Ab jetzt knallt's in Wattwil: In zwei Jahren und nach rund 300 Sprengungen soll der Umfahrungstunnel Lochweidli fertig sein

Für die Umfahrung Wattwil wird ab kommender Woche der 305 Meter lange Tunnel Lochweidli durchs Gestein getrieben. Am Mittwochmorgen wurde der Bau feierlich gestartet. Bis zum Durchstich werden rund 300 Sprengungen nötig sein.

Urs-Peter Zwingli
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Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
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Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
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Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
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Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.
Regierungsrat Marc Mächler.
Regierungsrat Marc Mächler.

Die Bauarbeiten am Tunnel Lochweidli in Wattwil beginnen.

Hanspeter Schiess

Als zwischen den Stützmauern, die auf die Felswand zulaufen, das Kommando zur Sprengung ertönt, geht ein Raunen durch die Menge. Dutzende Bauarbeiter, Gemeindepolitiker und Ehrengäste zücken ihre Handykameras. Der St.Galler Bauchef Marc Mächler hält den Auslöser für die Sprengung in der Hand und freut sich sichtlich. Mächler hatte wenige Minuten zuvor in seiner Rede gesagt:

«Als ehemaliger Artillerieoffizier gefällt es mir, wenn es am richtigen Ort knallt.»
Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des Baudepartements des Kantons St.Gallen.

Regierungsrat Marc Mächler, Vorsteher des Baudepartements des Kantons St.Gallen.

Hanspeter Schiess

Doch sein Druck auf den roten Knopf löst kein Dynamit aus, sondern «nur» ein doch recht heftiges Feuerwerk aus Böllern, Rauchpetarden, Vulkanen und Raketen.

300 Sprengungen mit Dynamit 

Diese erste Sprengung für den Tunnel Lochweidli war nur symbolisch und Teil einer Eröffnungsfeier am Südportal, mit der am Mittwochmorgen der Bau offiziell begonnen hat. Ab nächstem Montag wird hier, auf einer Anhöhe in der Nähe von Wattwil, dann mit richtigem Dynamit gearbeitet: Tunnelbauspezialisten werden Sprengladung um Sprengladung anbringen, um das Gestein zu durchdringen. Der leitende Bauingenieur Harald Kompatscher schätzte an der Eröffnungsfeier:

«Rund 300 Sprengungen braucht es bis zum Durchstich.»

2021 soll der 305 Meter lange Tunnel Lochweidli fertig sein. Er ist das auffälligste Bauwerk in der Umfahrung Wattwil. Diese ist seit August 2018 im Bau und wird im Herbst 2022 dem Verkehr übergeben. Für 123 Millionen Franken wird die Strasse das Wattwiler Zentrum vom Durchgangsverkehr entlasten. Heute rollen laut kantonaler Statistik täglich bis zu 12'000 Fahrzeuge durch den Toggenburger Hauptort.

Heilige Barbara um Schutz gebeten

«Der Tunnel ist sehr kurz, er stellt für uns keine besondere Herausforderung dar», sagt Bauingenieur Kompatscher, der während acht Jahren am Gotthardtunnel mitgearbeitet hat. Dennoch wurde in der Eröffnungszeremonie immer wieder die Heilige Barbara um Beistand gebeten. Sie ist die Schutzheilige der Berg- und Tunnelbauer – und auch der Artilleristen, wie Ex-Offizier Mächler betont hatte.

Der 4. Dezember ist zudem der Barbaratag, der der christlichen Märtyrerin gewidmet ist. Wie auf den meisten Tunnelbaustellen wurde auch beim Wattwiler Lochweidli eine Statue der Heiligen aufgestellt, geschmückt mit sich überkreuzenden Spitzhacken und Spaten.

Dunkelheit, Staub und Feuchtigkeit

«Der Tunnelbau ist dank des technologischen Fortschritts immer sicherer geworden», sagte René Röthlisberger, Geschäftsführer der Firma Heitkamp, die den Tunnel gemeinsam mit der Firma Strabag erstellt.

«Dennoch ist die Arbeit im Tunnel deutlich gefährlicher als jene auf einer normalen Baustelle.»

Dazu tragen gemäss Röthlisberger Dunkelheit, Staub und Feuchtigkeit sowie immer wieder unbekannte Faktoren im Berg bei.

Der Fokus auf die Sicherheit sei darum in der Ausbildung und während der Arbeit sehr hoch. Im Lochweidli wird beispielsweise während des Baus teilweise mit einem sogenannten Rohrschirm gearbeitet: Dabei werden Stahlrohre entlang dem Tunnelprofil ins Gestein getrieben, danach erst wird das Gestein im Schutz dieses Schirms ausgesprengt. Ob und wie häufig man sich an die Heilige Barbara wende, sei natürlich individuell, so Röthlisberger.

«Dennoch, der Tunnelbau ist eine spezielle, eigene Welt. Man begrüsst sich am Morgen bei Arbeitsbeginn mit ‘Glück auf’, dem traditionellen Grusswort der Mineure. Die heilige Barbara ist dabei immer im Hinterkopf.»

Und Kompatscher erzählt von Baustellen, auf denen bei jedem Schichtwechsel im Barbaraschrein eine neue Kerze angezündet wird.

«Wie segnet man einen Tunnel?»

Andreas Schönenberger, Pfarrer der katholischen Seelsorgeeinheit Neutoggenburg, segnete anschliessend mit Weihwasser den Tunnel, an dessen noch unberührter Wand Tannenzweige, ein grosses Holzkreuz sowie die St.Galler, die Schweizer und die Wattwiler Fahne hingen.

«Da ich noch nie einen Tunnel gesegnet habe, musste ich zuerst überlegen, wie ich das machen soll», sagt Schönenberger zu Beginn seiner Ansprache. Tatsächlich ist bergmännischer Tunnelbau im Kanton St.Gallen sehr selten: Wie das Baudepartement gestern in einer Mitteilung schrieb, kommt diese Technik im Kanton nur etwa alle zehn Jahre zum Einsatz.

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