6,6 Millionen Badewannen voll Wasser werden hier jährlich genutzt

Die Wasserversorgung Herisau führte unlängst im Gebiet Böschenbach bei Mogelsberg Feldversuche und Messungen durch. Das Ziel war, mehr über die Ergiebigkeit des Grundwassers und der Quelle in Erfahrung bringen.

Urs M. Hemm
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Wasser des Aachbachs (hier unterhalb Mogelsberg) versickert im Boden und wird als Grundwasser für die Wasserversorgung gefasst. (Bild: Urs M. Hemm)

Wasser des Aachbachs (hier unterhalb Mogelsberg) versickert im Boden und wird als Grundwasser für die Wasserversorgung gefasst. (Bild: Urs M. Hemm)

Jährlich werden rund eine Million Kubikmeter Wasser aus dem Grundwasser und der Schwendimannquelle im Gebiet Böschenbach unterhalb Mogelsberg für die Versorgung der Bevölkerung bezogen. Dies entspricht in etwa der Füllung von 6,6 Millionen Badewannen à 150 Litern. «Das Pumpwerk Böschenbach und die dazu gehörenden Anlagen sind ein Gemeinschaftswerk, welche von Herisau, Degersheim und Mogelsberg betrieben werden», sagt Thomas Scherrer, Technischer Leiter der Wasserversorgung Herisau.

Zwischen 60 und 70 Prozent des Wassers fliessen nach Herisau, Degersheim wird mit 250'000 Kubikmeter versorgt und Mogelsberg bezieht etwa 100'000 Kubikmeter Wasser pro Jahr.

Fünf Fassungen speisen den Filterbrunnen Böschenbach mit Grundwasser. Unter anderem über ihn werden Herisau, Degersheim sowie Mogelsberg mit Frischwasser versorgt. Ein Horizontalfilterbrunnen ist ein Brunnentyp, bei dem das Grundwasser durch horizontal verlaufende Rohre gefördert wird. (Bild: Urs M. Hemm)

Fünf Fassungen speisen den Filterbrunnen Böschenbach mit Grundwasser. Unter anderem über ihn werden Herisau, Degersheim sowie Mogelsberg mit Frischwasser versorgt. Ein Horizontalfilterbrunnen ist ein Brunnentyp, bei dem das Grundwasser durch horizontal verlaufende Rohre gefördert wird. (Bild: Urs M. Hemm)

Gespeist wird das Pumpwerk einerseits von einem Horizontalfilterbrunnen, andererseits von der Schwendimannquelle. «Wie hoch jedoch der Anteil des jeweiligen Zuflusses ist, und woher genau das Wasser herkommt, wissen wir nicht», sagt Thomas Scherrer. Daher hat die Wasserversorgung Herisau hydrologische Abklärungen beim Geologiebüro Lienert & Haering AG aus St. Gallen in Auftrag gegeben, welche mittels Färb- und Pumpversuchen Antworten auf diese Fragen liefern sollen. Die Resultate der Untersuchungen sollen demnächst vorliegen.

Farbstoffe als Messhilfe

Die Färbversuche wurden diesen September im Aach- sowie im Ruerbach durchgeführt, welche beide unmittelbar durch das Gebiet Böschenbach fliessen. «Eine gewisse Menge des Wassers, das in diesen Bächen fliesst, versickert im Boden und gelangt ins Grundwasser − die so genannte Infiltration», erläutert Thomas Scherrer. Durch das Einbringen von Farbstoffen können der Grad der Infiltration, also die Menge des versickerten Wassers und die Fliesszeiten durch Messungen bestimmt werden.

