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68-jähriger Toggenburger erklimmt alle sieben Churfirsten an einem Tag

Der 68-jährige Beat Boller hat alle Churfirsten an einem Tag bestiegen und seinen persönlichen Ehrgeiz befriedigt. Der Durst war sein grösstes Problem.
Christiana Sutter
Am Abend vor der grossen Tour geniesst Beat Boller die Stimmung auf der Selunalp. (Bild: PD)

Am Abend vor der grossen Tour geniesst Beat Boller die Stimmung auf der Selunalp. (Bild: PD)

Auf der Selunalp ist es an diesem letzten Samstagmorgen im August noch dunkel. In der Alpwirtschaft Wildmanndli, am Fusse des Seluns, kommt langsam Betrieb auf. 14 Personen haben dort übernachtet. Ihr Vorhaben ist es, alle sieben Churfirsten an einem Tag zu besteigen. Der 68-jährige Beat Boller berichtet:

«Ich war wohl der älteste dieser Berggänger. Die meisten der Churfirsten-Wanderer an diesem Tag waren jüngere Leute.»

Am selben Tag auf allen sieben Gipfeln zu stehen, ist bei den Berggängern sehr beliebt. In den letzten paar Jahren wurde daraus ein richtiger Hype.

Artikel über Fernwanderungen im «Toggenburger»

Beat Boller hat die Freude am Wandern geerbt. (Bild: Christiana Sutter)

Beat Boller hat die Freude am Wandern geerbt. (Bild: Christiana Sutter)

Boller ist in einer wanderfreudigen Familie mit zwei Geschwistern in Wattwil aufgewachsen. Der Vater, Redaktor und Geschäftsführer beim «Toggenburger», war während des Aktivdiensts Offizier der Gebirgsinfanterie. Er war mit seinen Leuten viel in den Alpen unterwegs.

Die Leidenschaft des Wanderns hat er in die Familie gebracht. Als Neunjähriger durfte Boller zum ersten Mal mit an eine Fernwanderung, «von Schaffhausen nach Schwyz», erinnert er sich. «Ich könnte genau aufzählen, wo wir gewandert sind und wie lange wir unterwegs waren.» Sechs oder sieben Tage dauerte diese Wanderung.

Die Mutter war Lehrerin. Während der Fernwanderungen mussten alle Familienmitglieder ein paar Sätze der Tageswanderung in ihr Wandertagebuch schreiben. Aus diesen Wandertagebüchern schrieb die Mutter jeweils eine Artikelfolge für den «Toggenburger». Jeden Tag wurde eine Folge gedruckt. Diese wurden gerne gelesen und die Familie erhielt viel Echo aus der Bevölkerung.

Leichtes Gepäck für die Wanderung

Boller, Ingenieur der Agronomie und Doktor der technischen Wissenschaften, packte seinen Rucksack für die Sieben-Churfirsten-Wanderung mit leichtem Gepäck.

«Ein paar Riegel und eine 1-Liter-Glasflasche mit Wasser.»

Beim Torloch füllt Beat Boller seine Wasserflasche zum letzten Mal auf. (Bild: Christiana Sutter)

Beim Torloch füllt Beat Boller seine Wasserflasche zum letzten Mal auf. (Bild: Christiana Sutter)

Gestartet ist er mit seiner Begleiterin um 5.15 Uhr. Das erste Ziel war der Gipfel des Seluns. «Der Selun ist speziell. Er hat einen langen, geraden Rücken. Die Schafe können bis zum Gipfel hochgehen und grasen. Es ist ein lieblicher Berg.» Dann folgt der Übergang zum Frümsel. Viele der Sieben-Churfirsten-Wanderer nutzen zwischen den einzelnen Bergen Trampelpfade, die nicht ausgeschildert sind. «Wenn so viele Leute diese Wanderung machen, sollte man eigentlich die Querverbindungen zwischen den Churfirsten schon besser sehen, man sieht aber keine Wege», bemerkt Boller. Beim Abstieg vom Selun hat er seine Sportbrille verloren, «ich hatte zum Glück noch eine andere dabei», erzählt er schmunzelnd. Boller beschreibt den Frümsel:

«Der Frümsel ist abweisend. Man bekommt das Gefühl, dass der nicht will, dass man ihn besteigt. Er ist spitzig und steil».

