Stille

Das Konzert der Kantorei Toggenburg stand unter dem Thema des Advents – der Zeit des Wartens. Das Vokalensemble sang in Lichtensteig mit vier Sopranstimmen, drei Alt-, drei Tenor- und zwei Bassstimmen. Während der anspruchsvollen Literatur aus sieben Jahrhunderten zeigte sich, dass ein paar Sängerinnen und Sänger zur Förderung eines ausgeglichenen Chorklangs gut tun würden. Nichts desto trotz zeigte sich das Vokalensemble mutig, alte Gesänge a cappella zu singen; mehrstimmige Gesänge, die teilweise mit verschobenem Text und mit gleichzeitig unterschiedlichem Tempo gesungen wurden.

«Nun komm der Heiden Heiland» von Johann Crüger machte den einfachen, ruhigen und klaren Auftakt. Vom ersten Moment an war nur das Atmen der Frauen und Männer im Chor zu hören; das Publikum schien ihn anzuhalten. In diese Stille meldete sich die Renaissance-Laute mit einem Vorspiel zum ältesten Stück des Abends, dem «Angelus ad virginem», die volkstümliche Verkündigungs-Erzählung in einer dreistimmigen Vertonung aus einem irischen Gesangsbuch um 1360.

Schlichtheit, die sich in Herzen senkte

Es gab Lieder mit bekannten Motiven aus der Vorweihnachtszeit und doch anders gesetzt und eindringlich mit den wenigen Stimmen ohne jegliche Begleitung. Eine einzige Strophe begleitete die Lautenistin auf der Laute. Dazwischen spielte sie solo.

Es war diese Schlichtheit, die sich in die Herzen senkte, die innehalten und einfach da sein liess. Maria wurde in mehreren Liedern besungen, die Mutter des Erlösers, Christus. «Ne timeas, Maria» etwa, nach Lukas 1,30-32 aus dem Jahr 1572. Melodiös, musikalisch, lebendig und mit Verzierungen.

Stefano Bertoni dirigierte klar und seine Mimik gab zusätzlich Botschaften; etwa, mit freundlichem Gesicht zu singen. Da war auch «Avis maris stella» von Edvard Grieg, schön in der Dynamik und in den Tempi herausgearbeitet. Und anders und ungewohnt erklang das bekannte Lied «O Heiland, reiss die Himmel auf» von Johannes Brahms in unterschiedlichen Satztechniken. Den Gesängen in der Zeit des Wartens lag Trost, Demut und Frieden.