Thomas Scherrer, Technischer Leiter der Wesserversorgung Herisau, steigt in den Brunnen ab. (Bild: Urs M. Hemm)

Thomas Scherrer, Technischer Leiter der Wesserversorgung Herisau, steigt in den Brunnen ab. (Bild: Urs M. Hemm)

Für die Bestimmung der Fliesszeit wurden über eine festgelegte Periode Wasserproben aus der Quelle und dem Brunnen genommen und die Konzentration des Farbstoffes gemessen. «Aus dem Zeitpunkt, an welchem die Farbstoffe eingebracht wurden und dem Messzeitpunkt, an dem die Stoffe an der Quelle oder im Brunnen festgestellt wurden, kann die Fliessgeschwindigkeit berechnet werden», sagt Thomas Scherrer. Je nachdem, ob nur der eine Farbstoff oder beide festgestellt wurden, kann zudem die Herkunft des Wassers bestimmt werden.

Um die Fliesswege zu bestimmen, müssen Bohrungen ins Grundwasser führende Gestein vorgenommen werden und Proben entnommen werden. «Den möglichst genauen Weg des Wassers zu kennen ist insbesondere für die Festlegung der Schutzzonen von Bedeutung. Aufgrund dieser Resultate können diese allenfalls angepasst werden. Zudem liefern sie wichtige Erkenntnisse in Bezug auf zu treffende Massnahmen im Falle einer Verunreinigung», erläutert Scherrer.

Ökologische Auswirkungen sind noch unklar

Die mögliche Fördermenge lässt sich durch Pumpversuche feststellen. Dabei werden die Pegelstände gemessen, während dem die Pumpe in Betrieb ist. «Die Messresultate lassen Rückschlüsse auf die Durchlässigkeit des Grundwasser führenden Gesteins und somit auch auf die möglichen Fördermengen zu», sagt Thomas Scherrer.

Die Wasserversorgung Herisau ist sich dessen bewusst, dass das geförderte Wasser nicht in die Bäche und später in Thur zurückfliesst und somit, speziell in trockenen Jahren wie in diesem, dort allenfalls fehle. «Diese Versuche bringen nicht nur uns wichtige Erkenntnisse. Sie liefern auch die Grundlage, welche für eine Abklärung der ökologischen Auswirkungen auf die Gewässer sowie die Uferflora und -fauna aufgrund unserer Wasserentnahme nötig ist», sagt Thomas Scherrer. «Wir sind gegebenenfalls für Gespräche offen. Doch sollte die Versorgungssicherheit im unserem Versorgungsgebiet gewährleistet sein.»

Erneuerung Schwendimannquelle und Leitungen

Die Fassung der Schwenidmannquelle stammt gemäss Thomas Scherrer aus den 60er Jahren. «Wenn wir den Deckel öffnen, sieht man, dass direkt darunter die Wasseroberfläche ist.»

Sind Arbeiten an den Geräten nötig, muss mit den meist verschmutzten Schuhen eingestiegen werden, was nicht heutigen Wasserhygienevorschriften entspricht, weil das Wasser verschmutzt werden kann. «Nach heutigen Vorschriften braucht ein Schacht einen Trockeneinstieg», sagt Scherrer. Daher soll über der Quellfassung ein kleines Gebäude erstellt werden, in welchem alle Armaturen untergebracht werden können, ohne direkt über der Wasseroberfläche arbeiten zu müssen.

Dafür sind Investitionen von rund 250'000 Franken vorgesehen. «Angesicht dessen, dass solche Werke eine Lebensdauer von mindestens 60 Jahre haben, ist dieser Betrag durchaus vertretbar», sagt Thomas Scherrer. Zudem sollen unter anderem die Transportleitungen nach Mogelsberg und Degersheim erneuert werden.

«Zwischen Hoffeld und Degersheim wurden die ersten Arbeiten im Zuge der Umstellung von Mischleitungen auf ein Trennsystem bereits ausgeführt. Weitere Synergien wurden genutzt, als die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG ihrerseits neue Leitungen verlegte», sagt Thomas Scherrer. So hätten in beiden Fälle die Kosten aufgeteilt und dadurch gespart werden können.

Die Bauarbeiten für die Erneuerung der Schwendimannquelle, sollen in Laufe dieses Winters ausgeführt werden. (uh)