Abschied vom «Landhaus»: Weshalb Maria-Luise und Franz Abt nach 28 Jahren ihre Tätigkeit als Wirtsleute in Bazenheid beenden

Am Sonntag, 29. März, nehmen die beiden mit einer grossen Portion Wehmut Abschied. In der letzten Märzwoche werden sie ihre treuen Gäste nochmals mit einem Spezialmenu verwöhnen.

Beat Lanzendorfer
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Die Wirtsleute Maria-Luise und Franz Abt verlassen das Restaurant Landhaus in Bazenheid mit einer grossen Portion Wehmut – sie werden aber weiterhin im Dorf wohnen.

Die Wirtsleute Maria-Luise und Franz Abt verlassen das Restaurant Landhaus in Bazenheid mit einer grossen Portion Wehmut – sie werden aber weiterhin im Dorf wohnen.

Bild: Beat Lanzendorfer

Vor fast drei Jahrzehnten sind Maria-Luise und Franz Abt ins Toggenburg gekommen. Sie fühlten sich vom ersten Tag an willkommen und sind als Wirtsleute im Bazenheider «Landhaus» heimisch geworden.

Beide betonen, dass sie den Zeitpunkt ihres Ruhestandes selbst bestimmen wollten, deshalb hätten sie schon vor einem Jahr den Termin ihres Abschieds festgelegt. Sowohl Maria-Luise als auch Franz sind 1953 zur Welt gekommen.

Erinnerungen an den ersten Arbeitstag

Beide nicken auf die Frage, ob sie sich noch an ihren ersten Arbeitstag im Toggenburg erinnern – es war der 4. Dezember 1992. «Vom Start weg war einiges los, weil sich viele bereits an unserem vorgängigen Arbeitsort in Disentis meldeten und telefonisch Reservationen vornahmen», sagt Franz Abt. «Und für den zweiten Tag hatte die Musikgesellschaft Bazenheid bereits den Saal gebucht», ergänzt Ehefrau Maria-Luise.

Auf das «Landhaus» seien Abts in der Gastrozeitung aufmerksam geworden. Ursprünglich wollten sie wieder ein Hotel übernehmen, weil sich nichts Passendes ergab, sei die Wahl auf Bazenheid gefallen – den Entscheid hätten sie nie bereut. Auch deshalb, weil sie von Anfang an viele Stammgäste hatten. «Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, von denen uns viele über Jahre die Treue hielten, trugen viel zum Erfolg bei», sagt der gelernte Koch Franz, der hier im «Landhaus» elf junge Menschen zu Köchen ausbildete.

Die ersten sechs Jahre führten sie das «Landhaus» in Pacht. Im Jahre 1998 haben sie sich entschieden, das Restaurant mit den zugehörigen Wohnungen käuflich zu erwerben. Mit der Renovation der Fassade im Jahre 2003 sowie einem Facelifting im Innenbereich zwei Jahre später erfuhr das Gebäude eine zusätzliche Aufwertung.

Klar hätten sie auch schwierigere Zeiten durchlebt. «Nach der Eröffnung der Umfahrungsstrasse im Jahre 2006 fehlte der Durchgangsverkehr, der uns speziell am Wochenende viele Gäste bescherte», erklärt Maria-Luise. Dafür wurde ein Besuch der Gartenwirtschaft im Sommer ohne Verkehrslärm wieder angenehm und gemütlich.

Die Suche nach Nachfolgern war bisher erfolglos

Was passiert mit dem «Landhaus»? «Wir sind seit längerem auf der Suche nach einem Nachfolger und würden das Restaurant gerne verpachten, leider hat sich bis jetzt noch nichts ergeben», sagt Franz. Den abtretenden Wirtsleuten ist bewusst, dass die Gastronomie ein unberechenbares Geschäft sei. Das «Landhaus» habe aber einen Saal mit guter Auslastung und könne besonders über Mittag auf viele Kunden zählen. «Wir haben Stammgäste, die kommen seit 28 Jahren zu uns und nehmen praktisch täglich das Mittagessen bei uns ein», sagt Maria-Luise stolz.

Beide sind überzeugt, dass das Gasthaus einem tüchtigen Ehepaar ein gutes wirtschaftliches Auskommen bietet. Vorderhand wollen sie sich etwas Zeit lassen, sollte sich in den kommenden sechs Monaten aber nichts ergeben, sei eine Umnutzung in Wohnungen angedacht. Mit einer solchen Lösung dürften die vielen Vereine im Dorf und der näheren Umgebung kaum glücklich sein. Der «Landhaus»-Saal bietet ihnen den Platz, den sie für ihre Versammlungen benötigten.

Apropos Vereine: Als ehemaliger Kassier und späterer Revisor des FC Bazenheid hat sich Franz auch auf Vereinsebene engagiert. Ebenso Maria-Luise: Als Mitglied des örtlichen Kirchenchors, ehemalige Aktuarin von Gastro Toggenburg und einstige Präsidentin des Handwerker- und Gewerbevereins der Gemeinde Kirchberg fühlt sie sich gut im Dorf und in der Gemeinde aufgehoben.

Freundschaften pflegen und neue Kontakte knüpfen

«Noch bewirten wir unsere Gäste ein paar Wochen hier», meint Maria-Luise auf die Frage, was danach kommt. «Wir werden uns zuerst daran gewöhnen müssen, mehr freie Zeit zur Verfügung zu haben. Diese werden wir bestimmt dazu nutzen, Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.» Und dann sollen vermehrt Besuche der längst flügge gewordenen Kinder hinzukommen. Sohn Florian, mittlerweile 32, wohnt in Winterthur, die zwei Jahre ältere Michaela hat es nach London verschlagen.

Beim Abschied bedanken sich Maria-Luise und Franz Abt herzlich: «Wir hatten 28 wunderschöne Jahre mit vielen treuen Gästen aus der ganzen Region. Die gemütlichen Stunden im Restaurant werden wir vermissen. Wir beenden unsere Tätigkeit mit grosser Zufriedenheit, wir waren und sind immer noch sehr gerne das Wirtepaar im ‹Landhaus›.»

Und dann wäre da noch ein Anliegen, das sie noch anbringen möchten: «Wir bitten alle, die noch im Besitz von Gutscheinen sind, diese bis am 29. März einzulösen.»