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70 Jahre Sonderschulinternat Hemberg: «Spannungsfeld zwischen Spardruck und Herausforderungen in der Betreuung ist gross»

Das Sonderschulinternat Hemberg ist 70 Jahre alt. Für einen Tag gab es einen räumlichen Perspektivenwechsel.
Cecilia Hess-Lombriser
Kinder und Erwachsene des Sonderschulinternats Hemberg haben sich für das Bild formiert. Bild: PD

Kinder und Erwachsene des Sonderschulinternats Hemberg haben sich für das Bild formiert. Bild: PD

Eine fröhliche Reisegesellschaft war am Dienstag unterwegs. Von Lutertannen auf die Schwägalp zu Fuss, dann mit der Bahn auf den Säntis. Das Sonderschulinternat Hemberg (SIH) gönnte sich einen Perspektivenwechsel. «Wir sehen den Säntis jeden Tag, doch die wenigsten der Schülerinnen und Schüler haben die Möglichkeit, auch mal hoch zu fahren und von dort hinunter auf Hemberg zu sehen», sagte Daniel Lehmann, Institutionsleiter SIH, im Vorfeld des Ausflugs.

Eine zeitliche Perspektive ermöglicht die Ausgabe des Jahresberichtes 2018, die als Sonderausgabe erschienen ist und einen umfassenden Einblick in die Geschichte des ehemaligen Kinderheims Heidi bis heute bietet. Dass der Wandel, die Herausforderungen und die Entwicklung weitergehen, macht Lehmann im Gespräch bewusst.

Gründerin Flori Miesch war starke Persönlichkeit

Der Jahresbericht enthält einen Teil zum 70-jährigen Bestehen des SIH. Der ehemalige Präsident Peter Sbalchiero schreibt über seine eigenen Erfahrungen im damaligen Kinderheim Heidi, von der Gründerin Flori Miesch mit ihrem «ausgeprägten Gründer- und Pioniergeist, gepaart mit starker Persönlichkeit und Eigenwilligkeit», und vom Wandel bis zur Anerkennung als Sonderschule durch das Bildungsdepartement des Kantons St.Gallen 2004. Abschliessend stellt er fest: «Das SIH ist ein Ort, an dem Kinder und Jugendliche einen Teil ihres Lebensweges gehen dürfen und Rüstzeug für ihre Zukunft erhalten. Ein Ort, an dem sie Fürsorge und Wertschätzung erfahren und lernen, dass man auch mit Schwächen im Leben Erfolg haben kann und diese Teil unseres Lebens sind.»

Lehmann geht in seinem Beitrag auf die Werte in der Institution ein. Ehemalige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erzählen von ihren Erfahrungen, von den Veränderungen, von Persönlichkeiten und Anforderungen, die laufend gestiegen sind. Zwei Hemberger erinnern sich, wie sie die Heimkinder wahrnahmen, als sie selber noch zur Schule gingen und ehemalige Schüler gehen auf Fragen von Lehmann ein und zeigen sich dabei kritisch. Alte Fotos und ein zeitlicher Ablauf der Geschichte und der Veränderungen des SIH runden den Sonderteil ab.

Eine fröhliche 67-köpfige Wandergruppe

Am Dienstag ging es also auf den Ausflug. Je länger die Wanderung bei prächtigem Hochsommerwetter dauerte, desto mehr zog sich die Gruppe auseinander. Es wurde getratscht und gelacht, gesungen, bis die Lieder ausgingen. Es gab mehr Pausen, als für die Strecke nötig gewesen wären. Der Lunchsack musste leer werden. Laut war es dann in der Bahn auf den Säntis und diszipliniert ging es während des einfachen Mittagessens im Panorama-Restaurant zu und her. Die Regeln sind im SIH klar, das war spürbar; die Individualität und das Temperament dürfen trotzdem ausgelebt werden.

Vor zwei Jahren trat Lehmann die Nachfolge von Marcel Recher als Institutionsleiter an. Im Frühling dieses Jahres bewilligte das Bildungsdepartement das neu erarbeitete Betriebskonzept. Auf dessen Grundlage kann sich das SIH weiterentwickeln. Seit sich die IV 2008 aus der Finanzierung der Sonderschulung zurückzog und die Verantwortung für den Sonderschulbereich an die Kantone überging, mussten alle Kantone ein eigenes Sonderpädagogikkonzept erarbeiten. Im Kanton St.Gallen trat dieses 2015 in Kraft.

«Die wesentlichen Änderungen sind die Finanzierung und die Verteilung der Sonderschulplätze. Im alten System hatten die Sonderschulen eine Defizitgarantie. Sie mussten aufgrund der Schülerzahlen ein Budget erstellen und einreichen und dieses wurde vom Kanton genehmigt. Ein allfälliges Defizit wurde Ende Jahr ausgeglichen. Seit 2015 werden wir über Pauschalen finanziert. Es gibt pro Schüler eine Tagespauschale für die Schule und das Internat. Zusätzliche gibt es eine jahrespauschale Infrastruktur», erklärt Lehmann. Dieses neue System bringe Vor- und Nachteile. Die Schulen könnten die Finanzen freier einsetzen und Prioritäten setzen. Auf der anderen Seite sei der Druck gestiegen. «Für uns als kleine Schule ist dies eine grosse Anspannung und schwierig zu planen», betont Lehmann.

Sonderschulinternat in einem Spannungsfeld

Die grösste Veränderung sei dadurch passiert, dass im Kanton St.Gallen die Sonderschulplätze neu verteilt wurden. «Internatsplätze wurden zu Gunsten von Tagesschulplätzen abgebaut. Zwei Tagessonderschulen sind entstanden. Unsere Internatsplätze wurden auf 20 limitiert. Um unsere Schule betriebswirtschaftlich führen zu können, brauchen wir jedoch 27 Internatsplätze», informiert der Institutionsleiter weiter. Das SIH könne die Plätze mit ausserkantonalen Schülern kompensieren. Ob es jedoch immer genügend ausserkantonale Zuweisungen geben werde, sei offen.

«Die Planungssicherheit fehlt uns», macht Lehmann bewusst. Ziel der Politik sei, so wenig Internat wie möglich. «Dabei gibt es viele Schülerinnen und Schüler, für die das Umfeld eines Internats wichtig ist, um sich überhaupt auf die Schule einlassen zu können. Störend ist, dass die Plätze anzahlmässig limitiert wurden und der effektive Bedarf unbeachtet bleibt», kritisiert er. Im SIH sei spürbar, dass Schülerinnen und Schüler länger in der Regelschule blieben und die Betreuung und Beschulung dadurch aufwendiger geworden sei. «Dieses Spannungsfeld zwischen Spardruck und Herausforderungen in der Betreuung ist gross. Ich denke, langfristig wird es wieder mehr Raum für flexible und individuelle Lösungen brauchen», ist Lehmann überzeugt. Er wünscht sich, dass das Sonderpädagogikkonzept flexibler gestaltet werde.

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