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Wenn anstelle des Pianisten ein Gitarrist auftritt

Swing Thing, ein Quartett um die Zürcher Sängerin Dela Hüttner, trat am Samstagabend bei Behind the Bush in Lichtensteig auf. Es wurde ein stimmungsvolles Konzert mit viel Platz zum Tanzen - und mit einer überraschenden Neubesetzung als Vertretung.
Michael Hug
Swing Thing mit Samir Böhringer, Dela Hüttner, Mario Mauz und Adrian Mira (von links) am Samstag bei Behind the Bush. (Bild: Michael Hug)

Swing Thing mit Samir Böhringer, Dela Hüttner, Mario Mauz und Adrian Mira (von links) am Samstag bei Behind the Bush. (Bild: Michael Hug)

«Original abgehört» heisst das moderne, vergeisterte Synonym für den schon etwas älteren Begriff «Cover». Ein Cover ist eine kopierte, möglicherweise auch neu arrangierte Interpretation von einem Originalmusikstück. Ein Cover ist eine Kopie, nicht unbedingt eine 1:1-Kopie, stark verzerrt manchmal, ein Abklatsch gelegentlich auch.

Original abgehört heisst nun so viel wie: gut zugehört und nachgespielt. Was nicht unbedingt abwertend gemeint und auch keine Abwertung des Kopierten sein muss. Denn Covers können mitunter besser sein, gar höhere Verkaufszahlen erreichen als das Original. Man denke nur an Janis Joplins «Me and Bobby McGee» (Original: Kris Kristofferson) oder «Knockin’ on Heaven’s Door» in der Interpretation von Gun’s and Roses (Original: Bob Dylan).

Ein Gitarrist anstelle des Pianisten

Dela Hüttner und ihre Band Swing Thing bedienen sich lustvoll berühmter Originale wie «La petite fleur» von Sidney Bechet, das in den Sechzigern von Chris Barber und später von Josephine Baker berühmt gemacht wurde. Zu jedem Lied wusste die Zürcherin eine Geschichte zu erzählen. «Ich arrangiere die Songs für meine Band», sagt Dela Hüttner. Die Band, die nicht so wie vorgesehen in Lichtensteig ankam und aufspielte: «Mein Pianist hat sich an der rechten Hand verletzt und kann heute nicht spielen.»

Anstelle des Pianisten fand die Bandleaderin einen Gitarristen in der Person von Mario Mauz. Der zwar die Songs kennt, aber dennoch seinen Blick stets auf dem Notenblatt richten musste. Dabei war er nicht der Einzige: Auch Dela Hüttner las ihre Texte von einer Vorlage ab, selbst ihren selbstkomponierten Song «Honey».

Lieber tanzen als sich mit Details aufhalten

Darüber kann man hinwegsehen. Die etwas spärlich erschienenen Zuschauenden hielten sich nicht mit solchen Details auf. Sie wollten schönen Jazz geniessen und bei Gelegenheit auch dazu tanzen. Die Gelegenheit hatten sie, sie taten es deshalb ausgiebig und gaben so auch ein bisschen sich selbst warm. Denn es war kühl im Toggenburg nach dem Einnachten, ebenso kühl war’s auch «hinter dem Busch», trotz des Lagerfeuers vor dem Lokal.

Der Stimmung tat das keinen Abbruch, ein heisser Tee oder ein runder Rotwein und die Songs von Henri Mancini («Arabesque»), Benny Goodman oder Duke Ellington, mit Texten von Arthur Rimbaud oder Kurt Weill gaben Wärme ums Herz und sonst wo auch. Dann überraschte Dela Hüttner mit einem Klezmer von Abraham Ellstein: «Abi gezunt» – Hauptsache gesund.

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