Abschied
«Nicht bereit, Pensum zu verringern»: Pfarrer Oliver Gengenbach verlässt nach neun Jahren Mogelsberg

«Ein Teil mag mich, ein anderer weniger.» Oliver Gengenbach ging zwar stets auf die Menschen zu, er liess sich aber auch nicht verbiegen und stand zu seinen Prinzipien und zu seinem Glauben. Jetzt zieht es den evangelischen Pfarrer der Kirchgemeinde Unteres Neckertal von Mogelsberg nach dem bernischen Kirchberg.

Urs M. Hemm
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«Manchmal ist es mir durch gefühlvolles ‹Nachbohren› gelungen, die Menschen zu erreichen, manchmal aber auch nicht. Der Zeitpunkt zu gehen ist jetzt sicher richtig», sagt Oliver Gengenbach, scheidender evangelischer Pfarrer von Mogelsberg.

«Manchmal ist es mir durch gefühlvolles ‹Nachbohren› gelungen, die Menschen zu erreichen, manchmal aber auch nicht. Der Zeitpunkt zu gehen ist jetzt sicher richtig», sagt Oliver Gengenbach, scheidender evangelischer Pfarrer von Mogelsberg.

Bild: Urs M. Hemm

Seit 2013 sind Sie evangelischer Pfarrer in der Kirchgemeinde Unteres Neckertal. Woher kamen Sie damals und warum zieht es Sie nach fast neun Jahren weiter?

Ich kam damals 2013 vom Bundesamt für Migration, dem heutigen Staatssekretariat für Migration, für welches ich in verschiedenen Funktionen während zwölf Jahren arbeitete. Und warum ich jetzt fortziehe? Zum einen, weil die Stellenprozente wegen schwindender Mitgliederzahlen gekürzt werden. Ich habe noch zehn Jahre Arbeit vor mir und bin nicht bereit, mein Pensum zu verringern. Zum andern ist die neue Stelle im bernischen Kirchberg näher bei meiner Partnerin. Sie wohnt jetzt eineinhalb Stunden mit dem Auto von mir entfernt, nachher sind es noch 35 Minuten. Ausserdem liegen meine akademischen Wurzeln in Basel und in Bern, wo ich noch viele Freunde habe.

Ganz offenbar sind die sogenannten Staatskirchen in einer Krise, viele Mitglieder laufen ihnen davon. Worauf führen Sie das zurück?

Nicht nur Staats- oder Landeskirchen haben dieses Problem, auch manche Freikirche. Es ist eine Mischung aus vielen Faktoren, die meines Wissens noch niemand genau festzulegen vermochte. Es gibt Freikirchen, die jung, hipp und sehr energisch sind und Zulauf haben. Es gibt auch landeskirchliche Gemeinden, die wachsen. Es ist ein sehr breites Gebiet, in welchem ich mich nur verirren kann, es ist ganz schwierig.

Sie gehen nach Kirchberg in den Kanton Bern. Was reizt Sie an der neuen Aufgabe?

Kirchberg ist eine neue und andere Herausforderung. Dort sind es rund 7000 Gemeindemitglieder und fünf Pfarrpersonen. Zwei davon sind zu hundert Prozent angestellt. Die anderen haben ein Pensum zwischen 20 und 90 Prozent. Es gibt auch dort einen Mitgliederrückgang, jedoch nicht so, dass ich um meine Stelle fürchten müsste. Das neue Umfeld reizt mich. Sicher habe ich die Menschen im Toggenburg sehr gern gewonnen. Ein Teil mag auch mich, ein anderer weniger. Ich habe mir stets Mühe gegeben, die Menschen für mich und für das Evangelium zu gewinnen. Manchmal ist es mir durch gefühlvolles «Nachbohren» gelungen, die Menschen zu erreichen, manchmal aber auch nicht. Der Zeitpunkt zu gehen ist jetzt sicher richtig.

Mit welchen Zielen kamen sie im Jahr 2013 nach Mogelsberg?

Mein Vorsatz war, die Gemeinde zu einen und als Seelsorger mit den Menschen auf Augenhöhe Kontakt zu haben. Verschiedene Faktoren haben es erschwert, dies umzusetzen. Dennoch liess ich mich nicht abhalten. Ich durfte und wollte die tolle Botschaft des Evangeliums verkünden, die Botschaft des Lebens in Jesus Christus. Dieses Ziel habe ich erreicht.

In der Kirchgemeinde Unteres Neckertal arbeiteten Sie auch in zwei paritätischen Kirchen, Mogelsberg und Oberhelfenschwil. Wie verlief die Zusammenarbeit mit ihren katholischen Kolleginnen und Kollegen?

Die Zusammenarbeit lief und läuft noch immer sehr gut. Wir haben ein sehr gutes, ich würde sogar sagen freundschaftliches Verhältnis.

Sie spielen Piccolo in einem Schiisdreck Zügli an der Basler Fasnacht. Hatte die Nähe von Bern zu Basel einen Einfluss auf ihren Entscheid?

Im weitesten Sinne ja. Aber es ist, wenn schon, mehr die Nähe zu meiner Partnerin, die mich zu diesem Wechsel bewogen hat, nicht die Basler Fasnacht. Die kulturelle Nähe zu Basel möchte ich dennoch nicht in Abrede stellen.

Was wünschen Sie sich persönlich für die Weihnachtszeit?

Dass ich die Kraft habe, das Zügeln und alles, was dazu gehört, durchzustehen. Wichtiger jedoch ist, dass die Menschen wieder ein wenig mehr Licht in ihr Herz und in ihren Sinn bekommen.

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