Wieder zurück am Fusse des Frümsels, musste er sich von seiner Begleitung verabschieden. Sie hatte Schmerzen in den Knien. Beim Torloch unterhalb des Frümsels konnte Boller seine Flasche mit frischem Quellwasser auffüllen. Er musste anschliessend sehr haushälterisch mit dem Wasser umgehen, «es war die einzige und letzte Möglichkeit, die Flasche zu füllen, und das bereits nach dem zweiten Gipfel».

Leidenschaft Berge: Beat Boller. (Bild: Christiana Sutter)

Leidenschaft Berge: Beat Boller. (Bild: Christiana Sutter)

Heute wohnt er in Zürich

Agroscope war während 31 Jahren der Arbeitgeber von Beat Boller. Er leitete das einzige professionelle Gras- und Kleezüchtungsprogramm der Schweiz. Heute ist er wissenschaftlicher Mitarbeiter im Ruhestand und wohnt seit 30 Jahren in der Stadt Zürich. «Auf der Sieben-Churfirsten-Wanderung ist mir der Purpur-Enzian, eine spezielle Unterart, aufgefallen», berichtet der Agronom. «Der Rhythmus des Wanderns ist langsam. Da ich ein Augenmensch bin, geschieht meine Wahrnehmung zuerst über die Augen.» Er erzählt, dass er sehr gerne in der Natur unterwegs ist.

«Während des Laufens lässt man seine Gedanken schweifen und nimmt sehr gut wahr, was um einen herum geschieht. Es gibt keine andere Art des Reisens, wo die Landschaft oder ein Ort so intensiv erlebt werden kann.»

So hat er auf der Wanderung auch das eine oder andere Schneehuhn gesichtet.

Öder Aufstieg zum Brisi

Der dritte Gipfel auf der Tour war der Brisi. Es sei eher ein Krampf, bis man oben sei, sagt Boller. Die Steigung ist gleichmässig. «Ein öder Aufstieg», bemerkt Boller. Der Gipfel ist sehr breit. «Der Brisi ist ein super Skiberg. Im Winter ist es schöner, wenn man mit den Skis abwärtsfahren kann», sagt er. Der Zustoll ist der einzige, der richtige Anforderungen an den Wanderer stellt. Oben ist der Weg weiss-blau markiert und exponiert. «Man sollte schwindelfrei sein», erzählt Boller, «er ist auch etwas ‹gfürchig›». Der Gipfel ist wie ein Zylinder. Es geht auf drei Seiten sehr weit und steil hinunter.

Am Fusse des Zuestolls war das Trinkwasser wieder Thema. «Es gab eine Stelle, an der Wasser aus dem Fels tropfte. Ich überlegte, ob ich die Flasche darunter stellen und Wassertröpfchen eingefangen soll», sagt Beat Boller. «Ich hätte auf den Gipfel laufen können und die Flasche stehen lassen, hatte jedoch Angst, dass sie umfällt und dann gar kein Wasser mehr drin ist – dann hätte ich aufhören müssen.»

Der Durst dominiert am Hinterrugg

Der Schibenstoll ist ein «gemeiner» Berg, sagt Boller. Nachdem man in einem Kännel hochgelaufen sei, erreiche man eine Felsscheibe, auf der man noch lange weitergehe. Zum Gipfel hin werde der Weg flacher und irgendwann ist man trotz allem doch oben. Das dominierende Thema beim Aufstieg auf den Hinterrugg war der Durst.

«Es wurde streng und ich musste mir Mühe geben, noch etwas Genussreiches an der Wanderung zu finden.»

Der Hinterrugg ist mit 2306 Metern der höchste der Churfirsten. Von ihm kann man auf alle anderen Churfirsten hinunter schauen. «Schön ist auch die Aussicht auf den Walensee, wenn man auf der Westflanke steht», erzählt Boller.

Boller hat um 19.45 Uhr nach rund 14,5 Stunden, 20 Kilometern und 2700 Höhenmetern den Chäserrugg erreicht. Zum Glück war das Restaurant wegen einer Veranstaltung noch offen und die Bahn für die Rückfahrt in Betrieb. Als Erstes stillte er seinen Durst.

«Und ich hatte Lust auf einen Teller Spaghetti Bolognese.»

Boller bezweifelt, dass er die Tour nochmals macht: «Mein Ehrgeiz ist befriedigt.» Auf jeden Fall würde er genügend Trinkwasser mitnehmen. «Ich bereue, dass ich am Morgen im ‹Wildmanndli› nicht noch zwei Flaschen Bier als Energiespender mitgenommen habe», sagt er und lacht.

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